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Mittwoch, 15.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Causa Förster: „In frühestens einer Woche ist mit einer Erklärung zu rechnen“

Der Fall Förster bleibt im Spekulationsmodus. Der SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster blieb am Dienstag der Fraktionssitzung der Landtags-SPD fern und hat sich auch nicht weiter zur Sache der gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfe geäußert.

Dr. Linus Förster

Dr. Linus Förster


Gegen Förster ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft. Er soll laut Augsburger Allgemeine bei einem Besuch bei einer Prostituierten heimlich Filmaufnahmen gemacht haben. Als die Frau dies bemerkte, soll es zu einem „Gerangel“ gekommen sein. Die Frau erstattete Anzeige gegen den Augsburger Landtagsabgeordneten. Mehr als diese wenig plausible Geschichte der Augsburger Allgemeinen ist derzeit in der Sache nicht bekannt. Und dennoch wird Linus Förster, wie sein Anwalt Walter Rubach der DAZ erklärte, keine Stellungnahme abgeben, bevor nicht feststehe, was ihm denn genau vorgeworfen werde. Er werde erst die Aktenlage studieren und dann zusammen mit Förster beraten, was zu sagen sei, so Rubach, der sich immerhin zeitlich festlegte: „In frühestens einer Woche, es könnten aber auch zehn Tage sein, kann man mit einer Erklärung Försters rechnen.“ Försters Partei sieht dieser Stellungnahme mit Ungeduld entgegen. Bayerns SPD-Chef Florian Pronold äußerte sich bereits vergangene Woche gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass er von Förster eine zeitnahe Erklärung erwarte: “Die Partei erwartet eine schnelle und umfassende Aufklärung. Bis zum Ende des Ermittlungsverfahrens kann das nicht warten”, so Pronold.

Die Augsburger SPD-Bezirksvorsitzendende Ulrike Bahr (MdB) äußerte sich gegenüber der DAZ ähnlich. Sie befände sich in einem Dilemma, da es zwar ihre Aufgabe sei, Schaden von der Partei fernzuhalten, es aber andererseits noch nicht gesichert sei, ob Linus Förster etwas strafrechtlich Relevantes unternommen habe. Sie wolle einer Vorverurteilung entgegenwirken, aber politisch sei festzuhalten, dass ein vermuteter Rotlicht-Eskapismus nicht in den Wertekanon der SPD passe.

Auf Anfrage erklärte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, dass man keine Prognosen darüber abgeben könne, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei und ob gegen Förster Anklage erhoben werde oder nicht. In dieser Sache spielten zu viele Faktoren eine Rolle, um Zeitspekulationen mit Erfahrungswerten zu plausibilisieren. Man könne aber nicht verneinen, dass das Prozedere weit ins kommende Jahr hineinreichen könnte.

"Natürlich wäre ich bereit": Potentielle Förster-Nachrückerin Ilona Deckwerth

 Ilona Deckwerth


Bezüglich der politischen Zukunft des Landtagsabgeordneten Linus Förster lässt sich dagegen eine sehr genaue Prognose abgeben. „Diese Angelegenheit wird Försters Karriere als Politiker beenden“, so der klare Bewertungskanon der politischen Beobachter in Augsburg. Försters Chancen, im kommenden Frühjahr ein viertes Mal auf einem aussichtsreichen Listenplatz für die Augsburger SPD in den Bayerischen Landtag einzuziehen, stehen bei null. Spannend bleibt auf der politischen Ebene somit nur die Frage, ob Förster sein Landtagsmandat vor Ablauf der Legislaturperiode (Herbst 2018) niederlegen wird oder nicht. Müsste Förster dem Druck der Partei und der Öffentlichkeit Tribut zollen, würde die Füssener SPD-Frau Ilona Deckwerth für den Stimmkreis Kempten/Oberallgäu in den Landtag einziehen. Ilona Deckwerth ist als erste Nachrückerin auf der schwäbischen SPD-Liste zur Landtagswahl 2013 platziert. „Natürlich wäre ich dafür bereit, deshalb habe ich mich ja aufstellen und wählen lassen“, so Deckwerth zur DAZ auf Anfrage.