Wendejahre
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Mittwoch, 22.05.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Eine Chance für den Kulturpark West

Bauausschuss vertagt Entscheidung zum Umzug ins Gaswerk

Der Bauausschuss hat in seiner Sitzung am gestrigen Donnerstag keine Entscheidung darüber getroffen, ob das Gaswerk in Oberhausen kreativwirtschaftlich genutzt und der Kulturpark West im Jahr 2017 aus der Reese-Kaserne ins Gaswerk verlegt werden soll.


Inspiration für einen Kulturpark im Gaswerk: Kunststad Amsterdam

Nach dem einführenden Bericht von Baureferent Gerd Merkle waren sich alle im Bauausschuss vertretenen Parteien schnell einig, dass die Zeit für einen solchen Grundsatzbeschluss noch nicht reif ist. Die derzeit in einem Vertrag zwischen der Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung AGS und der Kulturpark West GmbH und im Bebauungsplan Nr. 228 „Reese Kaserne“ festgeschriebene Situation sieht den Auszug des Kulturparks Ende Juli 2017 vor. Anschließend sollen die Kasernengebäude abgerissen und das Grundstück im Wert von 10,3 Mio. Euro einer Wohnnutzung zugeführt werden. Das Gaswerk taucht in der Vertragskonstellation gar nicht auf.

„Pacta sunt servanda“

Dazu, an diesem im Jahr 2007 festgeschriebenen Weg festzuhalten, tendierten gestern am stärksten Pro Augsburg und die CSM. Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) warnte davor, die Abwägungen, die seinerzeit vorgenommen wurden, jetzt zu zerreden. „Wollen wir, dass die Stadt Augsburg als Vertragspartner nicht mehr als verlässlich angesehen werden kann?“ Mit den damaligen Beschlüssen zur Zwischennutzung des Areals und der Aufstellung des Bebauungsplans habe man ein Signal nach Kriegshaber gegeben. In der dortigen Bevölkerung ist der Kulturpark nicht rundum beliebt. So läuft schon seit Jahren eine gerichtliche Auseinandersetzung um Lärmbeeinträchtigungen.

Wolfgang Kronthaler (CSM) dachte auch an die Investoren: Mit dem Bebauungsplan habe man ein Vertrauensverhältnis geschaffen. Alle politischen Parteien seien 2007 mit der kulturellen Zwischennutzung und anschießenden vollständigen Wohnnutzung des Areals einverstanden gewesen. Eine Weiternutzung der zum Abbruch vorgesehenen Gebäude durch den Kulturpark West würde im Gegensatz zum leerstehenden Gaswerk eine aufwändige Altlastensanierung bei laufendem Betrieb erfordern.

Keine Entscheidung ohne Machbarkeitsstudie und Synopse

Ganz oder zumindest teilweise – mit dem Gaswerk als Ergänzung – wollen dagegen die Freien Wähler und die SPD an der Nutzung der Gebäude an der Sommestraße festhalten. Man wisse derzeit nicht, ob man die Ertüchtigung des Gaswerks überhaupt finanzieren könne, so Stefan Quarg (SPD). Auch Baureferent Gerd Merkle sieht dieses Problem: „Die Finanzierung wird sehr sehr schwer werden“, obwohl voraussichtlich Städtebaufördermittel, europäische Zuschüsse und der Maximalsatz an Denkmalförderungen fließen würden und sich die Stadtwerke zu einer erheblichen Kostenbeteiligung bereit erklärt haben.

Sowohl für Stefan Quarg als auch für SPD-Fraktionschef Stefan Kiefer stand deshalb fest, dass man ohne eine Feinuntersuchung des Gaswerks, eine Machbarkeitsstudie, Kostenermittlungen für das Gaswerk und für den Verbleib der Künstler in der Reese-Kaserne und eine Synopse der Varianten noch keine Entscheidung treffen könne. Der Erarbeitung dieser Entscheidungsgrundlagen bis Jahresende und der anschließenden Neuvorlage des Projekts stimmten am Ende alle Stadträte des Ausschusses zu.

„Ich erwarte von der Künstlerschaft, kreative Ansätze zu bilden“

Flammende Reden für die Schaffung eines dauerhaft nutzbaren Künstlerareals im Gaswerk hielten Eva Leipprand (Grüne) und Kulturreferent Peter Grab. Die Verlagerung des Kulturparks ins Gaswerk sei ein zentrales Thema für die Grüne Fraktion, so Leipprand. Sowohl die Entwicklung der westlichen Stadtteile als auch die Fortführung des Gaswerks als Denkmal von europäischem Rang seien eine „wunderbare Chance“ für Augsburg. Peter Grab appellierte an die Kunstszene, nicht nur das Negative am Gaswerk herauszustellen – derzeit kursieren Befürchtungen wegen Kontamination und zu hoher Räume – sondern das Positive zu sehen. Zum ersten Mal in der Geschichte Augsburgs wolle man ein Areal mit Zukunft schaffen. Die Künstlerschaft habe jetzt die einmalige Chance, am Planungsprozess kreativ teilzunehmen.

Heimatpfleger Prof. Hubert Schulz empfahl, bei den Überlegungen zum Gaswerk auch über das Gelände hinaus zu denken. „Nehmen Sie nicht den günstigsten Planer, sondern lassen Sie sich eine gute Machbarkeitsstudie machen“, empfahl er dringend. Sein Wunsch könnte sich bereits erfüllt haben: Dem Vernehmen nach beauftragten die Stadtwerke, in deren Eigentum das Gaswerk ist, gestern parallel zur Bauausschuss-Sitzung das niederländische Büro Dynamo Architecten aus Utrecht mit der Studie. Eines deren Aushängeschilder: die „Ateliers NDSM Kunststad Amsterdam“, bei dem eine Künstlerkolonie aus gestapelten Containerateliers „Haus in Haus“ in eine riesige Werfthalle integriert wurde.

» Dynamo Architecten, Utrecht

» Ateliers NDSM Kunststad Amsterdam



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