BSW startet Wahljahr mit Grundsatzrede zur Außenpolitik
Auch Unterstützerunterschriften sind Thema
Mit deutlich mehr als 120 Besucherinnen und Besuchern ist der erste Neujahrsempfang des Bündnis Sahra Wagenknecht BSW in Augsburg auf große Resonanz gestoßen. Hauptredner war der Politikwissenschaftler und Nahost-Experte Dr. Michael Lüders, der in einem langen, zugleich kurzweiligen Vortrag Grundlinien und Bruchstellen deutscher Außenpolitik analysierte.
Von Bruno Stubenrauch

Dr. Michael Lüders – Foto: DAZ
Unter dem Titel „Friedensangst? Warum deutsche Außenpolitik in der Ukraine ebenso scheitert wie im Nahen Osten“ zeichnete Lüders ein Bild globaler Machtverschiebungen, das er in mehreren Punkten ungewöhnlich konkret zuspitzte. So prognostizierte er, die USA würden innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre ihre wirtschaftliche Vormachtstellung sowie den Dollar als weltweite Leitwährung verlieren – unter anderem durch den wachsenden Einfluss Chinas und der BRICS-Staaten. Auch Europa werde in dieser neuen Ordnung an Bedeutung verlieren.
„Die USA werden Grönland bekommen“
Mit Blick auf die Sicherheitsarchitektur sagte Lüders voraus, dass es in der Ukraine niemals zur Stationierung europäischer Truppen kommen werde. Der Auslöser des Krieges sei aus russischer Sicht gerade die drohende NATO-Mitgliedschaft der Ukraine gewesen. Ebenso schloss er ein militärisches Eingreifen der USA im Iran aus. Teheran gehöre faktisch zur russisch-chinesischen Einflusssphäre, ein direkter Konflikt liege nicht im amerikanischen Interesse. Auch geopolitische Tabus stellte Lüders infrage: Die Übernahme Grönlands durch die USA halte er langfristig für wahrscheinlich.
Grundsätzlich kritisierte Lüders eine stark moralisierende deutsche Außenpolitik. Diese ersetze Analyse durch Haltung und erschwere realistische Diplomatie. Frieden entstehe nicht durch moralische Selbstvergewisserung, sondern durch das Anerkennen von Interessen, Machtverhältnissen und historischen Ursachen. Entsprechend plädierte er für Deeskalation, Diplomatie und Völkerrecht als handlungsleitende Prinzipien.
„Demokratiehemmendes Unterschriftensammeln“
Der Empfang markierte zugleich den Auftakt des BSW Augsburg in den Kommunalwahlkampf. Erstmals will die Partei am 8. März 2026 zur Stadtratswahl antreten. Spitzenkandidat Jens Wunderwald verwies darauf, dass bei der Bundestagswahl bereits rund 5800 Augsburgerinnen und Augsburger das BSW gewählt hätten. Vielen sei jedoch nicht bekannt, dass neue Parteien in Bayern Unterstützungsunterschriften brauchen, um zur Kommunalwahl antreten zu dürfen.
Derzeit akquiriert das BSW die 470 notwendigen Unterschriften zur Zulassung seiner Wahlvorschlagsliste, von denen aber noch ein Großteil fehlt (DAZ berichtete). Die Unterschriften können nur in den Bürgerbüros der Stadt abgegeben werden. „Unabhängig von der eigenen politischen Haltung bitten wir die Bürgerinnen und Bürger um ihre Unterschrift“, sagte Matthias Schilling, Listenkandidat auf Platz zwei. „Es geht um demokratische Vielfalt und gleiche Chancen für alle politischen Akteure.“
Insgesamt kandidieren 21 Frauen und Männer aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen für den Augsburger Stadtrat. Nach eigenen Angaben zählt der Stadtverband derzeit 37 Mitglieder. Der Neujahrsempfang endete mit einer lebhaften Diskussion – ein Zeichen dafür, dass das BSW in Augsburg politisch wahrgenommen werden will und wird.