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Dienstag, 20.08.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Die Vermessung der Kriegsgesellschaft

Die Historikerin Dr. Sophia Dafinger hat für ihre Dissertation „Die Vermessung der Kriegsgesellschaft“ den Mieczysław Pemper-Forschungspreis 2018 der Stiftung der Universität Augsburg erhalten

Nach der Bombennacht 1944 zerstört: Das Augsburger Rathaus – Quelle: Stadt Augsburg

Diese zeithistorische Studie leiste einen bedeutenden und kritischen Beitrag zur Gewaltgeschichte der Moderne, zur ambivalenten Rolle von Experten im 20. und 21. Jahrhundert und zur gegenwärtigen Auseinandersetzung um die „Zukunft des Krieges“, so die Begründung der Universitätsstiftung, die seit 2003 jährlich den mit 2500 Euro dotierten Mieczysław Pemper-Forschungspreis für herausragende Qualifikationsarbeiten aus den Geistes- und Sozialwissenschaften vergibt. Ausgezeichnet werden bevorzugt Beiträge, die zu einem differenzierten Verständnis der Katastrophen des 20. Jahrhunderts und zu deren Wurzeln führen.

In den Mittelpunkt stellt Dafinger die „Experten des Krieges“: Eine gewissermaßen neue Berufsgruppe, die – zunächst für die amerikanische Luftwaffe – damit begann, herauszufinden, ob sich die Bombardierung von Städten tatsächlich lohnen und die „Kriegsmoral“ der Deutschen unter der Tonnenlast zusammenbrechen würde. Zu diesen sozialwissenschaftlichen „Schreibtischkriegern“ zählten so prominente Köpfe wie einer der führenden Ökonomen der USA, Kenneth Galbraith, oder der spätere Architekt des Vietnam-Krieges, Paul H. Nitze. Sie waren Teil jenes „White Anglo-Saxon Protestant Establishment“, das einen Gutteil der amerikanischen Elite ausmachte. Hinzu kamen jüdische Emigranten und Intellektuelle, die bereits für andere amerikanische Behörden wie das „Office of Strategic Services“ gearbeitet und sich mit der Analyse NS-Deutschlands beschäftigt hatten.

Über die genaueren Hintergründe dieses United States Strategic Bombing Survey (USSBS), über seine Arbeitsweise, sein Personal und seine Wirkungskraft war bisher wenig bekannt. In dem Umfang, in dem Dafinger Licht in dieses Dunkel bringt, macht sie auch deutlich, worin die Stärke einer kultur- und wissensgeschichtlich orientierten Geschichte des „Kalten Krieges“ besteht. Ihre Arbeit erhellt die Rolle der Wissenschaften im Krieg, die Historizität wissenschaftlicher Erkenntnisse und die unmittelbaren, folgenreichen Wechselbeziehungen zwischen Politik und Wissenschaft, ihre spezifischen Logiken und Interessen.

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dafinger

Dr. Sophia Dafinger Foto: privat

Dr. Sophia Dafinger war über mehrere Jahre hinweg Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte sowie an der Professur für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums der Universität Augsburg. Seit Herbst 2016 ist sie PostDoc-Mitarbeiterin in dem von Prof. Dr. Dietmar Süß am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte koordinierten Verbundprojekt „Praktiken der Solidarität“. Ihre von Süß betreute Doktorarbeit erarbeitete Dafinger partiell als Promotionsstipendiatin des Deutschen Historischen Instituts Washington.

 

 



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