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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brechtfestival: Wie geht es weiter?

Am Mittwoch, den 16. Juli, wurden Kulturreferent Thomas Weitzel und Theaterintendantin Juliane Votteler im Augsburger Presseclub auf der Plauder-Ebene von Michael Schreiner und Kurt Idrizovic zu ihren „Baustellen“ befragt. Thomas Weitzel ließ sich dabei ein wenig in die Karten blicken, wie er seinen Job definiert.

Von Siegfried Zagler

Kulturreferent Thomas Weitzel vor dem Brechthaus

Kulturreferent Thomas Weitzel vor dem Brechthaus


Weitzel versprach ergebnisoffene und differenzierte wie transparente Abwägungsarbeit mit diskursiven Charakter. Gestaltung hat in der Kulturpolitik viel mit Moderation zu tun. Das hat man von Weitzel erwartet, deshalb bekam er von Oberbürgermeister Kurt Gribl nach den negativen Erfahrungen mit Peter Grab einen „Ruf“. Kulturpolitik könne es nicht allen Kulturschaffenden recht machen, so Weitzel. „Mithilfe eines Gesamtvergleichs werde man entscheiden, in welche Festivals die Stadt investiert und welche man dem freien Markt überlässt.“

Kulturpolitik hat auch mit Personalpolitik zu tun. Der bisherige Popkulturbeauftragte Stefan Schleifer wurde von Weitzel zum 1. Juli 2014 ins Kulturreferat beordert, wo er sich neben Querschnittsaufgaben zwischen Kulturverwaltung, städtischen Referaten und weiteren Partnern auch um die konzeptionelle Steuerung verschiedener Projekte kümmert. Dies sind neben dem Kulturentwicklungskonzept, das einen ersten Auftakt in der Zukunftswerkstatt zum Gaswerk-Gelände haben wird, auch Museumsprojekte wie das Römische Museum. Im Presseclub war zu erfahren, dass Schleifer derzeit Expertisen erstellt, wie in anderen Städten „Kulturentwicklungsprogramme“ zum Tragen kamen. – Für Stefan Schleifer wird nun Barbara Friedrichs den Titel „Popkulturbeauftragte“ zu Grabe tragen. Mit der veränderten Struktur im Kulturamt hat Friedrichs ab 1. Juli 2014 auch die Projektleitung für das Festival lab30 im Kulturhaus Abraxas sowie die Organisation des Kunstförderpreises übernommen.

Zurück zum Presseclub: Die Öffnung des Podiums brachte an diesem Abend die erste schwierige Spitze: „Wann wird der neue künstlerische Leiter fürs Brechtfestival vorgestellt?“, fragte Jürgen Kannler aus dem Publikum vergnügt in die Runde. Nach zwei Schrecksekunden war klar, dass die Frage Substanz hatte. Kulturreferent Weitzel ließ das zumindest an seiner Körperhaltung erkennen. Weder er noch Juliane Votteler ritten eine Lanze für Joachim Lang. Kannlers Frage hätte eine Steilvorlage für ein Bekenntnis zu Lang sein können, doch es sollte ein Abgesang auf die Ära Lang folgen. Ein unmissverständlicher Abgesang, der sich in der Sprache der Politik folgendermaßen anhört: „Wir werden das Konzept fürs kommende Festival besprechen, dann sehen wir weiter.“ Kannler bohrte ein wenig nach, aber Weitzel ließ sich nicht aus der Reserve locken. Allen Anwesenden war klar, was das zu bedeuten hat: Thomas Weitzel verfolgt in Sachen Brecht Pläne, die mit Langs Festivalformaten nicht korrespondieren. Apropos Lang: Bisher liegt weder ein Konzept für das kommende Festival vor noch ist das zurückliegende Festival öffentlich evaluiert worden. Die Zuschauerzahlen sind zwar bekannt, eine Kosten- Einnahmebilanz liegt allerdings noch nicht vor. Die Nach-dem-Festival-Erfahrungen der vergangenen Jahre lassen deshalb folgende Annahmen zu: Für das kommende Festival gibt es noch kein Konzept und beim zurückliegenden ist das Budget überzogen worden.