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Freitag, 30.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Die erste Probe wird chaotisch“

Stefan Schulzki über die letzten Tage vor dem Konzert

Stefan Schulzki lebt von seiner Arbeit als Filmkomponist, schreibt aber auch „ernste“ moderne Musik. Er hat mit Schülern der Grundschule Täfertingen die „Laptop-Musik“ erarbeitet, die diese am kommenden Dienstag im Augsburger Parktheater zusammen mit dem Philharmonischen Orchester aufführen werden (siehe nebenstehender Artikel). Frank Heindl hat ihn vor dem Konzert noch einmal telefonisch gesprochen.

DAZ: Herr Schulzki, mein Besuch in Täfertingen liegt schon sechs Wochen zurück. Was ist seither passiert?

Schulzki: Als ich die Ergebnisse der Kinder zusammenfassend gehört habe, habe ich festgestellt, dass am letzten Tag eigentlich die besten Arbeiten entstanden sind. In den ersten Tagen des Workshops war die Zeit immer ein wenig zu knapp; am letzten Tag aber hatten die Kinder natürlich am meisten Erfahrung, außerdem habe ich sie dazu ermuntert, noch mehr zu experimentieren. Sie waren bei der Beurteilung ihrer eigenen Arbeiten dann auch viel kritischer als zu Anfang, fanden manches langweilig, weil sie bestimmte Tricks inzwischen schon zu gut kannten. Ich war trotzdem von vielen Stücken sehr begeistert.

DAZ: Am Dienstag ist Konzert, bis dahin gibt’s noch Proben mit dem Philharmonischen Orchester – hat sich mittlerweile Lampenfieber eingestellt?

Schulzki: Wir versuchen dem vorzubeugen: Anfang der Woche hat der Schulleiter Ulrich Hierdeis die Partituren sowie alle Audiodateien bekommen, damit sie schon üben können. Die erste Probe mit dem Orchester wird sicher chaotisch, man muss sich erst eingewöhnen, die Kinder bekommen zum ersten Mal von der Dirigentin ihre Einsätze. Sie brauchen dann zwar nur zur richtigen Zeit auf den Knopf zu drücken – aber man muss einkalkulieren, dass eine Viertelsekunde Verzögerung da schon für Probleme sorgen kann. Auch das müssen wir üben. Wir haben zwei normale und die Generalprobe – ich denke, dann wird’s klappen.

DAZ: Ich nehme an, das ist auch für Sie aufregend …

Schulzki: In letzter Zeit hatte ich viele ähnliche Termine, insofern ist es für mich eigentlich schon normal, aber ich bin trotzdem ein bisschen aufgeregt – ich bin gebürtiger Augsburger und das ist mein erstes großes Konzert in Augsburg, auch meine erste Zusammenarbeit mit dem Philharmonischen Orchester. Ich denke, das Orchester wird das gut hinkriegen, aber es wird auch herausgefordert sein von dem Stück, das ich selbst geschrieben habe.

DAZ: Wo liegen bei Ihrer Komposition die Herausforderungen fürs Orchester?

Schulzki: In der Rhythmik. Ich habe aus meinem Klavierstudium die Rubato-Technik teilweise ins Kompositorische übernommen, um sie dort in ungewohnte Extreme zu führen – dadurch entstehen Rhythmen, die man als Orchester-Musiker normalerweise nicht so häufig zu Gesicht bekommt. Es sind teilweise sehr komplexe Gebilde entstanden, und am Ende muss sich alles intuitiv fügen.

DAZ: Was sagt die Dirigentin Carolin Nordmeyer dazu?

Schulzki: Wir haben uns darüber ausgetauscht, wie wir das Stück verstehen, und dabei festgestellt, dass wir sehr ähnliche Vorstellungen haben.

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Das Interview führte Frank Heindl.