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Samstag, 22.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Eine Frage der Prägnanz

Kommentar zur Beendigung des CFS-Debakels

Von Bruno Stubenrauch

Heute stimmt der Stadtrat über die Lösung des Sichtproblems im Curt-Frenzel-Stadion ab. Verlieren werden die Stadionarchitekten Hermann + Öttl. Nicht weil ihre Optimierungsvarianten technisch und gestalterisch schlechter, teurer oder terminkritischer wären. Bei den beiden letzten Punkten könnte sogar das Gegenteil richtig sein. Nein: Der Grund liegt in den menschlichen Genen. Das schon von Konrad Lorenz erkannte Streben nach Prägnanz wird den Tag entscheiden.

„Ein Ausdruck ist prägnant, wenn dieser trotz Kürze einen hohen Bedeutungsgehalt aufweist“, so steht’s in der WikiPedia. Was könnte – bezogen auf das CFS – dieser Definition näher kommen als eine Lösung, die mit „Abriss und Neubau“ genial erschöpfend beschrieben ist? Ungleich schwerer tun sich da Hermann + Öttl. Ihre 120 Seiten Papier stehen symbolisch für das Gegenteil, das Antonym zu „Prägnanz“: Umständlichkeit, Weitschweifigkeit. Nicht aus sprachlichem Unvermögen: Lösungsansätze aus einer Vielzahl kleiner Mosaiksteine lassen Prägnanz einfach nicht zu.

Allein das Inhaltsverzeichnis ist eine ganze Seite lang: „Bestandsgebäude und geometrische Abhängigkeiten“, „Konsequenzen durch Anhebung der Eisbahn auf angrenzende Bauteile“, „Studie zur Optimierung der Sichtverhältnisse und Kosten der einzelnen Varianten unter Einbeziehung der Erneuerung der Eisbahn“ sind nur einige Zeilen daraus. Welcher Stadtrat möchte sich da noch die restlichen 119 Seiten antun? Der OB bringt schon seit Wochen sein Unbehagen gegenüber den umfangreichen und weitschweifigen – kurz unprägnanten – Optimierungsvorschlägen der Architekten mit dem Antonym „Flickschusterei“ zum Ausdruck. Die prägnante Alternative kommt mit drei Worten aus: Abriss und Neubau.