Medici
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Komplexität des Einfachen: Die wunderbaren Zeichnungen der Nontira Kigle

Der freiberuflichen Augsburger Illustratorin und Kommunikationsdesignerin Nontira Kigle wird in der DAZ ein Porträt gewidmet. Ein Format, das es so bisher nicht gab – und auch nicht geplant war, doch Udo Legner bestand mit der für ihn üblichen Beharrlichkeit darauf, so dass die geplante Porträt-Reihe der DAZ mit Nontira Kigle beginnt. Am morgigen Samstag startet in der Galerie Süßkind in der Dominikanergasse 9 eine Kigle-Werkschau.

Ein Porträt von Udo Legner

Nontira Kigles bisheriger Werdegang ist eine Erfolgsstory. Mit 5 Jahren kehrt die gebürtige Augsburgerin von Thailand nach Deutschland zurück. Ihrem Lieblingshobby Zeichnen bleibt sie auch nach der Schulzeit treu. Nach Abschluss der FOS für Gestaltung und der Geburt ihrer Tochter Annika nimmt sie als alleinerziehende Mutter das Studium Kommunikationsdesign an der Augsburger Hochschule auf. Dass ihre Skizzen und Pläne in dieser Phase nicht in der Schublade verblichener Hoffnungen verschwanden, schreibt sie insbesondere ihrer Mutter und ihren Freunden zu, die sie während der vierjährigen Studienzeit unterstützten.

Durchbruch mit Dylan Days

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sie ihr Diplom in Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration erwarb. Erste Berufserfahrungen sammelte sie bei der Augsburger Werbeagentur „Creationell“, wo sie meist für Layout und Corporate Design zuständig war. In dieser Zeit begann sie nebenher für die freie Szene Flyer und Plakate zu illustrieren und es kommt zur Zusammenarbeit mit Künstlern des Kulturparks West, Muhackl oder Blutwurst und Jean Stein. Schnell merkt die Designerin, dass ihr Herzblut in diese Illustrationen fließt und sie diese Aufträge weit mehr erfüllen als ihre Arbeit als Angestellte und so wagte sie 2010 den Schritt in die Selbständigkeit.

Die neue Freiheit hatte freilich ihren Preis. Schnell musste sie erfahren, dass die berufliche Selbständigkeit kein Selbstläufer war. Ständig sah sie sich mit der bangen Frage konfrontiert, ob es überhaupt zum Lebensunterhalt reichen würde. Dass die Mühen der Ebenen bewältigt werden konnten, dazu trugen neben der künstlerischen Qualität ihrer Arbeiten vor allem ein kontinuierlicher Kundenkontakt und das Beharren auf realistische Stundensätze bei. Meilensteine auf dem Weg zur Augsburger Szene-Zeichnerin waren – so will es die Legende – ihr Mitwirken beim John Lennon-Memorial, das zum 70. Geburtstag von John Lennon 2010 vom Büro für Popkultur (Kulturamt Augsburg) zelebriert wurde und ihre Teilnahme an den Dylan-Days im darauffolgenden Jahr. Für diese beiden Events gestaltete Nontira Kigle Flyer und Plakate. Bereits ein Jahr später ist sie als Szene-Zeichnerin so bekannt, dass sie in der Kategorie „Nachwuchskünstler“ den ersten Augsburger Pop-Preis Roy in Empfang nehmen durfte.

