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Freitag, 05.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

FCA: „Alles ist möglich!“

Von Siegfried Zagler

Mit 3:1 besiegte der FCA Energie Cottbus und unterstrich in einem sehr guten Zweitligaspiel zum Rückrundenstart die Expertenmeinung, dass der FC Augsburg in dieser Saison zu den ersten Aufstiegsanwärtern für das Fußballoberhaus zählt.

„Wir haben von Beginn an viel investiert und nach den Toren war der Sieg eigentlich nie gefährdet“, so FCA-Trainer Jos Luhukay. Dem wollte Claus-Dieter Wollitz, Trainer von Energie Cottbus, nicht widersprechen: „Der FCA hat stark angefangen, war präsent und hatte auf diesem schweren Boden ein gutes Passspiel. Wir haben zwar ansatzweise einige gute Szenen, aber richtig konsequent waren wir nicht.“ Mit diesen beiden Traineraussagen ist das Spiel am gestrigen Sonntagmittag knapp aber zutreffend analysiert.

Der FCA zeigte in den ersten 40 Minuten auf schweren Geläuf in der impuls arena seine außerordentliche spielerische Klasse und konnte aufgrund seiner herausragenden Kreativspieler Ibrahima Traore und Marcel Ndjeng mit flüssigem Kombinationsspiel immer wieder für Gefahr vor dem Gästetor sorgen. Ndjeng und Traore arbeiteten auch geschickt laufstark nach hinten und sorgten zusammen mit dem zweifachen Torschützen Sandor Torghelle für ein erstklassiges Pressing, aus dessen Würgegriff sich die Cottbusser erstmalig in der 42. Minute befreien konnten. Kweuke scheiterte freistehend an Simon Jentzsch. Mehr war für den Bundesligaabsteiger in der ersten Halbzeit nicht drin. Zu diesem Zeitpunkt führte der FCA längst hochverdient mit 2:0 durch zwei Tore von dem kämpferisch überzeugenden Sandor Torghelle. Beim 1:0 (16.) konnte der ungarische Nationalstürmer eine feine Hereingabe von Möhrle problemlos verwerten, das 2:0 müsste man zu 100 Prozent Traore zusprechen, der dem Cottbusser Bittrop an der Mittellinie das Leder abluchste und mit dem Ball am Fuß in seiner unwiderstehlichen Art in den Cottbusser Strafraum sprintete und somit eine eins zu eins Situation gegen den Cottbusser Keeper Tremmel herstellen konnte. Traore zirkelte das Spielgerät überlegt ins lange Ecke. Kurz bevor der Ball die Linie in vollem Unfang überquerte, rutschte Torghelle humorlos ins Leder (31.). „Torklau“ der sympathischen Art, da sich Torghelle aus seiner Perspektive heraus nicht sicher sein konnte, dass der Ball auch reingeht. Die Entstehung des Tores war – pars pro toto – symptomatisch für das Spiel der ersten Halbzeit. Der FCA zeigte in der Rückwärtsbewegung Biss und im Spiel nach vorne Spielwitz und Genauigkeit.

Nun sollten die Augsburger Fußballfans aufwachen

Sandor Torghelle: "Es ist alles möglich"

Sandor Torghelle: "Es ist alles möglich"


In der zweiten Halbzeit ließen die Augsburger den Gegner kommen und versuchten mit Konterspiel die endgültige Entscheidung herbeizuführen. Zwangsläufig kamen die Cottbusser besser ins Spiel, verstanden es aber nicht aus dem Mittelfeld heraus den FCA unter Druck zu setzen. Als in der sechzigsten Minute Marcel Ndjeng nach Flanke von Traore und Tremmel- Fehler zum 3:0 einköpfen konnte, schien das Spiel entschieden. Doch in der Folge spielt der FCA zu nachlässig, weshalb die Lausitzer zu einigen Großchancen kamen. Das 3:1 von Shao nach Kopfballzuspiel von Kweuke in der 74. Minute sowie die letzte Viertelstunde, in der Energie zwei so genannte 100prozentige Torchancen nicht verwerten konnte, zerfledderten den starken Gesamteindruck der FCA-Vorstellung zwar ein wenig, ließen aber nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen, dass der FCA als verdienter Sieger vom Platz ging.

Es ist nun langsam an der Zeit, dass das FCA-Management von seinem ostentativ zur Schau getragenem Understatement ablässt. Man denke weiter von Spiel zu Spiel und verfolge das zu Saisonbeginn formulierte Ziel eines einstelligen Tabellenplatzes, so FCA-Manager Andreas Rettich in der Halbzeitpause zum Fernsehsender Sky. Zu hohe Eintrittspreise sowie die bescheidene Zielformulierung des Managements haben dazu geführt, dass man beim FCA mit dem Publikumszuspruch nicht wirklich zufrieden sein kann. Am Samstag waren es offiziell 12.288 Zuschauer. Angesichts der realistischen Möglichkeit, dass der FCA in der Rückrunde in die erste Liga rauschen könnte, ist das eine enttäuschende Zahl. Verglichen mit den restlichen Begegnungen an diesem Ligaspieltag relativiert sich das jedoch wieder. Nur in Aachen kamen mehr Zuschauer als in Augsburg. Nach dem Spiel verkündete Sandor Torghelle über Sky, was in dieser Stadt schon längst alle Experten von den Dächern pfeifen: „In dieser Saison ist alles möglich.“ Es gehe nicht darum, den dritten Platz anzustreben, der erste oder zweite Platz sei das Ziel. Torghelle hat es kapiert, die Mannschaft wohl auch, das Management übt sich zwar in unglaubwürdiger Leisetreterei, weiß wohl aber auch, was die Stunde geschlagen hat. Nun sollten die Augsburger Fußballfans in der Stadt und im Umland aufwachen: Diese Stadt kann sich einen Bundesligisten leisten, das muss brennen!

FCA: FCA: Jentzsch – Reinhardt (64. Strauß), Möhrle, de Roeck (81. Bellinghaus), Buck, Sinkala, Hegeler (72. Nebel), Ndjeng, Brinkmann, Traore, Torghelle.