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Sonntag, 24.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Das Stadttheater – ein „ungeliebtes Kind“?

Kulturausschuss verlangt Auskunft über Bühnenturm-Sanierung

Von Frank Heindl

Nicht nur der Container ist fürs Stadttheater ein Dauerdrama ohne absehbares Ende – auch die längst fällige Sanierung des baufälligen Bühnenturms kommt nicht voran. Für 2009 war sie geplant, nun wird es mindestens 2012, bis die Handwerker anrücken. Als am Montag dem Werkausschuss des Kulturausschusses mal wieder keine konkreten Angaben vorgelegt wurden, reagierten die Ausschussmitglieder genervt.

Schon 2009 eingerüstet: der Bühnenturm des Stadttheaters

Schon 2009 eingerüstet: der Bühnenturm des Stadttheaters


Zuvor hatte Steffen Rohr, kaufmännischer Direktor des Stadttheaters, den bisherigen Verlauf dargelegt: Schon anno 2009 hatte man zum ersten Mal begonnen, den maroden Turm zu sanieren. Die Arbeiter stießen dabei jedoch auf Schäden, die weitere Untersuchungen notwendig machten. Das aufgerissene Dach wurde daraufhin provisorisch wieder abgedeckt mit der Absicht, in der Sommerpause 2010 gründlich zu sanieren. Die Theaterleitung beschloss deshalb einen veränderten Spielplan mit verlängerter Sommerpause – völlig vergeblich, denn es tat sich wieder nichts. Wegen ungeklärter statischer Probleme wurde erneut vertagt, für weitere Untersuchungen müssen nun Stahlträger freigelegt werden – nach derzeitiger Planung im Mai und Juni 2011. Die dann notwendigen Sanierungsarbeiten hat das Hochbauamt aber erst auf die Sommerpause 2012 terminiert – was für Empörung bei einigen Mitgliedern des Kulturausschusses sorgte.

Das Fax kam um 11:21 Uhr

Er verstehe nicht, warum nun schon wieder verschoben muss, klagte Karl-Heinz Schneider (SPD). Kulturbürgermeister Peter Grab wusste auch nichts Genaues, konnte aber über sein Nichtwissen in gewohnt akribischer Weise Auskunft geben: Um 11:21 Uhr habe er per Fax einen Bericht des Hochbauamtes erhalten, in dem von „Probeöffnungen am Stahltragwerk“ gesprochen werde, mit deren Hilfe die Tragfähigkeit der Konstruktion eruiert werden soll. Sie habe genug von den „wiederholten Berichten bezüglich dieser Malaise“, gab hörbar genervt Rose-Marie Kranzfelder-Poth (Freie Wähler) zu Protokoll, man habe immer wieder den Eindruck, dass es sich beim Theater um ein „ungeliebtes Kind“ handle, um das sich niemand kümmern wolle. Auch Theo Gandenheimer (CSU) zeigte sich frustriert davon, dass das Bauamt lapidar ein Fax schickt, anstatt einen Mitarbeiter zum persönlichen Vortrag vor dem Kulturausschuss vorbeizuschicken. Es sei, so noch einmal Kranzfelder-Poth, unabdingbar, dass das Amt im Kulturausschuss präsent sei, „um die Krise und unsere Verärgerung hautnah mitzubekommen.“

Ergebnis: Ein parteienübergreifender Antrag, dass eben dies geschehen soll – in seiner nächsten Sitzung am 9. Mai soll ein Mitarbeiter des Bauamtes dem Theater-Werkausschuss Rede und Antwort stehen. Er soll auch erläutern, ob bei den konstatierten baulichen Mängeln bereits „Gefahr im Verzug“ sei.