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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

CFS-Debakel: Umbau des Umbaues ab 21. März

Einem Teilabriss und steileren Neuaufbau der Tribünen im Curt-Frenzel-Stadion steht aus bauordnungsrechtlicher Sicht wohl nichts mehr entgegen. Dies ist das Resumee aus dem TÜV-Gutachten, das gestern den Panthern und der Presse vorgestellt wurde.

Tage gezählt: zu flache Südtribüne im Curt-Frenzel-Stadion

Tage gezählt: zu flache Südtribüne im Curt-Frenzel-Stadion


Der TÜV Südbayern hatte gutachtlich zu untersuchen, unter welchen Voraussetzungen von den Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung (VStättV) bezüglich der Stufenhöhe in den Stufengängen der Stadiontribünen abgewichen werden kann. Während die VStättV hier maximal 19 cm zulässt, sind für die Umsetzung einer von Eishockeyfans erarbeiteten Reparaturplanung zur Verbesserung der Sicht im Stadion, der so genannten „Variante Fünf“, 25 cm Stufenhöhe notwendig.

„Der Flaschenhals kann als gelöst betrachtet werden“, fasste OB Kurt Gribl gestern das TÜV-Gutachten in einem Satz zusammen. Das Schutzziel der VStättV könne auch auf andere Art und Weise gewährleistet werden. Auf 65 Seiten hat der TÜV die Muß-Voraussetzungen aufgelistet, unter der er eine Abweichung von der VStättV für möglich hält. Dazu gehören rutschemmende Stufen mit farblicher Kennzeichnung der Kanten, mittig liegende Handläufe in den Stufengängen, eine Begrenzung der mit jeder Treppe erschlossenen Stehplätze auf 10 pro Reihe, 150 Lux Betriebsbeleuchtung, Hinweisschilder und ein organisatorisches Nutzungs- und Sicherheitskonzept. Kernpunkt: Ordnerpersonal muss Personen abweisen, die die steilen Treppen nicht sicher begehen können, insbesondere alkoholisierte Stadionbesucher. Ein generelles Alkoholverbot im Stadion wird es allerdings nicht geben.

Bauordnungsamt stellt Genehmigung in Aussicht

Geht doch: 25 cm statt 19 cm - allerdings nur mit Mittelhandlauf auf dem hier gelb dargestellten Stufengang

Geht doch: 25 cm statt 19 cm - allerdings nur mit Mittelhandlauf auf dem hier gelb dargestellten Stufengang


Laut Baureferent Gerd Merkle wurden die TÜV-Ergebnisse bereits der Polizei, dem Amt für Katastrophenschutz, dem Sanitätsdienst wegen Personenabtransport sowie dem Bauordnungsamt zugeleitet und dort vorgeprüft. Das Bauordnungsamt, das letztlich die Abweichung von der VStättV genehmigen muss, hat nach der Vorprüfung die Genehmigung bereits in Aussicht gestellt.

Am Zug sind jetzt die Planer Uwe Schlenker und Rudi Reisch, die die Fanplanung geprüft und verfeinert hatten. Sie sind laut AGS schon mit der Erstellung einer Tekturplanung bzw. eines neuen Bauantrags beauftragt. Parallel dazu wird das Leistungsverzeichnis für die erforderlichen Abbruch- und Neubauarbeiten erstellt. Mit der Demontage der Banden, der Entleerung der Ammoniak-Eisanlage, dem Abriss der „Augsburger Mauer“ und der Tribünen soll ab 21. März begonnen werden. Ziel ist die Neuerrichtung der Tribünen bis September 2011. Die Bauleitung für den „Umbau des Umbaues“ soll weiterhin beim Büro Zinner bleiben, das schon bisher ohne Beanstandungen am CFS tätig war.

2,3 Millionen zusätzliche Kosten – Verteilung unklar

Angedacht ist, den bereits tätigen Baufirmen den Abriss und Neuaufbau in Form eines Nachtragsauftrags zu vergeben. Die im Zug des Konjunkturpakets II des Bundes gelockerten Vergaberegeln lassen dies bei einer geschätzten Bausumme von 850.000 Euro zu. Trotzdem will man – im Hinblick auf die Schadensminderungspflicht – laut OB Kurt Gribl großes Augenmerk darauf legen, angemessene Marktpreise zum Umbau erhalten. Die Frage der – ggf. anteiligen – Regulierung der zusätzlichen Kosten über die Haftpflichtversicherung der Stadionarchitekten Hermann & Öttl, mit Nebenkosten rund eine Million, wurde auf der gestrigen Pressekonferenz ausgeklammert.

Auf jeden Fall kommen auf die Stadt die Kosten der Erneuerung der Eisanlage als sogenannte Sowiesokosten zu. Diese dürften bei 1,3 Mio. Euro liegen. Die Eisanlage soll ebenfalls bis September 2011 erneuert werden. Hierbei wird es zu einer Anhebung der Eisfläche um rund 40 cm kommen, wie Wolfgang Tanzer vom Projektsteuerer AGS gestern mitteilte.