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Mittwoch, 24.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Buchbesprechung: „Ab morgen Mönch“ – Ein Soldat geht ins Kloster

Es ist die Stille des Morgens…

…die ich so liebe. In der Kirche hört man nur den Atem meiner Mitbrüder und das Rascheln, wenn sie die Seiten ihres Psalters umblättern, jenes Buches der Psalmen und Wechselgesänge, das jeder von uns bei sich trägt. Soeben geht die Sonne auf und lässt das Innere der Kirche in einem wunderbaren Licht erscheinen. Die ersten Sonnenstrahlen tänzeln zwischen den hölzernen Bänken und über dem Steinfußboden des Gotteshauses hin und her.

Mit diesen stimmungsvollen, einen kleinen Einblick ins Klosterleben gebenden Worten beginnt die Schilderung des Benediktinermönches Bruder Longinus vom altehrwürdigen Kloster Beuron, ehemals Frank Beha, geboren im Badischen, aufgewachsen auf einem abgelegenen Bauernhof in der Nähe von Villingen-Schwenningen, der sich nach Schule und Berufsausbildung als Zeitsoldat bei der Bundeswehr verdingt, mit dieser in Kriseneinsätzen in Mazedonien und Afghanistan unterwegs ist und über einen Militärpfarrer mit dem Glauben in Berührung kommt. Am Ende seiner Dienstzeit steht für den 25jährigen fest: Ich gehe ins Kloster…

Frank Beha: Ein Soldat ...

Frank Beha: Ein Soldat ...


Den ungewöhnlichen Schritt legt er, unterstützt vom Augsburger Autor Gerald Drews, in seiner Autobiographie „Ab morgen Mönch“ (erschienen im Pattloch Verlag) eindrücklich und sich selbst reflektierend dar. Er schildert seine persönliche Entwicklung von der Kindheits- und Jugendzeit an bis hin zu diesem langen Marsch in der brütenden Sommerhitze des Jahres 2003, in der er ein „Gottesurteil“ erbat, das ihm seine Entscheidungsnöte hinsichtlich seiner weiteren Zukunft abnehmen sollte: Den 30-Kilometer-Marsch wollte er unter drei Stunden absolvieren, was angesichts seiner großen Erschöpfung und des Wassermangels schon nahezu aussichtslos erschien. Das sich in diesem Moment selbst gegebene Gelübde, er werde, wenn das schon unerreichbar wirkende Vorhaben doch noch gelänge, ins Kloster gehen, erfüllte Frank Beha mit solcher Kraft und Entschlossenheit, dass er das Ziel in weniger als drei Stunden erreichte. Ein Fingerzeig Gottes.

Das Buch zieht den Leser in seinen Bann, auch wenn nichts Spektakuläres geschieht. Das resultiert aus der einfachen aber überaus farbigen Sprache, die das Geschehen auf und um den Einödhof am Rande des Schwarzwaldes zwischen St. Georgen und Villingen so authentisch vermittelt.

... geht ins Kloster

... geht ins Kloster


Frank Beha wird in einer Idylle, aber fernab von Spielkameraden groß. Er lernt früh, allein auf sich gestellt zu sein, und genießt dies durchaus. Der Verlust der Mutter, die von der Familie fortgeht, hinterlässt ein Trauma bei ihm, das ihn ängstlich gegenüber Entscheidungen macht, sich dafür aber in Strukturen, die ihm eben selbige abnehmen, wohl fühlen lässt. Die Bundeswehr, bei der er sich nach seiner Ausbildung zum Elektroinstallateur und nach der Wehrdienstzeit als Zeitsoldat verpflicht, kommt ihm deshalb gelegen. Er fühlt sich in der dortigen Hierarchie gut aufgehoben und von der Kameradschaft angezogen. Von seinem ersten Auslandseinsatz in Mazedonien zurückkehrend, besucht er – eher um der Langeweile in der Kaserne zu entgehen – die Militärgottesdienste und kommt mit einem Militärpfarrer zusammen, der es durch seine beeindruckende Persönlichkeit versteht, den Glauben klar und deutlich zu vermitteln. Eine Exerzitienwoche in Beuron legt den Grundstein für Frank Behas Gefühl, in einem Leben mit festgelegtem Tagesablauf gut aufgehoben zu sein, und weckt die Neugier und das Verlangen nach weiterer „Geistesnahrung“. Die Militärwallfahrt nach Lourdes ist ein so einschneidendes Erleben, dass er beginnt, sich intensiver für das Klosterleben zu interessieren. Dann der Tag des besagten langen Marsches und auf ihm die wahrhaftige Entscheidung hin zu Gott und hin zu einem Leben in klösterlicher Gemeinschaft. Zuerst aber muss er noch einen Afghanistan-Einsatz absolvieren. Dieser bestärkt den Entschluss des Soldaten Beha auf besondere Weise, denn gerade der in Afghanistan überall im Alltag gelebte und praktizierte Glaube ist ihm die Bestätigung der Richtigkeit seines Handelns. Zurück in Deutschland geht es auf Probe ins Kloster, dort kommt Beha zum endgültigen Entschluss: Ich bleib‘ dann mal da.

Das Buch hat durch seine ungewöhnliche Thematik – Soldat geht ins Kloster – bereits eine erhebliche Medienpräsenz erhalten. U. a. berichteten Bild, ZDF, Südwest Fernsehen, NDR Fernsehen, n-tv, Schwäbische Zeitung, Schwarzwälder Bote, Südkurier und das Hamburger Abendblatt. Es hat das Zeug zu einem Bestseller, zeigt es doch auf eindringliche Weise, den Weg eines Menschen hin zum Glauben, hin zu Gott, und schildert nebenbei auch anschaulich das Leben und die Gepflogenheiten im Klosteralltag.

Die Interpretationen, die fast ausnahmslos darauf hinauslaufen, dass Frank Behas Wandel vom Waffenträger zum Bibelhalter aus seinen Erlebnissen als Soldat – vor allem als Soldat im Auslandseinsatz – sind, so verständlich sie erscheinen mögen, nur eine winzige Facette. Doch die Soldatenzeit war nur der Weg. Wer das Buch liest, wird erkennen, dass hier ein Berufener gerufen wurde, dass dieser Weg eine Fügung Gottes war – so wie Bruder Longinus dies auch immer wieder betont. Gerade das macht das Buch interessant und lesenswert für alle, die den Blick auch einmal nach innen wenden wollen.

Gerald Drews ist ein in Augsburg lebender deutscher Journalist, Autor, Literaturagent und Aphoristiker. „Ab morgen Mönch“ entstand in vielen Tagen gemeinsamer Arbeit, in denen Drews die Erzählungen Behas in einer anschaulichen Weise zu Papier brachte.

Verlag Pattloch

288 Seiten, 16,95 €

ISBN 3-629-02218-9

Erscheinungstermin: 21.08.2009