DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

CFS-Debakel: Tribünenabriss contra Eisanhebung

Die politische Entscheidung über die Art, wie im Curt-Frenzel-Stadion die Sicht verbessert werden soll, fällt am 27. Januar. Zuvor müssen die Stadträte allerdings umfangreiche Hausaufgaben erledigen.

400 Seiten stark ist das Paket, das sechs Nachbesserungsvorschläge für die Tribünen und diverse Gutachten enthält. Am Freitag wurde es den Fraktionen des Augsburger Stadtrats vorgestellt und übergeben. Allein 120 Seiten haben die Stadionarchitekten Hermann + Öttl geliefert. Drei ihrer insgesamt vier Vorschläge sehen die Erhaltung der bereits gebauten Ränge, eine Eisflächenanhebung sowie Optimierungsmaßnahmen wie die Aufdoppelung von Tribünenteilen vor. Die vierte, auf Wunsch von OB Kurt Gribl erstellte Variante beinhaltet den Abbruch und Neuaufbau der Tribünen, wobei die Anforderungen der Versammlungsstättenverordnung an die Fluchttreppen eingehalten sind. Hermann + Öttl gelingt dies mit der Geometrie der provisorischen Südtribüne. Allerdings reduziert sich dadurch die Zuschauerzahl deutlich.

Fanplanung benötigt Ausnahmegenehmigung

Bei den beiden weiteren Varianten handelt es sich um einen Vorschlag der Panther-Fans, der von den Stadionexperten Uwe Schlenker und Rudi Reisch vertieft wurde sowie um einen Vorschlag der AGS, der mit dem Fanvorschlag den Abbruch des bisher Gebauten und die Geometrie der neuen Tribünen gemein hat. Der Fanvorschlag mit 25 cm hohen Fluchttreppenstufen lässt sich nicht ohne eine Befreiung von den Anforderungen der Versammlungsstättenverordnung realisieren. Die Erteilung einer solchen Befreiung durch das Bauordnungsamt ist ungewiss. Den Stadionarchitekten Hermann + Öttl wurden im Zug der Eingabeplanung Anfang 2010 Stufenhöhen von 22,5 cm untersagt. Auch ein erneuter Vorstoß der Architekten vor wenigen Wochen bei der Obersten Baubehörde in München blieb erfolglos.

19 cm Höhe zulässig, 25 cm geplant: Stufengang des Fanvorschlags

Der AGS-Vorschlag umgeht das Problem mit zusätzlichen Treppen geringerer Steigung und der Anordnung von mehreren hundert Stahlbügeln, die den Zugang zu den Stehrängen über nicht exakt höhengleiche Treppenstufen verhindern. Ein von der AGS erstelltes Treppenmodell in Originalgröße soll den Fans und Stadträten Anfang der Woche präsentiert werden.

Termin- und Kostenüberschreitung droht

Während die drei Vorschläge mit Eisanhebung innerhalb des vorgesehenen Gesamtterminplans zu realisieren und die Kosten von rund 600.000 Euro vermutlich ein Versicherungsfall wären, würden die Lösungen mit Tribünenabbruch und -neubau rund eine Million teurer – zu Lasten des Stadtsäckels. Außerdem wäre bei den Abbruchlösungen der Gesamtterminplan für den Stadionumbau nicht zu halten, wie eine Vorprüfung ergeben hat. Gute Sicht bieten alle sechs vorgelegten Varianten.

OB Kurt Gribl macht indes keinen Hehl daraus, dass er die Variante der Panther-Fans für gut hält. Beobachter rechnen deshalb mit einer Beschlussvorlage, die die Fanplanung vorschlägt, vorbehaltlich der Erteilung einer Genemigung der von der Versammlungsstättenverordnung abweichenden Treppen durch das Bauordnungsamt. Die AGS-Planung würde als “Rückfallebene” dienen. Die Vorschläge von Hermann + Öttl wären damit aus dem Rennen. Das letzte Wort hat allerdings der Stadtrat.

» CFS-Debakel: Bauvorschriften verhindern Stehplätze