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Montag, 01.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

„Eine neue Epoche beginnt“: impuls arena eröffnet

Gestern wurde vor 24.513 Zuschauern zum ersten Mal in der impuls arena Fußball gespielt. Mit dem neuen Stadion fängt im Augsburger Profifußball, so der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, „eine neue Epoche“ an.

Kurt Gribl, Horst Seehofer - Foto: Gaby Zweck

Kurt Gribl, Horst Seehofer - Foto: Gaby Zweck


Vor den Festreden wurde ein Ritual zelebriert. Helmut Haller und Uli Biesinger pflanzten ein Stück Rasen aus der Rosenau ins neue Spielfeld. Eine Aktion, die an die sportliche Klasse der Vergangenheit erinnerte und die alten Erfolge mit ins aktuelle Geschehen tragen soll. „Es ist angerichtet“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl. „Das Stadion beeindruckt durch seine Funktionalität. Kein Schnickschnack“. Es sei nach der ein oder anderen Turbulenz ein befriedigendes Gefühl, das die Eröffnung bei ihm erzeuge, man könne nämlich bereits heute stolz auf die sportlichen Konsequenzen sein. Gribl bezog sich dabei auf die U20-WM der Frauen im nächsten Jahr und auf die Teilhabe bei der Frauen-WM 2011.

„Ihr seid der FCA“

v.l.: Walther Seinsch, Helmut Haller, Uli Biesinger - Foto: Gaby Zweck

v.l.: Walther Seinsch, Helmut Haller, Uli Biesinger - Foto: Gaby Zweck


FCA Präsident Walther Seinsch, der die neue Arena auf den Weg gebracht hat, gab sich in seiner Rede bescheiden und übergab den „Stab der Ehre“ den Fans: „Ihr seid der FCA!“ Und in der Tat ist das neue Fußballstadion im Augsburger Süden ein Stadion erster Güte, weil es auf die Ansprüche der Fans ausgerichtet ist, und somit die Architektur der neuen FCA-Heimat als Hommage an den Fußball zu lesen ist. Der Fußball soll wieder erdiger werden. Dieser Wunsch von „Bauherr“ Seinsch ist aufgegangen.

Keine der 52 VIP-Logen ist überzogen mondän. Die schwach gepolsterten Sitze der 1791 Business-Seats auf der Haupttribünensitze kann der in Plastikschalen sitzende „gewöhnliche“ Zuschauer ebenfalls nicht als fußballfremdes Ausgrenzungselement verwerfen. Von jedem Platz des Stadions kann man alle Eckfahnen sehen. Die Akustik ist hervorragend. Die Fangesänge erreichen jeden Winkel, verfransen und überschlagen sich nicht. Die Ansagen und die unvermeidlichen Musikeinspieler haben akzeptable Lautstärke und ebenfalls hohe akustische Qualität. In der Pause entsteht weder im Bereich der Toiletten noch vor den Getränke- und Imbissbuden Gedränge. Die Ränge sind steil und die Leute sitzen eng nebeneinander. Dadurch entsteht dichte, englische Atmosphäre. Keine Fangnetze hinter den Toren und keine tiefstehende Abendsonne, die die Spielfläche in Hell- und Dunkelzonen aufteilt. In diesem Stadion kann etwas entstehen und wachsen, wonach man sich in Augsburg seit vielen Jahren sehnt: die Rückkehr des Glanzes vergangener Tage.

„Geringe Belastung der öffentlichen Hand“

Etwa 45 Millionen Euro hat das Stadion gekostet. Davon kommen zirka 25 Millionen von einer Investorengruppe um Walther Seinsch. 15 Millionen wurden über Kredite finanziert. Fünf Millionen wurden vom Freistaat zugeschossen. Die Stadt Augsburg steuerte einen zusätzlichen Beitrag von sieben Millionen für Außenanlagen und 2500 Parkplätze bei. Laut FCA-Aufsichtsratvorsitzenden Peter Bircks bedeutet der Anteil der öffentlichen Mittel beim Bau der impuls arena eine „im Vergleich zu anderen Fußballstadien in Deutschland geringe Belastung der öffentlichen Hand.“

Schwabenauswahl spielte auf Augenhöhe mit

Fußball wurde auch gespielt. Der Einweihungskick war überraschenderweise in der ersten Halbzeit völlig ausgeglichen. Die Auswahl der schwäbischen Spitzenamateure spielte auf Augenhöhe mit, und die beiden agilen Stürmer Andreas Rucht (TSV Schwabmünchen) und Yusuf Bakircioglu (1.FC Sonthofen) brachten die weit aufgerückte Viererkette der Profis mit schnellen Kontern öfters in Verlegenheit. Mit Keeper Simon Jentzsch und Rechtsverteidiger Dominik Reinhardt hat sich der FCA sehr klug verstärkt. In der Vorwärtsbewegung fehlte es wie gehabt an Präzision und Kreativität. Trainer Jos Luhukay will in der kommenden Saison – betrachtet man die gestrige Anfangsformation als vorläufige Absichtserklärung – mit Viererkette und zwei Spitzen spielen lassen. Der stets robust kämpfende Holzfuß Tobias Werner soll wohl wie letztes Jahr über die linke Seite in die Mitte ziehen. Auch wenn es gestern gegen die lauf- und kampfstarke Amateurauswahl nur zu einem 2:0 Sieg reichte und die bekannten Mängel noch sichtbar waren: Der FCA geht in seine vierte Zweitligasaison mit der stärksten Mannschaft seit Beginn der Ära Seinsch. „Es ist angerichtet“. Nun sollte der Aufstieg ins Visier genommen werden.

Englische Atmosphäre in der neuen impuls arena