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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Des Bürgermeisters letztes Hurra

Kommentar von Siegfried Zagler

Peter Grabs Nominierung zum OB-Kandidaten ist das inoffizielle Eingeständnis eines Scheiterns. Es bedeutet das Ende der bürgerlichen Regierungskoalition zwischen Pro Augsburg und der CSU. Ein Bündnis, das ohnehin bereits wenige Monate nach der Kommunalwahl nicht viel mehr war als eine erkaltete Zweckehe, die sich im Lauf der Zeit zu einem vergifteten Nebeneinander verschlechterte. Ein Nebeneinander, das beide Partner unter großen Schmerzen auch nach dem Schley-Prozess fortsetzten. Das dünne Band, das die Koalition damals noch zusammen hielt, bestand aus politischen Nützlichkeitserwägungen, also der Einsicht, dass man mit einer offiziell gescheiterten Koalition schlecht Wahlkampf machen könne. Der Wahlkampf nimmt nun Fahrt auf und beide „Regierungsparteien“ verweisen auf „ihre“ Bilanz, als hätte es nie einen Partner gegeben.

„Da wir ja bis zur Wahl in einer Regierung sind, könnte das natürlich auch problematisch werden. – Aber auch nur dann, wenn sich Peter Grab bei politischen Themen abgrenzen würde, die er bislang überhaupt nicht wahrgenommen hat. Die Frage ist, wie glaubwürdig er das machen könnte, wenn er bisher für Sport und Kultur wahrgenommen wird. Umgekehrt entstünden eventuell Probleme, wenn ich mich plötzlich anschicken würde, in eine offene Kritik gegen Peter Grab zu gehen“, so OB Kurt Gribl im Dezember zur DAZ auf die Frage, wie er eine eventuelle OB-Kandidatur Peter Grabs bewerte. Dazu nur so viel: Peter Grab mag ein schwacher Kulturreferent sein, ein schlechter Wahlkämpfer ist er nicht. Er wird sich natürlich nicht nur auf sein Ressort kaprizieren, sonst bräuchte er nicht antreten. Kurzum: Man sollte davon ausgehen, dass der Wahlkampf CSU versus Pro Augsburg mit harten Bandagen ausgetragen wird. Grab versus Gribl könnte sogar ein pikanter Abrechnungsknüller werden.

Es soll hier nicht darum gehen, was die offiziell noch amtierende Regierungskoalition alles bewirkt oder nicht bewirkt hat, sondern um den Sachverhalt, dass Pro Augsburg mit Grabs Nominierung zum OB-Kandidaten zwei Dinge in Stein gemeißelt hat: Eine Koalition zwischen Pro Augsburg und der CSU wird es nicht mehr geben und zweitens: Der kommende Kommunalwahlkampf ist Peter Grabs letztes Hurra in Amt und Würden.