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Montag, 17.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Der Hohenhau-Coup

Warum von Hohenhau die Schley-Nachfolge antritt

Kommentar von Siegfried Zagler

Wie die DAZ gestern in Erfahrung bringen konnte, steht die Wahl von Rolf von Hohenhau als „Interimsvorsitzender“ des CSU-Kreisverbandes Augsburg-West fest. Der Fahrplan zu dieser Personalentscheidung, die nicht von der Parteispitze getroffen wurde, sondern „aus der Mitte des Kreisverbandes West kommt“, so die Sprachregelung der Parteiführung, sieht folgendermaßen aus: Nach den Pfingstferien wird zur außerordentlichen Kreisdelegiertenversammlung geladen. Am 11. Juni findet die Versammlung statt. Einziger Tagesordnungspunkt: Wahl eines Vorsitzenden mit der anschließenden Rede des neu gewählten Vorsitzenden. Ob Rolf von Hohenhau einen Gegenkandidaten bekommt oder nicht, spielt keine Rolle. Von Hohenhau ist der Ehrenvorsitzende dieses Kreisverbandes, seine Kandidatur ist risikolos. Er wird für ein Jahr von einer großen Mehrheit der zirka 80 Delegierten zum Vorsitzenden gewählt werden. Im Juni 2013 steht die nächste ordentliche West-Kreisdelegiertenversammlung mit Neuwahlen auf dem Programm.

Von Hohenhau ist nicht wegen seiner Fähigkeit zur Moderation bestellt worden

Was immer auch die Parteispitze der Augsburger CSU derzeit über ihr Verhältnis zu ihrem Oberbürgermeister sagt, was immer sie zur „Revitalisierung“ von Rolf von Hohenhau beteuert und beschwört: nichts davon ist ganz falsch und nichts davon ist zutreffend. Niemand innerhalb der CSU käme auf den Gedanken, dass Rolf von Hohenhau aufgrund seiner Fähigkeit zur Moderation bestellt wurde. Von Hohenaus Streitlust und Kampfeshärte sind berüchtigt. Er zog gegen Kurt Gribl nicht nur in Sachen Kö- und Bahnhofsumbau offensiv in den „Krieg“, sondern unterstützte zusammen mit Tobias Schley am 8. Juni 2011 den satzungsgemäßen wie erfolgreichen „Gegenangriff“ gegen den damaligen Parteivorsitzenden Christian Ruck, der – zusammen mit Kurt Gribl – den damaligen Vorsitzenden des Kreisverbands West Schley aus dem Amt kegeln wollte.

Die Zeichen stehen auf Sturm und Trennung

Mit von Hohenhaus Nominierung für die Schley-Nachfolge sind folgende Sachverhalte in Stein gemeißelt: Erstens zeigt der CSU-Bezirksvorstand, der von der Schley-Hausmacht des Kreisverbandes West gewählt wurde, mit dieser Personalie ihrem Oberbürgermeister an, wo die Musik spielt und dass er nach dieser Musik nicht nur ab und an mit dem Fuß zu wippen, sondern nach ihr zu tanzen hat. Zweitens nimmt die Augsburger CSU mit dieser Personalentscheidung Tobias Schley aus dem Schussfeld der veröffentlichten Meinung. Der Gedanke, dass die Augsburger CSU und ihr OB wieder zusammenfinden würden, wenn man Schley aus dem Spiel nehmen würde, hat sich durch den Hohenhau-Coup erledigt. Schley taugt nicht als Sündenbock, so die deutliche Botschaft an die Leser der Augsburger Allgemeinen. Mit keinem Jota würde sich das extrem angespannten Binnenverhältnis der CSU zum OB verändern, müsste Schley aufgrund der Vorwürfe der Augsburger Staatsanwaltschaft das Feld räumen, so die Botschaft an Kurt Gribl. Kurt Gribl kann sich nicht selbst als OB-Kandidat der CSU für die Kommunalwahl 2014 aufstellen. Das macht die Partei, nach deren Musik zu tanzen Kurt Gribls Sache nicht ist. Womit gesagt sein soll, dass die Zeichen auf Sturm stehen und man nicht davon ausgehen sollte, dass Kurt Gribl ein zweites Mal als OB-Kandidat der CSU in den Wahlkampf ziehen wird.