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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Dylan Night im Reese Theater

Eine Hommage an den Nobelpreisträger aus Minnesota: Mit der Bob-Dylan-Night am 13. April im Reese Theater würdigen die Wonderboys das Schaffen des Nobelpreisträgers aus Minnesota. Mit seinen poetischen Songtexten schrieb Dylan Rockgeschichte und trug mehr als jeder andere Songwriter und Musiker dazu bei, die vormals subversive Rockmusik salonfähig zu machen.

Von Udo Legner

Lieder für die Ewigkeit

Über zwanzig Mal schaffte es Bob Dylan auf die Titelseite des Rolling Stone Magazine, das sich nach seinem 1965 geschriebenen Song „Like A Rolling Stone“ benannte. Songs wie Mr. Tambourine Man, Blowing in the Wind, Don‘t Think Twice, The Times They Are A‘ Changin‘, Masters of War und Highway 61 prägten Generationen von Liedermachern und inspirierten sie zum Covern und Nachahmen. Für Millionen seiner Anhänger waren sie nicht weniger als der Soundtrack ihrer Jugendzeit, nicht selten sogar lebenslange Begleitmusik.

Es spricht für Bob Dylan, dass sich sein Oeuvre auf kein Genre und keine politische Richtung reduzieren lässt. „It Ain’t Me Babe“ – dieser Songtitel steht programmatisch dafür, dass sich das einstige Sprachrohr der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung von niemandem vereinnahmen lassen wollte. Wenn es eine Konstante in Bob Dylans Schaffen gab, dann war es der Wandel. Damit verdutzte und verprellte er seine Gefolgschaft ein ums andere Mal. Der Folk-Szene, für die er nichts weniger als der „Spokesman of a generation“ war, bescherte er beim Newport Folk Festival ihr Waterloo, als er erstmals mit einer elektrisch verstärkten Gitarre auftrat. „Bringing It All Back Home“ lautete der provokante Titel seines im März 1965 erschienenen Albums, das diesen Wandel dokumentierte – auf der einen Seite waren Dylans Songs mit akustischer Gitarre, auf der anderen Seite waren Songs zu hören, die von einer E-Band verstärkt waren (darunter „Like A Rolling Stone“, der Song, der von den Kritikern und Experten bekanntlich Jahr für Jahr zum besten Rocksong der Musikgeschichte gekürt wird.

Konzert im ehemaligen Kino der US-Army

Für die beiden Wonderboys aus dem Augsburger Raum war die Verleihung des Nobelpreises an Bob Dylan der Anlass, eine Dylan Night zu planen. Nach viel Netzwerkarbeit und langen Probephasen laden die Ausnahmemusiker Karl Poesl (alias Amazing Jukebox) aus Deuringen und Daniel Vazquez aus Langweid zur Konzertnacht am genuinen Ort, dem ehemaligen Kino der US-Army ins Reese Theater ein. Verstärkt werden die beiden Wonderboys durch die „Rockröhre Monserl“ (alias Claudia Scholz) aus Diedorf, deren Interpretation des Dylan Songs „Make You Feel My Love“ an die Sängerin Adele denken lässt.

Nobody Sings Dylan Like Dylan

Der Ort und die Zeit für die Dylan Night schienen geradezu perfekt gewählt: Tags zuvor macht der Meister auf seiner Neverending Tour in Ulm Station, von wo es ja nun wirklich nur ein Katzensprung in den Kulturpark West ist. Leider erschien inzwischen ein Update des Tourplans, aus dem hervorgeht, dass es kein Gastspiel Bob Dylans in Augsburg geben wird, da er an diesem Abend in der Mozartstadt Salzburg aufzutreten hat. Was noch schwerer wiegt: auch auf den Freitagabend wurde inzwischen das Auswärtsspiel des FC Augsburg in Wolfsburg terminiert. „Why do I have to choose, why must anybody lose“ – diese Dylan Lyrics bringen den Konflikt, dem sich Dylan und Fußballfans angesichts dieser Terminüberschneidung ausgesetzt sehen, auf den Punkt.

Was für den Besuch der Dylan Night spricht und weshalb selbst der ein oder andere Dylan-Jünger eher nach Augsburg als nach Ulm pilgern lassen wird? Neben dem Eintrittspreis ist es zum einen das Repertoire, das das Publikum im Reese Theater geboten bekommt. Während Bob Dylan bei seinen Tour-Auftritten zum Leidwesen vieler Fans mit der Darbietung seiner Klassiker geizt, präsentieren die Wonderboys ausschließlich Wunderwerke aus der Kategorie „Lieder für die Ewigkeit“. Zum anderen werden diese Songs in Augsburg ohne Destruktion und Verfremdung gespielt. Zwar stimmt das Diktum „Nobody Sings Dylan Like Dylan“ – allerdings ist es auch nicht jedermanns Sache, erst Stunden nach dem Konzert beim Klicken auf die Setlist die Songs zu erkennen, die Bob Dylan gesungen haben könnte.

Dass den Konzertbesuchern bei der Dylan Night auch noch Material zu den vorgetragenen Liedern in die Hand gegeben wird, ist eine besondere Note, die wohl dem früheren Lehrerleben der inzwischen pensionierten Amazing Jukebox Karl Pösl geschuldet ist. Sie verrät den noblen Anspruch, das Wirken des Nobelpreisträgers und dessen Lieder für die Ewigkeit auch an nachfolgende Generationen weiterzugeben.



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