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Montag, 02.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Durchs schwäbische Fenster nach draußen

Sebastian Seidel über seine neue Literaturreihe

Sebastian Seidel

Sebastian Seidel, Leiter des Sensemble Theaters, hat die "Augsburger Literaturgespräche" aus der Taufe gehoben.


DAZ: Herr Seidel, wie war die Resonanz auf das erste Mal „Augsburger Literaturgespräche“?

Seidel: Die war sehr positiv!

DAZ: Ist es für manche Menschen nicht womöglich abschreckend, dass da nur „alte“ Bücher besprochen werden, die „man“ eh schon kennt?

Seidel: Das ist gar nicht unser Ansatz, dass alle Zuhörer die Bücher gelesen haben müssen. Man hat ja auch beim ersten Mal gesehen, dass das Publikum zwar etwa zu Georg Kleins „Roman unserer Kindheit“ sehr viele Fragen hatte, weil das Buch bekannt war. Andererseits hat Peter Fassl „Ein springender Brunnen“ von Martin Walser sehr ausführlich vorgestellt, und das war dann wieder gerade für die Leute interessant, die das Buch nicht kannten.

DAZ: Kann man diese neue Literaturreihe als Konkurrenzveranstaltung zum Literarischen Salon im Stadttheater sehen?

Seidel: Nein – ich sehe unsere Reihe als Ergänzung. Beim Literarischen Salon war ich ja auch mit dabei – das ist eine gute Veranstaltung. Die neue Reihe ist aber definitiv etwas anderes. Wir machen keine Übersetzungen, wir machen einen Themenschwerpunkt und wir wollen immer einen Autoren dabei haben, der sicher aus einer ganz anderen Warte Auskunft über sein Buch geben kann und unter Umständen einen ganz anderen Blick hat als die Leser.

DAZ: Apropos Themenschwerpunkt: Gibt’s da genügend Themen, die sich sinnvoll darstellen lassen?

Seidel: Nächstes Mal haben wir das Thema „Wasser“ – das hat sich aus dem Literaturpreis des Bezirks Schwaben ergeben, dessen Gewinner wir nächstes Mal als Autor bei uns haben. Danach kommt eventuell das Thema „Familie“. Ich kann Ihnen versichern, ich habe einen ganzen Haufen von Vorschlägen auf dem Tisch – das ist ganz sicher nicht das Problem. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veranstaltung, die ja bei uns im Sensemble Theater stattfinden wird – da wird die Atmosphäre anders sein, lockerer, weil wir dann im Barbereich sitzen werden, wo die Leute auch was trinken können …

DAZ: Ein anderes Problem könnte der Blick auf die schwäbische Literatur sein – hat das nicht einen Hauch von Provinzialität? Und werden Ihnen da nicht am ehesten die Themen ausgehen und die niveauvolle Auswahl?

Seidel: Auch da mache ich mir keine Sorgen – es gibt zum Beispiel am Bodensee noch viele Autoren, die teilweise auch über den Schwäbischen Literaturpreis bekannt sind. Was die Provinzialität anbelangt: Natürlich haben wir darüber nachgedacht, ob wir da nicht einen zu schmalen Ausschnitt bieten. Aber wir sind zu der Ansicht gekommen, dass sich in der hiesigen Literatur, auch wenn sie nicht zur Avantgarde gehört, doch die Literatur der Welt abbildet – durch dieses Fenster schauen wir nach draußen, und das ist ein Blickwinkel, der auch erhellend sein kann.

DAZ: Kommt dann demnächst der Kluftinger zum Literaturgespräch?

Seidel (lacht): Aus der Reihe soll es ja bessere und schlechtere Bücher geben – darüber haben wir noch überhaupt nicht nachgedacht. Aber das Thema „Krimi“ könnte eine gute Idee sein.

DAZ: Herr Seidel, vielen Dank für das Gespräch.

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Fragen: Frank Heindl