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Montag, 26.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bundesliga: Klopp auf der Kippe?

Von Siegfried Zagler

In jeder anderen Runde der Bundesligaligasaison wäre ein 4:5 Auswärtserfolg die Sensationsmeldung schlechthin, doch in der neunten Runde dieser Saison steht nicht der Trainer des VfB im Mittelpunkt, sondern  der angeschlagene Jürgen Klopp, der am Borsigplatz noch fest auf seinem Trainerstuhl sitzt. Die Betonung liegt auf „noch“, denn selbst eine Sypmpathie-Ikone wie Klopp, der zum BVB besser zu passen schien als Luis Trenker zum Matterhorn, ist nicht haltbar, wenn die Ergebnisse zu einem  Niedergang führen, der in keinem Verhältnis zur Leistungsfähigkeit der Mannschaft steht. Sieben Punkte, Platz 15. Sechs Niederlagen (eine mehr als Robin Dutt, der bei Bremen gefeuert wurde, weil die Ergebnisse nicht stimmten), zwei Siege, ein Unentschieden sind für einen Verein, der Deutscher Meister werden wollte, eine nicht zu akzeptierende Bilanz. Eine Niederlage im DFB-Pokal bei St. Pauli, eine Klatsche bei den Bayern, eine weitere Heimniederlage gegen Mönchengladbach und  Jürgen Klopp ist bei Dortmund Geschichte.

These: Spieler wie Weidenfeller, Subotic und Hummels, Großkreutz sind erwachsen geworden und sind somit (ohne es selbst zu bemerkt zu haben) nach sieben Jahren gegen das Hurra-Gedöns des ewig juvenilen Klopp immunisiert.  Die Abgänge von Götze und Lewandowski haben die Dortmunder nicht nur nominell sehr geschwächt, sondern auch im Selbstbewusstsein getroffen. In der aktuellen Situation bräuchte Dortmund einen guten Trainer, der auch Zwischentöne kennt. – Freiburg wurde erst zu einem Dauerthema in der Ersten Bundesliga, nachdem sich die Breisgauer nach 16 Jahren von SC-Legende Volker Finke getrennt hatten. Finke wurde damals von einem gewissen Robin Dutt ersetzt.

Gegenthese: Weder Karlsruhe noch Bremen konnten ihre Strukturprobleme lösen, indem sie sich von ihren Übungsleitern trennten, die zu diesen Vereinen ein Verhältnis hatten wie der Papst zum Vatikan. (Wienfried Schäfer/Thomas Schaaf). Jürgen Klopp hat Dortmund an die Spitze Europas geführt und ist allein schon deshalb ein großartiger Trainer. Die Niederlagen der Dortmunder haben nichts mit fehlender Einstellung, fehlender Kampfbereitschaft oder taktischer Schwächen zu tun, sondern mit vergebenen Großchancen. Lässt sich diese Schwäche abstellen, finden die Dortmunder mit Klopp, der immerhin zu Dortmund passt wie einst Ferguson zu Manchester United, wieder zu ihrer alten Stärke zurück.

Synthese: Finke, Schäfer, Schaaf und Ferguson wurden überschätzt und ihr Wirken fügte den Klubs auf lange Sicht gesehen mehr Schaden als Nutzen zu. Und auch ein Thomas Tuchel würde gut zu Dortmund passen.