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Donnerstag, 17.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

FCA bleibt weiter rätselhaft

Nach der weiterhin ungeklärten Freistellung von Dirk Schuster bleibt das Management des FCA auch bezüglich der Planung der zweiten Saisonhälfte im Vagen.

Kommentar von Siegfried Zagler

Die wahren Gründe, die zur Suspendierung eines Trainers führten, den FCA-Präsident Hofmann und Manager Reuter noch vor wenigen Monaten unbedingt wollten und aus einem laufenden Vertrag herauslösten, sind wohl nicht die von der FCA-Führung angegebenen, wenn man dem Augsburger Flurfunk Glauben schenken will. Doch darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Schuster ist in Augsburg zwar Geschichte, aber im Nachgang muss man ihm attestieren, dass er old-school-mäßig sein taktisches Konzept an den Möglichkeiten des Augsburger Kaders ausrichtete.

Diese späte Einsicht lässt wiederum den Schluss zu, dass Schusters Nachfolger für sein Fußballkonzept, das sich an den Vorbildern Hoffenheim und Leipzig ausrichtet, nicht die passenden Spieler hat. Manuel Baums Vorstellung, nämlich Balleroberung nach hohem und intensivem Pressing mit schnellem Umschaltspiel und schnellem Abschlussvorhaben hielten alle Mannschaftsteile der Augsburger in den zurückliegenden beiden Spielen nicht länger als 30 Minuten durch. Dirk Schuster ließ die Mitte zustellen und den Ball nach Eroberung sichern, bis schließlich ein weiter Ball nach vorne geschlagen wurde. Das war grausam anzusehen, aber relativ erfolgreich, weil der FCA somit genau das spielte, wozu er imstande war und ist. Für Baums Konzept fehlt dem FCA nach vorne fast alles, was man hierfür benötigt, nämlich schnelle Außen und ballsichere Mittelfeldspieler mit der Fähigkeit der Tempoaufnahme und mit Knipserqualitäten. Eine Mannschaft, die nur die ersten 30 Minuten – wie in den Partien gegen Dortmund und Hoffenheim – die Marschroute des Trainers umsetzen kann, verliert allzu schnell Ordnung und Sicherheit.

Kurzum: Will der FCA an Baum und seiner an der Qualität des Kaders vorbei geplanten Spielphilosophie festhalten – und die Offensive nicht verstärken, dann stimmt gar nichts mehr für die Rückrunde, in der der FCA sehenden Auges den Marsch in den tödlichen Treibsand des Abstiegs riskiert.