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Mittwoch, 11.12.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Entlastung für die Staats- und Stadtbibliothek

Bei einem Ortstermin am 17. September in der Staats- und Stadtbibliothek machte sich der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, ein Bild von der dringlichen Lage für die Statik des Gebäudes. Anschließend sagte er als Sofortmaßnahme eine Auslagerung von nach und nach bis zu 50.000 Bänden in die Bayerische Staatsbibliothek nach Garching zu.

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ist eine der bedeutendsten Stadt- und Regionalbibliotheken Deutschlands. Vor Inbetriebnahme der Universitätsbibliothek Augsburg im Jahr 1970 war sie die einzige größere allgemeinwissenschaftliche Bibliothek im Regierungsbezirk Schwaben. Ihre Gründung geht in die Zeit der Reformation zurück. Sie dient neben wissenschaftlichen Zwecken insbesondere der Fortbildung und Informationsversorgung der Bevölkerung. Den Namen Staatsbibliothek erhielt sie, weil die Bestände der Bibliothek nach der Säkularisierung und Mediatisierung anfangs des 19. Jahrhunderts in das Eigentum des bayerischen Staates übergegangen sind. Dieser verpflichtet sie seit 1987, von jedem im Regierungsbezirk Schwaben erscheinenden Druckwerk (auch Zeitungen) ein Exemplar zu archivieren. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Zuwachs am Bestand immens.

Schon seit geraumer Zeit leidet die Bibliothek an Platzmangel. Das enorme Gewicht der Papiermengen gefährdet zunehmend die Statik. Pläne zum Ausbau des Dachgeschosses bestehen seit vielen Jahren, scheiterten aber immer wieder an den wegen der besonderen statischen Anforderungen hohen Investitionskosten von inzwischen 4,4 Millionen Euro.

Historische Lastenverteilung

Obwohl ein großer und rapide größer werdender Teil des Bücherbestandes dem Freistaat gehört, obliegt der Unterhalt fast ausschließlich der Stadt Augsburg. Lediglich mit einem jährlichen Betrag von 18.900 Euro beteiligt sich bislang der Staat. Diese Kostenverteilung geht auf einen Vertrag aus dem Jahr 1898 zurück, der – zwischen dem Königreich Bayern und der Stadt Augsburg geschlossen – eine jährliche Verteilung der Aufwendungen für die Bibliothek von 9.000 Reichsmark für die Stadt und 2.000 Reichsmark zu Lasten des Staates festschrieb. Bei diesem Verteilungsverhältnis ist es erstaunlicherweise bis heute geblieben, obwohl der staatliche Bestand überproportional anstieg. Dies soll sich künftig ändern.

Wie Kulturreferent Peter Grab in einem Interview gegenüber der DAZ erklärte, wurde der Vertrag überprüft. Dabei stieß man auf eine Klausel, die eine Anpassung in beiderseitigem Einvernehmen vorsieht. Darauf poche man nun gegenüber dem Ministerium, denn es bestehe inzwischen ein krasses Missverhältnis in der Deckung der Kosten für die im Besitz des Freistaates stehenden Bücher. Eine Anpassung des Vertrages wird vor allem auch deswegen für notwendig erachtet, da im Ergebnis eines Fördergespräches am 24. März 2009 nur ein Zuschuss von unter 30% für die notwendigen Maßnahmen in Aussicht gestellt worden war. Man habe inzwischen mit dem zuständigen Ministerium vereinbart, ab Mitte 2010 vor Erstellung des Doppelhaushalts 2011/2012 in dieser Sache in Verhandlungen zu treten.

Staatsminister auf Ortsbesichtigung

Dr. Wolfgang Heubisch

Dr. Wolfgang Heubisch


Aufgrund dieser veränderten Ausgangslage sowie der schlechten Haushaltslage der Stadt wird der notwendige Ausbau des Dachgeschosses des Gebäudes an der Schaezlerstraße zunächst zurückgestellt, bis abgeklärt ist, zu welchen Teilen künftige Unterhaltsleistungen aufgebracht werden. Dies könne der Stadt Augsburg einen ordentlichen Betrag einsparen helfen, so Grab. Da sich die Situation in der Staatsbibliothek aber zunehmend als nicht hinnehmbar erweist – die Bücher werden mittlerweile bereits auf den Gängen gelagert und belasten die Statik damit bis zum Äußersten – hatte Grab mit Schreiben vom 20. August an Dr. Heubisch nochmals um ein dringendes Gespräch gebeten. Dieses fand am Montag, 14. September im Ministerium zwischen Staatsminister Dr. Heubisch und Oberbürgermeister Dr. Gribl statt. Bereits drei Tage später kam der Minister nach Augsburg, um sich die Sache vor Ort persönlich anzusehen. Diese Ortbesichtigung wurde maßgeblich von Stadträtin und Kulturausschussmitglied Rose-Marie Kranzfelder-Poth initiiert, die ebenfalls bei der Ortsbesichtigung zugegen war, wie auch die Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß, Bürgermeister und Finanzreferent Hermann Weber, Kulturreferent Peter Grab und der Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Dr. Helmut Gier.

Sofortmaßnahme zugesagt

Die Zustände in den Räumlichkeiten der Bibliothek überzeugten Minister Dr. Heubisch, eine Sofortmaßnahme der Staatsregierung zuzusagen. Ab sofort sollen Zug um Zug in den nächsten Jahren bis zu insgesamt 50.000 Bände in die Speicherbibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek nach Garching ausgelagert werden. In der Augsburger Bibliothek werden nun zunächst die wichtigen Bestände wieder in die eigentlichen Räume verlagert und die weniger wichtigen für die Auslagerung nach Garching vorbereitet. Die ausgelagerten Bücher bleiben per Fernleihe für die Nutzer jederzeit verfügbar. Zweimal pro Woche bringt ein Zulieferdienst aus Garching die angeforderten Bücher nach Augsburg. Für die Bücher ist diese Lösung vorteilhaft, da in Garching, im Gegensatz zu provisorischen Räumlichkeiten im Stadtgebiet, beste klimatische Bedingungen geben sind. Mietkosten fallen bei dieser Lösung nicht an, im Gegenteil beträgt die voraussichtliche Ersparnis für die Stadt mehr als 100.000 Euro. Die Zusage des Staatsministeriums sorgt umgehend für die dringend notwendige statische Entlastung des Gebäudes, künftig hoffentlich für eine des städtischen Haushalts und ist darüber hinaus für die pflegliche Behandlung des wertvollen Bestandes von großem Nutzen.