Veranstalter fühlen sich von ihr genuin verstanden

Selbstporträt

Selbstporträt


Seit 2012 kann sich Nontira Kigle als Haus- und Hofdesignerin vom multimedialen Ensemble Bluespots Productions bezeichnen und seit 2015 ist sie Art Director des Schönheitsmagazins BEAUTYNESS von DR. GRANDEL. Die Liste ihrer Kunden, die nach dem Motto „Einmal Nonti, immer Nonti“ seit Jahren mit ihr zusammenarbeiten ist inzwischen so lang, dass sich die Illustratorin zuweilen gezwungen sieht, zeitlich aufwändige oder weniger kreative Aufträge abzulehnen. Viele Veranstalter fühlen sich von ihr geradezu genuin verstanden und wollen sich ihre Flyer und Plakate ohne den speziellen Nonti-Touch gar nicht mehr vorstellen: Junges Theater, FAKS-Theater, Brechtkreis, oder das aus den Dylan-Days hervorgegangene JUST KIDS Festival wollen auf die Künste von Nontira Kigle ebenso wenig verzichten wie das Ballmertshofer Filmfest oder das städtische Maria-Theresia-Gymnasium, für das sie inzwischen Website-Grafiken anfertigt.

It takes two to tango

Um die Erwartungen ihrer Auftraggeber zu (über)treffen, lotet die Designerin in ausführlichen Kundengesprächen stets aus, worum es bei den einzelnen Projekten und Events geht. Dann werden im Dialog mit den Auftraggebern das optimale Design und der unverwechselbare Nonti-Touch der Illustrationen entworfen und kreiert.

Ein passendes Beispiel für dieses Procedere war in der April-Ausgabe des a3kultur-Feuilletons zu bewundern: In Form eines Puppenhauses hatte Nontira Kigle die vielfältigen Aufgaben und Organisationsstrukturen des Augsburger Kulturamts illustriert. Bevor das „Kultur-Kraftwerk“ Gesicht und Struktur bekam, war Recherche angesagt. Die a3kultur-Redaktion lieferte die Vorlagen samt „Puppenhaus Idee“ und Nontira Kigle vollstreckte in bewährter Manier. Dieses Zusammenspiel – mit a3kultur gibt es inzwischen drei bis vier solcher Kooperationen pro Jahr – funktionierte so gut, dass sich auch andere Institutionen ihre Illustrationskünste sichern wollen.

Wohin geht die Reise?

Nontira Kigle (2.v.r.) auf der "Neuen Szene World Stage" bei den Sommernächten mit Mississippi Isabel

Nontira Kigle (2.v.r.) auf der "Neue Szene World Stage" bei den Sommernächten mit der Band "Mississippi und Isabelle"


Mittlerweile läuft das Geschäft so gut, dass Nontira Kigle Augsburg ab und an den Rücken kehren kann. Ihre letzten Reisen gingen nach Thailand und Neapel. Im Spätsommer liebäugelt sie mit einem Wanderurlaub in Großbritannien und vorher geht es – Tradition verpflichtet! – noch zu einem Abstecher zum 40. Ballmertshofer Filmfest auf die Schwäbische Alb.

Wohin Nontiras Kigles berufliche Reise geht? Sie kann sich gut vorstellen, ihren Erfahrungsschatz an andere weiterzugeben, auch wenn ihre Klientel und Gefolgschaft hofft und bangt, noch lange von ihr beglückt zu werden! Vor ihrem Studium träumte sie davon, in die Zentren der Kunst hinauszugehen – nach Berlin, nach London, nach New York. Doch in Augsburg hat sie ihr Netzwerk und sie weiß dieses zu schätzen. Mit ihren Zeichnungen erzählt sie auf eigenartig-naive Weise mit wenigen Strichen eine komplexe Geschichte, die sich im Kopf des Betrachters einspinnt.

„Versunken und Entsprungen“ –  Gezeichnete Geschichten aus Augsburg

Aktuelle Werkproben von der Illustratorin und Musikerin Nontira Kigle gibt es in der Vernissage und Release Party „Versunken und Entsprungen – Gezeichnete Geschichten aus Augsburg“ in der Galerie Süßkind (Eröffnung 1. Juli um 19.30 Uhr/Dominikanergasse 9) zu sehen und zu hören, bei der sie als neues Mitglied der Musikgruppe „Mississippi und Isabelle“ auftritt.



Suche in der DAZ

  

DAZ Archiv

Dezember 2018
M D M D F S S
« Nov    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  
Malzeit
300 Millionen
Buergerbueros