Grenzgänger
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 18.02.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Die Welt des Augsburger Medienpreises



Der Augsburger Medienpreis ist neben der Augsburger Skandalzeitung das sonderbarste Label, das in Zusammenhang mit dem Namen der Stadt Augsburg geführt wird. „Bring Augsburg in die Welt, bring die Welt nach Augsburg“, so das Motto des Augsburger Medienforums e.V., das als Trägers dieser Veranstaltung firmiert. Die Sachlage ist einfach: Der Medienpreis ist eine Plattform für Nichtigkeiten und die Zeremonie der Verleihung ist Klimbim-Gedöns. Das war 2010 nicht anders als am 25. Juli 2012, als die Medienpreise im CinemaxX zum zweiten Mal verteilt wurden. Jeder Kindergeburtstag ist spannender, weshalb die Veranstaltung nicht ins Pflichtprogramm der DAZ-Berichterstattung aufgenommen wurde. „Ignoranz ist die stärkste Waffe“, so das Motto der DAZ in Sachen Peinlichkeiten. Eine Motto, das sich nicht immer einhalten lässt. In der DAZ-Reihe „Geschenkte Perlen“ findet nun der diesjährige Augsburger Medienpreis seinen Niederschlag. „Geschenkte Perlen“ ist ein DAZ-Format für unbestellte Manuskripte mit Qualität. Gestern wurde die Redaktion von einem „Tiger-Taube-Text“ überrascht. Wolfgang Taubert ist freischaffender Journalist und Kabarettist.

Provinzwelt oder Weltprovinz?

Einige ironisch-spöttische Anmerkungen zur “Galaveranstaltung” anlässlich der Preisverleihung des “Augsburger Medienpreis 2012”

Von Wolfgang Taubert

Wolfgang Taubert liest im Presseclub Augsburg (Foto: Christina Bleier)

Augsburg hat laut Marion Buk-Kluger (“Kleo”) 270 Einwohner. Fast 500 davon waren am 25. Juli im “Raum 1” im CinemaxX versammelt, um den Feierlichkeiten anlässlich der Verleihung des Augsburger Medienpreises 2012 einen “menschelnden” Rahmen zu verleihen. Gut, dass Sie das bisher alles lesen konnten, denn fürs Lesen benötigt man kein Mikrofon.

Diesmal war es spannender als 2010. Diesmal hatte man die Preisträger(innen) nicht vorher in ihren Wohnungen heimgesucht. Diesmal war es schon ein bisschen “Wundertüte”, wer denn wieviel und warum gewonnen hatte. Diesmal war es schon eher eine Zirkusatmosphäre, in welcher man nie genau weiß, was denn nun als nächste Nummer in die Manege kommt.

Augsburg hat 270 Einwohner, und in einem nahezu voll besetzten Kinosaal 1 (“Raum 1”, O-Ton Angie Ross von Augsburg TV) lässt es sich ohne Mikrofon nur sehr schwer moderieren. Wir waren alle sehr erleichtert, dass auch SonntagsPresse-Klatschkolumnistin “Kleo” dies nach einigen Sätzen merkte, und allein das hätte schon einen Sonderpreis verdient. Wir dachten schon, dass sie einen solchen vom Chef des Augsburger Medienforums, Eiko Trausch, überreicht bekäme, als er einmal – mutterseelenallein auf der Bühne stehend – nach ihr rief: Komm doch mal hervor! Tja, immer diese schubartigen Verlassenheitsängste sogar bei großen Leuten, denen man ansonsten immer alles hinterher richtet.

Aber mal ehrlich, der Abend war ja wieder ganz kuschelig. Diesmal traf man sogar ganz andere Menschen, die man bisher noch nie oder kaum getroffen hatte. Die meisten dieser “Unbekannten” waren die vielen Teilnehmer am Augsburger Medienpreis. Das war schön. Die anderen waren größtenteils wieder die üblichen Verdächtigen, die man zu solchen Anlässen immer trifft. Das war irgendwie freilich auch schön, weiß man dann doch stets aufs altbewährte Neue, wo man im eigentlichen Sinne zuhause ist.

