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Freitag, 17.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Der Bypass ist obsolet

Kommentar von Bruno Stubenrauch

Seien wir ehrlich: Der autofreie Kö hat nie einen Bypass für den motorisierten Individualverkehr gebraucht. Zwei Jahre lang – zwischen 2008 und Mai 2010 – haben die Verkehrsplaner in aufwändigen Simulationen nachgewiesen, dass ihr Konzept funktioniert, haben die Architekten betont, ihr Kö brauche keinen Bypass. Notwendig war der Bypass nur als temporäre Krücke, um das Tunnel-Gespenst abzuwehren. Aus politischen Gründen also, um vor dem Bürgerentscheid möglichst viele Gruppierungen – darunter die SPD – ins Boot der Amtslösung zu holen. Das war vor genau einem Jahr.



Am 21. November läuft die Bindewirkung des damaligen Bürgerentscheids für einen Kö mit Bypass aus. Einzelhändler und Autofahrer haben inzwischen durch Selbsthilfe und monatelange Praxistests im baustellengespickten Augsburg bewiesen, dass man auch “da lang” fahren kann, wenn es dort lang mal nicht geht. Anders als die an Schienen gebundenen Fahrzeuge des ÖPNV sind Autos nämlich problemlos in der Lage, selbst totalgesperrte Strecken ohne einen “Manzu-Bogen”, also ohne planmäßige Ausweichtrasse, mittel- und großräumig zu umfließen.

Dabei ist sogar der Manzu-Bogen zwischen Auslegung und Inkraftsetzung aus dem Bebauungsplan 500 verschwunden, ganz ohne Beanstandung durch den Münchner Verwaltungsgerichtshof. Nichts spricht also dagegen, in der Stadtratssitzung am 24. November die Auslegung eines B-Plans 500 ohne Bypass zu beschließen und den Gegenwind aus München als Rückenwind für einen wirklich autofreien Kö zu nutzen. Der Klageweg dagegen steht jedem Automobilisten offen.