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Donnerstag, 05.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bundesliga: FCA schlägt ein neues Kapitel auf

Nach einem 0:0 Unentschieden gegen Mönchengladbach und dem 4:1 Heimsieg des SC Freiburg gegen Köln feiert der FC Augsburg bereits am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt.

Von Udo Legner

Vier Jahrzehnte nach der großen Ära der Gladbacher erstrahlt der Borussia-Park in neuem Glanz. Noch vor wenigen Wochen galten die Borussen aus Gladbach als ernsthafter Konkurrent für den schwarz-gelben Namensvetter aus Dortmund. Nach dem Sieg der Fohlen gegen die Bayern zum Rückrundenauftakt schien auf einmal alles möglich. – Vor dem Spiel gegen den FCA stand Gladbach auf Platz vier und es ging für das Team von Lucien Favre immer noch um die direkte Qualifikation für die Champions League gegen Schalke. Während alle Welt von der Abschiedstour Rauls spricht, ist es fast vergessen, dass die Partie gegen den FCA auch das letzte Heimspiel für die Garanten des Gladbachers Höhenflug war. Reus, Dante und Neustädter folgen dem Lockruf des Geldes und wechseln – in der genannten Reihenfolge – zu den Mannschaften, die in der Tabelle über ihnen stehen. Das letzte Heimspiel könnte so tatsächlich schon der Anfang vom Ende des neuen Borussen-Aufschwungs sein.

„Hut ab vor eurem Team“

Die Gladbacher Fans waren felsenfest davon überzeugt, dass ihnen ihre scheidenden Stars zum Abschied nicht nur einen Sieg, sondern ein großes Fußballfest bescheren würden. „Heute gibt’s für euch hier nichts holen, aber Hut ab vor eurem Team“ – so unisono die Einschätzung der Borussia Fans. Unser Taxifahrer prophezeite Köln den Abstieg in der Relegation gegen Düsseldorf. Es sei „total witzig“, dass der FCA seinen Gegnern vor Spielbeginn eine Marionette der Augsburger Puppenkiste überreicht. Schade nur, dass er das Plakat der FCA Fans nicht zu sehen bekam, das Jim Knopf rittlings auf einem Pferd zeigte – mit dem Schriftzug: „Auf den Fohlen zum Klassenerhalt!“

Das Fahnenmeer vor Spielbeginn, die Gladbacher Gesänge im gesamten Stadion – als FCA Fan bekam man eindrucksvoll zu spüren, dass in dieser Hinsicht in Augsburg noch viel Luft nach oben ist. Die imposante Kulisse, die klanghaften Namen an der Anzeigetafel – um den FCA, dem wiederholt vorgeworfen wurde, nur biedere Hausmannskost zu liefern (und dabei noch erfolgreich zu sein), konnte einem wirklich bange werden. Trotzdem herrscht große Zuversicht im Augsburger Fanblock. Solange die Kölner nicht gewinnen, ist alles gewonnen. Folglich war man in Gedanken und mit einem Auge beim Spiel in Freiburg und war gespannt, wie sich der Spielstand im Breisgau auf das Spiel der Luhukay Truppe auswirken würde. – In der Augsburger Startelf gab es gegenüber dem Spiel gegen Schalke lediglich eine Änderung: Gibril Sankoh spielte von Anfang an, da Hajime Hosogai wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt war. Jan-Ingwer Callsen-Bracker rückte von der Innenverteidigung ins defensive Mittelfeld.

