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Freitag, 08.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Die verborgenen Stärken des FCA

Der FC Augsburg hat am vergangenen Samstag wie erwartet seinen Saisonauftakt verpatzt. Gegen einen keineswegs überzeugenden VfL Wolfsburg verloren die Augsburger in der heimischen WWK-Arena vor 26.172 Zuschauern mit 0:2. Die Tore der Wolfsburger erzielten Daniel Didavi (35.) und Ricardo Rodriguez (89.).

Von Siegfried Zagler

Alfred Finnbogason: Ein Mittelstürmer, der in der Luft hängt - Foto: Sport-in-Augsburg.de

Alfred Finnbogason: Ein Mittelstürmer, der in der Luft hängt - Foto: Sport-in-Augsburg.de


Der Spielverlauf lässt sich in zahlreichen Live-Tickern oder auch auf der FCA-Homepage nachlesen, weshalb an dieser Stelle auf das Erzählen der wenigen Torchancen verzichtet wird, was zwar schnell geschehen wäre, da sich das Angriffsspiel beider Mannschaften kaum entfalten konnte und im Hitzekessel am Lechfeld ein Fußballspiel zu sehen war, das zwar wenig ansehnlich, aber dafür aus Augsburger Sicht sehr aufschlussreich war.

War man nach den ersten Saisonspielen in der Ära Weinzierl stets versucht zu fragen, ob Mannschaft und Trainer in den langen Vorbereitungszeiten denn auch Laufwege und Spielkonzepte trainiert hatten, so ist bereits nach der ersten Partie dieser Saison deutlich die Handschrift eines Trainers erkennbar, der von Beginn an keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass der FCA einem System zu folgen hat, das sich an der Spielweise des Gegners orientiert und somit vorrangig auf Verteidigen, Kämpfen, Laufen und Rackern ausgerichtet ist. Das ist die FCA-Formel dieser Saison. Am Samstag zeigte der FCA eine läuferisch und kämpferisch ansprechende Partie, und er zeigte sich dort am kompaktesten, wo man die größten Sorgen hatte, nämlich im Abwehrzentrum. Gouweleeuw und Janker lieferten beinahe fehlerfreie Partien ab und zeigten sich auch in der Spieleröffnung ausgeschlafen. Kein einziger Verlegenheitsball wurde lang in die Wolfsburger Hälfte geschlagen. Und es wurden bis auf eine Ausnahme die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen. Das gilt übrigens für beide Abwehrreihen, die sich ziemlich fehlerfrei verhielten und somit nur wenige Torraumszenen zuließen.

Das 1:0 der Wolfsburger war so eine Szene, der immerhin zwei Fehler des Augsburger Defensivverbundes vorausgingen. Zunächst stellte sich Dominik Kohr auf der linken Außenbahn bei einem Laufduell mit Daniel Caligiuri ungeschickt an, dann ging Daniel Baier dem Rückpass von Dost zu unentschlossen hinterher und drehte sich auch noch ab, als Daniel Didavi mustergültig abzog (35.). Mit Mut und Entschlossenheit hätte Baier die Möglichkeit realisiert, es Didavi schwerer zu machen.

Weitschüsse sind immer ein Zeichen von Hilflosigkeit

Ironischerweise war es wieder Baier, der in hohem Maße am zweiten Tor der Wolfsburger beteiligt war. „Ironischerweise“ deshalb, weil Baier eine starke Partie zeigte und sowohl nach hinten als auch nach vorne zu überzeugen wusste. Einen bereits eroberten Ball spielte er leichtsinnig zu kurz zurück und zwang Janker zu einem Foul in höchster Not (88.). Dass der Freistoß von Rodriguez a) haltbar war und b) sich die gebildete Augsburger Mauer bereits während des Anlaufs des Schützen in Luft auflöste, ist aus Augsburger Sicht eine Peinlichkeit des Spiels. Die zweite Peinlichkeit hat einen Namen: Alfred Finnbogason. Der sympathische Isländer hätte am ehesten überzeugen können, wenn er sich bei jedem FCA-Angriff auf den Boden gesetzt hätte. Auf diese Weise wäre jedem im Stadion aufgefallen, dass er weder für den Schnippler Caiuby noch für den Tanker Bobadilla als Option für ein kurzes Anspiel oder einen Pass in die Tiefe existierte. Jeder Mittelstürmer sähe bei den beiden, die sich über die Außenpositionen nach innen durchsetzen wollen, schlecht aus; Finnbogason sieht allerdings besonders schlecht aus. Das ist seinen limitierten technischen Fähigkeiten geschuldet sowie seinem einfachen Spielverständnis. Bei Ji, für den Finnbogason nach 63 Minuten weichen musste, verhält es sich nicht anders. Beide sind nur bedingt bundesligatauglich. Das Offensivspiel des FCA ist zu statisch angelegt. Selten werden die Augsburger Angriffe bis zur Grundlinie durchgespielt, was auch damit zu tun hat, dass sowohl Verhaegh als auch Stafylidis keine Außenverteidiger sind, die Sprintduelle Richtung Grundlinie suchen. Die Konsequenz: Ein in der Luft hängender Mittelstürmer und Weitschüsse.  Weitschüsse sind immer ein Zeichen von Hilflosigkeit.

Nächster Schwachpunkt mit Namen: Dominik Kohr. Es würde den Schreiber dieser Zeilen überraschen, wenn es in der Bundesliga noch einen Spieler geben sollte, der so oft die einfachsten Bälle nicht an den eigenen Mann bringt, wie das bei der Fehlpassmaschine Dominik Kohr der Fall ist. So stark sich Kohr bei gegnerischem Ballbesitz zeigt, so schwach ist er, wenn er selbst den Ball am Fuß hat.

Der FCA funktioniert wieder als Mannschaft

Und nun zu den „verborgenen Stärken“, die natürlich nicht verborgen sind, sondern sichtbar wie die Sonne nach einem langen Tief: Der FCA funktioniert wieder als Mannschaft! Es war wohltuend zu sehen, dass sich alle Mannschaftsteile konzentriert dorthin bewegten, wo es nötig war, dass die Laufwege der starken Wolfsburger Außen zugestellt wurden und die Mitte gestaffelt mit höchster Konzentration verteidigt wurde. Es wurde (fast) jede Situation spielerisch gelöst, ohne dass es dabei gefährlich wurde. Die „Weinzierl-Krankheit“, einen Spielaufbau nur anzutäuschen, um schließlich wieder zurück zu spielen, um das Mittelfeld mit einem langen Ball zu überbrücken, ist zusammen mit Weinzierl nach Gelsenkirchen ausgewandert und just in Frankfurt wieder ausgebrochen. In Augsburg gibt es endlich wieder eine Ordnung und eine Vorstellung davon, wer der FCA ist und wohin die Reise gehen wird.

Werden die angeführten Baustellen von der sportlichen Leitung abgearbeitet, dann sollte sich der FCA auch in diesem Jahr nicht vor dem Abstieg fürchten müssen.