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Sonntag, 05.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Das ist ein Derby“

Der FCA hat 24 Punkte, daraus ergibt sich Platz 3! Mit 24 Punkten aus 14 Spielen stehen die Augsburger auf einem Champions League Platz. Das ist eine Momentaufnahme, die bundesweit als das „Augsburger Märchen“ wahrgenommen wird. Vor dem Spitzenspiel gegen die Bayern am heutigen Samstag in der SGL Arena (15.30 Uhr) vergaß selbst Augsburg Trainer Weinzierl die Semantik der Bescheidenheit.

Von Siegfried Zagler



Als Markus Weinzierl in der Bundesliga die ersten 17 Spiele hinter sich hatte, standen nicht mehr als 9 Punkte auf dem Konto des FCA. Das war in der Saison 2012/13. Markus Weinzierl wurde von einem schrulligen Präsidenten aus der dritten Liga von Regensburg nach Augsburg geholt und mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Der Abstieg des FCA schien im zweiten Jahr seiner Bundesligazugehörigkeit besiegelt. Der Trainer aus der dritten Liga, so der erste Eindruck, schien überfordert. Doch der allmächtige Walther Seinsch hielt an Weinzierl fest. Dann kam die Rückrunde, in der der FCA 24 Punkte holte und sich ein weiteres  Jahr Bundesliga sicherte. Dann folgte in der nächsten Saison der 8. Platz (52 Punkte). Markus Weinzierl und der FCA wurden von allen Seiten mit Lob überschüttet. In diesem Jahr schien der Aderlass (zwei Abgänge starker Spieler) und wenig überzeugende Neuzugänge, den Klub in große Schwierigkeiten zu bringen. Das Gegenteil trat ein. Nach katastrophalen Leistungen zu Beginn fing sich das Team und verbesserte sich von Spiel zu Spiel. Noch nie stand in der langen Geschichte des Klubs ein Trainer besser und ruhmreicher da als der Niederbayer Weinzierl, der vor dem heutigen Spitzenspiel von Pep Guardiola als der „beste Trainer der Liga“ bezeichnet wurde.

Für Bescheidenheit fehlt der Resonanzrahmen

Vor dem heutigen Spitzenspiel der Fußballbundesliga verzichtete Weinzierl zum ersten Mal in dieser Saison auf die semantische Bescheidenheit, die er vor den Spielen in der Öffentlichkeit bisher an den Tag legte. Man müsse nach unten schauen und die Abstiegskonkurrenz auf Abstand halten. „Nach dem nächsten Spiel wissen wir wieder ein wenig mehr.“ So der branchenübliche Trainer-Jargon der Bescheidenheit, der einem Klub, wie dem FCA, besonders gut steht. Wenn nun jedoch der FCA als Tabellendritter am 15. Spieltag den FC Bayern empfängt, fehlt für Bescheidenheitsrabulistik der Resonanzrahmen. Halil Altiontop gab sich auf der Pressekonferenz am Donnerstag selbstbewusst: „Wir wollen unsere Heimserie fortsetzen, egal wie der Gegner heißt.“ Auch Weinzierl hielt sich nicht lange damit auf, die Qualität der Münchner zu beschreiben. „Wir bestreiten am 15. Spieltag ein Spitzenspiel, wir freuen uns darauf und mit dem 12. Mann im Rücken können wir über uns hinauswachsen und eine Sensation schaffen.“ Für Weinzierl wäre die Sensation bereits mit einem Unentschieden gegeben. „Sie werden uns nicht unterschätzen“, so Weinzierl. Den Ball nahm Bayern-Trainer Guardiola gerne auf: „Die Augsburger sind aggressiv, spielen mit Leidenschaft, haben schnelle Spieler in der Konteraktion. Und sie haben keinen Druck. Sie haben nichts zu verlieren. Deshalb wird es schwer. Der Platz ist kleiner, das Stadion ist voll – das ist ein Derby!“