Daumenlutschen kann auch nachhaltig sein

Das merkte man auch nach dem Grußwort unseres Oberbürgermeisters Kurt Gribl, der sich sehr anstrengt, den 270 Einwohnern dieser Stadt gerecht zu werden. Unsere Moderatorin Marion freute sich darüber auch und duzte den OB nach dessen Rede. Und dann bekam er als Schirmherr – sehr originell! – noch einen Augsburg-Schirm geschenkt, den er selbst schon x-mal verschenkt hatte, und Marion war aber total erfreut, dass sich “ihr” Kurt freute. Sind wir nicht alle ein bisschen blue? Na? Ist das alles nett.

Preise, natürlich, gab es auch. Für die Augsburger Kanuten, versehen mit viel olympischen Vorschuss-Lorbeeren, für einige unbekannte Menschen, und für einige bekannte, vor allem für das Agentur-Team m&m. Da hörte man aber, dass von den fast 500 Gästen nur die 270 unaufgeklärten Einwohner klatschten, so dünn war der Beifall. Mit “City of Peace” sollten sie die Welt nach Augsburg holen, anlässlich der Fußball-Frauen-WM 2011. Ja ja, die Welt war schon da, jetzt ist sie aber wieder weg, und mindestens über 3,5 Millionen Euro für das “beste Rahmenprogramm” auch. Da kann man noch lange runterbeißen oder dran knabbern, wie immer man’s auch sehen mag. Aber bitte, auch Daumenlutschen kann nachhaltig sein.

Zum Schluss wurde das “Fuggerium” von Ideen-Sieger 2010, Sergej A. Dott aus Berlin, präsentiert. Imposant war das, vor allem, weil sich Heike Lenz und eine Helferin sehr geschickt mühten, die meterhohe, begehbare Kopf-Skulptur von Jakob Fugger dem Reichen zu enthüllen, seitens der Stadt aber kein Offzieller beim Standbild dabeistand, obwohl noch einige herumstanden. Und am liebsten stehen die Stadtoberen dort herum, wo man sie sieht, sich aber sonst keiner dazu gesellt; das wäre eher störend, sogar beim Medienpreis. Auch die fast 500 Gäste unter den 270 Einwohnern waren eher darum bemüht, ihren Prosecco nicht gänzlich zu verschütten, schauten kurz hin und dann wieder weg.

Sind wir eine schtoinerne Weltprovinz?

Trotzdem war es diesmal schon ein wenig besser als noch vor zwei Jahren. Man fragt sich allerdings, was denn nun eher passieren wird: Dass wir die Welt nach Augsburg bringen, oder Augsburg in die Welt. Oder ob wir eine schtoinerne Provinzwelt sind, oder eine schtoinerne Weltprovinz. City of Kies.

Ich fürchte, dass wir letzteres nicht schaffen werden. Hier ist die Provence in Frankreich eindeutig eine Nummer zu groß für uns, obwohl dort auf mehrere Hektar stellenweise auch nicht mehr als 270 Einwohner kommen.

In Anbetracht und vor allem in Gegenüberstellung zu den gewaltigen kommunalen Patzern wird man jedoch irgendwann den Hauptpreis, den “Augusto”, vielleicht in einen schlichten runden Stein eintauschen müssen, einen solchen, wie ihn Sisyphos immer wieder mit viel Anstrengung den Berg hinauf rollen wollte. Aber woisch, eine Zirbelnuss machen wir dann schon noch drauf.

PS: Inzwischen ist Marion Buk-Kluger als 2. Vorsitzende des Medienforums Augsburg zurückgetreten. Das war klug – und gut, dass sie nicht in Augsburg wohnt, sonst hätten wir nur noch 269 Einwohner.



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