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Samstag, 24.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Ein Foto und seine Geschichte

Es kann nur einer werden. Die Rede ist vom Amt des Oberbürgermeisters. Spätestens am 30. März wird einer der beiden Fußballspieler triumphieren.

Von Siegfried Zagler

"Aber ja": Stefan Kiefer (rechts) mit OB Gribl vor einem Prominenten-Spiel im Sommer 2011

Kurt Gribl und Stefan Kiefer vor einem Prominenten-Spiel im Sommer 2011 (v.l.n.r.)


Es war nicht irgend ein Sommer, sondern der Sommer von „City of Peace“, wie im Jahre 2011 ein Festival hieß, das als Rahmenprogramm der Frauen-WM gehandelt wurde, in Wirklichkeit aber die wahre Attraktion des Sommers war und sich somit wesentlich tiefer im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert hat, als die in Augsburg kickenden Nationalmannschaften der Frauen. Eine andere Attraktion dieses Sommers: die Gefechte innerhalb der CSU, deren Hitze in Augsburg eine neue politische Gruppierung kreierte. Es war der Sommer, in dem aus dem Schoß der CSU die NCSM emporwuchs. Die Neue Christlich-Soziale Mitte heißt heute CSM und wird mit zwei anderen politischen Newcomern dafür sorgen, dass man in Augsburg in den Iden des März in der politischen Stadt von einer neuen Unübersichtlichkeit sprechen wird. Knapp zwei Wochen vor der Wahl ist alles offen, nur eine Sache scheint sicher: Oberbürgermeister kann nur einer von unseren beiden Sportkameraden werden, deren Mannschaft in einem Fußballturnier im Rahmenprogramm der Frauenfußballmannschaft nicht viel zu bestellen hatte.

Dr. Kurt Gribl und Dr. Stefan Kiefer haben mehr gemeinsam als ihnen lieb ist. Beide sind promovierte Juristen, beide sind Baufachanwälte, beide sind praktizierende Katholiken und beide sind furchtbar schlechte Fußballspieler und dennoch durchaus wählbare Kandidaten für das höchste Amt, das die Bürger der Stadt Augsburg zu vergeben haben. Trotz dieser verblüffenden Gemeinsamkeiten besteht zwischen beiden Kandidaten ein tiefes persönliches Zerwürfnis, das wesentlich tiefer sitzt als die üblichen Aversionen, die sich bei politischen Gegnern aus verschiedenen Parteien zwangsläufig ergeben. Das Foto ist kein Schnappschuss, sondern entstand durch das Drängen des Fotografen. Beide zierten sich ein wenig und beide ahnten damals, dass sie dieses fotografische Machwerk zu einer bestimmten Zeit einholen wird.