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Donnerstag, 17.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Der “neue FCA” in Wolfsburg: Auch ein Sieg ist denkbar

Am heutigen Samstag (15.30 Uhr) trifft der FC Augsburg in der VW-Stadt Wolfsburg auf einen vermeintlichen Riesen, der in dieser Saison in eine schwere Krise schlitterte, die zum Rauswurf von Manager Klaus Allofs und zur Suspendierung von Trainer Dieter Hecking führte.

Von Siegfried Zagler

Langsam aber sicher kommen die Wolfsburger wieder in Tritt, sind aber noch lange nicht in der Verfassung, um vor ihnen über Gebühr Respekt haben zu müssen. Mit zuletzt drei Siegen gegen Frankfurt, Gladbach und Hamburg konnte sich die VW-Werkself vom Tabellenkeller in ein unsicheres Mittelfeld retten, ohne dabei sportlich zu überzeugen. Beim FCA sieht die Bilanz der letzten drei Spiele umgekehrt aus: Es gibt einen deutlichen sportlichen Aufschwung, der aber zu keiner Ergebnisverbesserung führte. Ein Sieg (Gladbach), ein Unentschieden (Dortmund), eine Niederlage (Hoffenheim).

Dass der Rauswurf von Dirk Schuster mit einer fußballphilosophischen Erklärung gerechtfertigt wurde, obwohl sich die sportliche Bilanz von Schuster sehen lassen konnte, ist in der Welt des Fußballs ein einzigartiger Vorgang, der allen Beteiligten bezüglich der damit verbundenen Unaufrichtigkeit noch lange in den Kleidern hängen wird. Der mit dem Trainerwechsel verbundene Systemwechsel haben Trainer Manuel Baum und Präsident Klaus Hofmann zu verantworten, da Manager Stefan Reuter eher den Eindruck vermittelt, mehr Pressesprecher des FCA-Präsidenten zu sein, als eine handelnde Managerpersönlichkeit. Sich über Nacht auf einen gravierenden Systemwechsel zu verständigen, ohne eine dementsprechende Kaderumbildung einzuleiten, würde vermutlich dafür sorgen, dass selbst die etwas verschlafenen Kollegen der lokalen Sportpresse erkennen könnten, dass sich Hofmann, Weinzierl und vermutlich Reuter in den letzten Jahren mit der Kaderbildung im strukturfreien Raum befanden.

Dass sich jetzt mit einer intensiven Jugendarbeit und einem jungen Trainerteam in Augsburg eine Fußball-Strategie entwickeln soll, die den aktuellen Tabellenstand nicht zum Maß aller Dinge erklärt, ist sehr zu begrüßen. Einzuwenden ist nur, dass man auch in der Lage sein sollte, dies auch zu kommunizieren. Der neue FCA sollte auch nicht sterben, wenn er mit seiner neuen Philosophie in der Zweiten Liga kicken müsste. Es darauf ankommen zu lassen, wäre allerdings fahrlässig, weshalb an dieser Stelle festzuhalten ist, dass der FCA, wenn er sich in den kommenden 48 Stunden nicht personell verstärkt, dies erst wieder in der Zweiten Liga tun könnte. Soviel zu den strukturellen Problemen der Augsburger.

Aktuell sieht es so aus, dass sich alle Bundesligamannschaften, die sich mit Abstiegssorgen plagen, im Aufwärtstrend befinden. Während der FCA sich mit Systemanalysen herumschlägt, hat die Konkurrenz personell dort nachgebessert, wo es in den vergangenen Spielen Defizite gab. Dennoch kann man auch als neuer FCA in Wolfsburg gewinnen, da die Wölfe nach Darmstadt die zweitschlechteste Heimbilanz haben und zu Hause noch weniger rissen als die Augsburger. Das Spiel in Wolfsburg ist also völlig offen, weshalb die DAZ von einem Unentschieden ausgeht.

Wichtiger als das Spielergebnis in Wolfsburg ist ohnehin die Frage, ob es noch Winterverstärkungen gibt.