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Mittwoch, 08.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

CFS-Debakel: Nichts Neues vom TÜV und zum weiteren Ablauf

In weiten Teilen unkonkret fielen die Antworten auf kritische Fragen der Grünen zum Curt-Frenzel-Stadion aus, mit denen sich gestern der Bauausschuss im Rahmen eines Sachstandsberichts befasste.

Faktisch Baustopp: CFS im November 2010

Faktisch Baustopp:

CFS im November 2010


Die Grüne Stadtratsfraktion hatte per Antrag nachgefragt, wie es zur Erhöhung der Zuschauerzahl von den vom Stadtrat beschlossenen 5.350 Plätzen auf jetzt über 6.000 gekommen sei. In der VOF-Ausschreibung für die Architektenleistungen seien sogar 6.400 Plätze enthalten. Außerdem sei nicht geklärt, wie eine Vergabe an andere Architekten ermöglicht werden könne, während die nach wie vor beauftragten Architekten Hermann & Öttl immer noch ein Nachbesserungsrecht hätten. Den Fans gegenüber habe man in der „sehr publikumszugewandten“ Stadtratssitzung am 27. Januar so getan, „als ob das alles kein Problem wäre“, so die Grüne Stadträtin Eva Leipprand. Auch zum Zeitplan des Umbaues wollten die Grünen Fakten hören.

„Der Bezug war falsch“

Die Zuschauerplatzfrage beantwortete Edgar Mathe, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, deren Planungsabteilung AGS als Projektsteuerer beim Stadion tätig ist, kryptisch: „Nicht die Zahl 6.400 in der Ausschreibung war falsch, der Bezug war falsch“. Gemeint war, dass sich die Zahl 6.400 nicht auf den Stadtratsbeschluss, sondern fehlerhaft auf einen Zwischenstand der Masterplanung bezog. Zur Erhöhung der Zuschauerkapazität habe es keinen Beschluss gegeben, sondern nur einen Wunsch der Panther, so Mathe. Alles andere sei das „Ergebnis der Verfeinerung eines Bauabwicklungsprozesses“.

Die Planerfrage beantwortete Baureferent Gerd Merkle. Bei Realisierung der sog. „Variante 6“, einer Abbruch- und Neubaulösung mit zahlreichen Verbügelungen an den Stufengängen, stelle sich die Planerfrage gar nicht, da hier die AGS als Planer auftrete. Sollte die sog. „Variante 5“ verwirklicht werden, die auf Plänen der Fans basiert, müssten Planungsumfang und Schnittstellen zu anderen Planern mit Juristen und den Architekten Hermann & Öttl diskutiert werden.

Ein Jahr Bauzeitverlängerung?

Eine seriöse Angabe zur Bauzeitverlängerung sei derzeit nicht möglich, so Merkle, da noch gar nicht feststehe, welche Lösung umgesetzt werde. Bei allen Varianten mit Abbruch und Neuaufbau von Tribünen müsse man aber aus heutiger „konservativer“ Sicht von einem Jahr Bauzeitverlängerung ausgehen. Das bedeute eine Fertigstellung bis zum Beginn der Spielzeit 2013/14. Sowohl die DEL als auch die Panther und Fans würden diese Verzögerung aber „vollumfänglich mittragen“.

Keinen Zwischenstand gab es zum Gutachten des TÜV. Der TÜV Südbayern ist beauftragt, Möglichkeiten einer Befreiung von den Auflagen der Versammlungsstättenverordnung (VStättV) aufzuzeigen, die für die überhohen Stufen der Fanplanung erforderlich ist. Erlaubt für die Stufengänge im Stadion sind nach VStättV 19 cm, vorgesehen sind aber 25 cm Stufenhöhe. Merkle rechnete gestern mit ersten Aussagen des TÜV bis zum Ende der kommenden Woche. Danach müsse die Verwaltung prüfen, ob sie „das Ergebnis mittragen“ könne. Das TÜV-Gutachten, das sich sowohl mit der Variante 5 als auch mit der AGS-Variante 6 befasst, soll in der nächsten Bauausschusssitzung in vier Wochen präsentiert werden.

Neue Baugenehmigung erforderlich

Faktisch herrsche beim CFS derzeit ein Baustopp, so Edgar Mathe auf Nachfrage von Stadtrat Stefan Quarg (SPD). Aufgrund der Planungsunsicherheit könne mit der Nordtribüne nicht begonnen werden. Die Baufirmen hätten bereits Behinderungsanzeigen gestellt. Mit neuen Ausführungsplänen für die Firmen sei allerdings nicht so schnell zu rechnen: „Wir brauchen mindestens eine Tektur (= Modifikation der Baugenehmigung; Anm. d. Red.), wenn nicht eine neue Baugenehmigung“, so Mathe.