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Donnerstag, 29.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Blattschuss von Mainz?

Am heutigen Samstag trifft der FC Augsburg um 15.30 Uhr auf Mainz 05. Die Bedeutung dieser Partie ist für den FCA leicht zu beschreiben: Ein Sieg hilft weiter, eine Niederlage käme einer Katastrophe gleich.

Von Siegfried Zagler

Finanziell geht es dem FCA so gut wie nie. Auf dem 9. Platz liegen die Augsburger in der Geldtabelle der Bundesliga. Allein die nationalen Fernsehgelder-Einnahmen sind mit 35 Millionen Euro zu beziffern. Im Pokal und in der Europa League sprudeln die Prämien, sodass das Armenhaus-Image und damit verbundenen Bundesliga-Legenden des FCA spätestens mit dem Beginn dieser Saison zu den Akten gelegt werden konnten. Und dennoch steht der FCA ausgerechnet nach zehn Spieltagen in dieser Saison sportlich so schlecht da wie noch nie – seit dem Aufstieg ins Oberhaus. Hinten fahrig, im Mittelfeld physisch und läuferisch zu schwach und vorne inkonsequent und ohne Konzept. So die Kennzeichnung eines Abstiegsaspiranten, der von zehn Liga-Partien nur eine gewinnen konnte (Heimspiel gegen desolate Hannoveraner) und bei den beiden Unentschieden gegen Frankfurt und Leverkusen nur in der zweiten Halbzeit in Frankfurt überzeugen konnte.

Dass die Augsburger nicht alles verlernt haben, was sie in den vergangenen Bundesligajahren auszeichnete, zeigten sie am vergangenen Mittwoch in Freiburg, als sie im Pokal gegen den Tabellenführer der Zweiten Liga den Nachweis erbrachten, dass sie vom Niveau der Zweiten Liga noch ein Stück entfernt sind. In Freiburg wurde intensiv gepresst und bei Balleroberung schnell auf Angriff umgeschaltet. Entscheidend für den deutlichen und nie gefährdeten 3:0 Sieg war etwas völlig Überraschendes, nämlich das Nutzen der erspielten Torchancen.

Gegen Mainz gilt heute, was von nun an in allen Liga-Spielen gilt: Im Abstiegskampf ist Hacke-Spitze-Eleganz nicht angebracht. Nur wenn der FCA zu seinen alten Tugenden zurückkehrt, kommt er aus der selbst verschuldeten Bredouille wieder heraus. Jedes Spiel muss so angegangen werden, als wäre es das letzte. Jeder Zweikampf so geführt werden, als wäre er spielentscheidend. Gegen den Ball müssen alle Mannschaftsteile eingebunden sein. Ballbesitz interessiert nicht, sondern Balleroberung und direkter Zug zum Tor. Spieler wie Baier und Altintop, die in erster Linie durch Laufökonomie und Fallsucht (Altintop) auffallen, sollten ins zweite Glied rutschen. Dass sich bei den Augsburgern leicht die Vorstellung einschleicht, dass man gegen vermeintlich schwächere Teams alles spielerisch lösen muss, zeigte die Rückrunde der vergangenen Saison, in der der FCA stets in der Tabelle oben stand und gegen tief im Abstiegskampf verstrickte Teams ausnahmslos schlecht spielt und meist verlor.

Die Liga ist in diesem Jahr im hinteren Tabellensegment aufgrund der beiden Sensationsaufsteiger sehr stark. Auch die üblichen Abstürze der Dinos wie Köln, Berlin, Hamburg und Stuttgart werden in diesem Jahr wohl ausbleiben, da diese Mannschaften bisher einen sehr gefestigten Eindruck hinterließen. Die Situation des FCA ist also ernst wie nie, weshalb ein Sieg gegen die trudelnden Mainzer, die von den zurückliegenden fünf Pflichtpartien vier verloren, einen Wendepunkt in der Liga einleiten muss. Sollte es heute den FCA wieder mit einer Niederlage treffen, käme dieser Mainzer Treffer einem Blattschuss gleich.