FCA-Abwehr stand sicher

Die Anfangsminuten gehörten einem selbstbewusst auftretendem FCA. Doch die erste Torchance hatten allerdings die Gladbacher bereits in der 4. Minute: Nationalspieler Reus kommt von der Strafraumgrenze frei zum Schuss. Trotz zunehmend größerer Spielanteile blieb das Angriffsspiel der wenig inspirierten Gladbacher zunächst ungefährlich. Die Augsburger Abwehr stand sicher und wusste die Räume geschickt eng zu machen. Von eigenen Angriffsbemühungen des FCA war wenig zu sehen. Höhepunkt der ersten Halbzeit auf dem Spielfeld: das Beinahe-Handspiel im Strafraum von Bellinghausen in der 18. Minute im Wettlauf mit Reus, Hankes Hundertprozentige hüben in der 30. Minute und Verhaeghs satter Schuss drüben in der 36. Spielminute: ein Hammer, den Gladbachs Torhüter ter Stegen spektakulär parierte.

„Nie mehr 2. Liga, nie mehr, nie mehr“

Als sich im Stadion in beiden Fanlagern zunehmend der Eindruck verfestigte, dass an diesem Samstag von beiden Teams eher mit Hausmannskost statt mit einem Gourmet-Dinner zu rechnen ist, elektrisierte die Meldung von der 1:0 Führung der Freiburger die Augsburger Fans. „Restspielzeit 10 Minuten“ signalisierte die Anzeigetafel und die Augsburger deuteten dies eindeutig: „Nie mehr 2. Liga, nie mehr, nie mehr!“ skandierten sie pausenlos bis zur Halbzeitpause.

Tabelle vor dem letzten Spieltag

Tabelle vor dem letzten Spieltag


Das Spiel beider Teams in der zweiten Hälfte war wenig dazu angetan, den Fokus vom Breisgau an den Niederrhein zu verlagern. Torchancen blieben auf beiden Seiten Mangelware. „Und ihr wollt in die Champions League!?“ Die Augsburger Fans – berauscht von den Zwischenständen in Freiburg – konnten es sich nicht verkneifen, den laschen Auftritt der Fohlen mit Spottgesängen zu kommentieren. – Eine schöne Aktion von Hanke (51.), zwei Torchancen in den Schlussminuten von Reus und Hermann – die Highlights der zweiten Hälfte sind schnell genannt. – Und beim FCA? Der für Marcel Ndjeng eingewechselte Jan Moravek setzte sich mehrfach eindrucksvoll in Szene, ohne dass dies zu großer Gefahr vor dem Gladbacher Tor führte.

Schlusspfiff im Borussia-Park: „Nie mehr 2. Liga, nie mehr, nie mehr.“ Der FC Augsburg bleibt in der Bundesliga und schlägt ein neues Kapitel Fußballgeschichte auf.

FCA: S. Jentzsch; – P. Verhaegh; G. Sankoh; M. Ostrzolek; S. Langkamp; – J. Callsen-Bracker; A. Bellinghausen; D. Baier; J. Koo; M. Ndjeng; – T. Oehrl.

Eingewechselt: D. Reinhardt (77.); J. Moravek (63.); A. Sinkala (33.).

Ausgewechselt: A. Bellinghausen (33.); D. Baier (77.); M. Ndjeng (63.).

Auswechselbank: J. De Roeck; L. Davids; N. Rafael.

Zum Autor:

Udo Legner (links) mit dem Orga-Team der EM der Augsburger Schulen

Udo Legner (links) mit dem Orga-Team der EM der Augsburger Schulen


Udo Legner ist seit 45 Jahren Mitglied bei seinem Heimatverein SV Ziertheim-Dattenhausen. Früh tauschte er die Fußballschuhe gegen Spikes und “mutierte”, wie er sagt, zum Marathonmann. Seine Bestzeit (2:47) ist verbürgt. Legner unterrichtet am Maria-Theresia Gymnasium Deutsch und Englisch. Teilabgeordnet an das städtische Schulreferat ist er in der Fachstelle Jugend und Bildung zuständig für kulturelle Bildungsarbeit. Ohne dass sich Udo Legner, Edgar Mathe und Richard Goerlich je begegnet wären, sind sie durch ein seltsames Band verbunden. Sie sind fanatische Schalke-Fans und im Besitz einer FCA-Dauerkarte.