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Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bundesliga: Ein Hoch auf RB Leipzig

Warum Leipzig eine Bereicherung für die Bundesliga ist

Kommentar von Siegfried Zagler

Die zurückliegende Bundesligapartie des FC Augsburg in Freiburg hat gezeigt, wie wichtig die Unterstützung in der Fremde ist. Die FCA-Fans in Freiburg zeigten sich über die gesamte Partie als bundesligareif und trieben den FCA besonders nach vorne, als alle Felle bereits verloren schienen – und brachten ihren Klub somit zurück in die Partie. Umso mehr ist es zu bedauern, dass die Augsburger Fans beim Auswärtssupport zahlenmäßig insgesamt tief unten in der Tabelle der Auswärtsfahrer zu finden sind. Ein bisschen mehr als 1200 Fans begleiten den FCA im Schnitt zu den 17 Auswärtspartien. Nur Wolfsburg und Hoffenheim schneiden in diesem Ranking schlechter ab als die Augsburger, die in dieser Statistik noch tiefer sinken würden, wären nicht regelmäßig 7000 Augsburger im Gästeblock bei der Auswärtspartie in München anzutreffen. Unter diesem Blickwinkel wirkt die Augsburger-Ultra-Aktion „keine Sau fährt nach Leipzig“ besonders lächerlich. Hätte es nämlich diese Papiertiger-Aktion nicht gegeben, wären unter der Woche kaum mehr FCA-Fans nach Leipzig gefahren.

Die FCA-Ultras sollen lieber zusehen, dass mehr Augsburger Fans in den fremden Stadien die Augsburger Farben vertreten, als das bisher der Fall war und ist. Die Fortsetzung des blinden Hasses diverser Ultra-Gruppierungen auf RB Leipzig traf im Nachgang dieser Aktion den Augsburger Spieler Georg Teigl, der sich nach seinem FCA-Kurzeinsatz bei den Leipziger Fans dafür bedankte, dass er von ihnen so freundlich empfangen wurde. Teigl war längere Zeit erfolgreich bei RB Leipzig als Spieler tätig. Das Gleiche gilt für den Shooting-Star des deutschen Fußballs, Joshua Kimmich, der sich vor dem heutigen Spiel gegen Bremen auf die Tribüne des Leipziger Stadions setzte, um den Sieg der „Roten Bullen“ gegen die Norddeutschen zu verfolgen – und sich zusammen mit seinen ehemaligen Kollegen über den zweiten Tabellenplatz des RB Leipzig freute. Wäre Kimmich nicht bei den Bayern, sondern beim FCA unter Vertrag, müsste er nun (wie Teigl) mit primitiven Pöbeleien rechnen.

Das kapitalistische Gesellschaftssystem spiegelt sich im Profifußball wider und aus diesem Grund soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Gelder, die Mateschitz in Leipzig investiert, nicht schmutziger sind als die Millionen von VW, Bayer, Hopp oder Seinsch. – Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Augsburg wären nicht in der Bundesliga vertreten, hätten sie nicht das Glück des späten Invests erfahren. Und nun ist in der Bundesliga mit Leipzig ein weiterer Klub mit einem externen Finanz-Patronat vertreten. Ein Klub, der von Ralf Rangnick professionell gemanagt wird und nun von Ralph Hasenhüttl mit klugem und offensivem Systemfußball an die Spitze einer europäischen Topliga geführt wurde. Leipzig als Bayern-Jäger: Das muss keine Momentaufnahme bleiben. Während der FCA sich immer mehr auf das Verhindern von Fußball kapriziert und somit an einem vorgestrigen Defensiv-Konzept feilt, stürmt und kämpft RB Leipzig mit Herz und Leidenschaft in das Zentrum der Fußballwelt. In Leipzig tanzt der Bär, während man in Augsburg ängstlichen Fußball predigt. Der Augsburger Anhang, Präsident Klaus Hofmann, Dirk Schuster und Co. müssen aufpassen, dass „ihr“ FCA nicht zu einem grauen Abstiegsmäuschen verkommt. Sie könnten von dem Leipziger Modell lernen. Der FC Bayern hat das immerhin bereits erkannt.