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Freitag, 05.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Fußball-EM 2024

Erste Hochgefühle nach dem Sieg gegen die Highlander

Allen Unkenrufen zum Trotz kam die deutsche Nationalmannschaft zu einem klaren 5:1 EM-Auftaktsieg gegen Schottland in der Münchner Allianz-Arena.

Von Udo Legner

Der Start in die EM 2024 hätte nicht besser sein können. Das Gästeteam aus Schottland liess nicht erst in der Münchner Allianz-Arena, sondern schon Tage vorher EM-Stimmung aufkommen. 100.000 schottische Fans sorgten bereits im Vorfeld der Partie mit schottischen Röcken und Dudelsäcken in der bayer­ischen Landes­hauptstadt für viel inter­nationales Flair. So fühlte man sich nicht nur in den Münchner Biergärten an das Sommermärchen-WM-Motto von 2006 erinnert – „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Nach der Europa­müdigkeit, die sich bei der Europawahl gezeigt hatte, nach all dem Frust, die der unverkennbare Rechtsruck ausgelöst hatte und den Nachwehen, die immer noch weh tun, kam dieser Themenwechsel zu König Fußball zur rechten Zeit. Europaweite Medien­aufmerksamkeit ist garantiert und die Hoffnung ist groß, dass das gemeinsame Feiern der Fangruppen aus den 23 europäischen Ländern auch ein klares Zeichen gegen die neuen nationalistischen Tendenzen setzt.

Mehr noch als die schottischen Fans beflügelte der Auftritt der deutschen Elf die Hoffnung auf die Wiederholung des Sommermärchens. Nationaltrainer Nagelsmann schenkte derselben Elf das Vertrauen, die im letzten Vorbereitungsspiel gegen Griechenland – die DAZ berichtete – zumindest in der zweiten Halbzeit halbwegs überzeugt hatte.

Traumstart der Nagelsmann-Truppe

Von Beginn an dominierte die deutsche Elf und setzte die schottische Defensive über die Aussenbahnen unter Druck. Fast im Zwei-Minuten-Takt erspielt sich Nagelsmann-Truppe (Wirtz-Musiala-Havertz) erste Chancen und kurz darauf steht es auch schon 1:0 für Deutschland. Toni Kroos verlagerte auf rechts, von wo Kimmich den Ball weiter auf Wirtz leitete, der von der Strafraumkante flach auf‘s linke Eck schoss. Schottlands Keeper Gunn lenkte den Ball noch an den Innenpfosten, von wo er jedoch über die Linie zur frühen 1:0 Führung (10.) für Deutschland sprang. Noch schöner das 2:0 für Deutschland: Wieder war Kross der Ideengeber, der auf Gündogan passte, der genial Havertz anspielte, der wiederum geschickt auf Musiala weiterleitete, der nach spektakulärer Annahme den Ball noch spektakulärer unter die Latte zum 2:0 für Deutschland versenkte (19.). Nur wenige Minuten später: die Anzeigetafel zeigte Penalty Check für Deutschland (25.), doch der VAR-Check machte deutlich, dass Dupin den Münchner Musiala außerhalb des Strafraums gefoult hatte. Den Freistoß von Havertz konnte der Braveheart Torwart noch problemlos parieren, doch gegen Havertz’ Elfmeter kurz vor dem Halbzeitpfiff war er machtlos (44.) – Ryan Porteous hatte Gündogan brutal gefoult und dafür die rote Karte kassiert. Premiere in der deutschen EM-Historie – Erstmals kamen 21jährige Benjamine zu Torerfolgen!

Fazit zur Halbzeit: Konzentrierter Auftritt der deutschen Elf mit geradezu optimaler Chancenverwertung.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff zeigte die schottische „Elf“ zumindest ansatzweise Spuren von Offensivdrang, der jedoch nicht lange anhielt. Deutschland war weiterhin spielbestimmend und tat sich gegen die dezimierten Bravehearts leicht.

Jokermen: Füllkrug und Can

Zwangsläufig erhöhte der gerade eingewechselte Niclas Füllkrug (68.) auf 4:0 und versetzte die Fans in der Münchner Arena in pure Begeisterung. Einen Hingucker auf der Gegenseite gab es kurz vor Spielende: Ein Freistoß von Robertson wurde von McKenna auf Rüdiger geköpft, von dessen Kopf der Ball zum 1:4 für Schottland im deutschen Tor landete (87.). Für das Happy End sorgte schließlich ein weiterer Jokerman, der ebenfalls eingewechselte Emre Can, dessen Distanzschuss (90.+3) ins rechte untere Eck den 5:1 Endstand markierte.

Nach diesem fulminanten Auftaktsieg genügt der Nagelsmann-Truppe bei den beiden ausstehenden Vorrundenspielen gegen Ungarn (Mittwoch, 18 Uhr) und gegen die Schweiz (Sonntag, 21 Uhr) ein weiterer Sieg, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren. Weniger rosig sieht es dagegen für Schottland aus. In den Spielen gegen die Schweiz und Ungarn wird es für die Bravehearts darum gehen, weniger mit Offensivaktionen zu geizen, denn nur dann werden sich die Hoffnungen ihrer Fans erfüllen.

Tore: 1:0 Wirtz (10.), 2:0 Musiala (19.), 3:0 Havertz (FE, 45.+1) 4:0 Füllkrug (68.), 4:1 Rüdiger (87., Eigentor). 5:1 Can (90.+3)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)