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Donnerstag, 23.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Festival

Brechtfestival steht vor der Tür — Dieses Jahr als Online-Stream-Festival

Das Augsburger Brechtfestival fällt wie alle anderen Kulturveranstaltungen wegen der Coronapandemie aus – und findet dennoch statt, nämlich als Online-Stream.

Tom Kühnel und Jürgen Kuttner (v.l.) © Fabian Schreyer/Stadt Augsburg

Brecht-Festivalleiter Jürgen Kuttner erklärte bei der Programmvorstellung am vergangenen Freitag, dass die virtuelle Ersatzform auch Chancen bieten würde. Kuttner war es in diesem Zusammenhang nicht zu platt, darauf hinzuweisen, dass das Festival heuer nun nicht mehr wie bisher ausschließlich in Brechts Geburtsstadt Augsburg erlebt werden könne, sondern „überall in der Welt“.

Für das vom 26. Februar bis 7. März dauernde Festival konnten Jürgen Kuttner und Tom Kühnel eine Reihe von bekannten Darstellern verpflichten. Corinna Harfouch ist an zwei Tagen in „Tagebuch einer Fabrikarbeiterin / Die Mutter“ zu sehen.

Lina Beckmann und Charly Hübner werden sich mit dem Briefwechsel zwischen Bertolt Brecht und seiner Partnerin Helene Weigel beschäftigen. Kuttner kündigte insgesamt etwa 25 Premieren an. Trotz der Internet-Präsentation solle das Erlebnis eines Theaterbesuchs simuliert werden.

Die aufgezeichneten Stücke würden deswegen auch nur während bestimmter Zeitfenster im Online-Stream gezeigt. Nach den Vorführungen soll es Live-Streams geben, die einen Austausch mit Darstellern ermöglichen sollen. Kuttner wird gestreamte Talkrunden aus dem Babylon-Kino in Berlin moderieren. Die Künstler sollen vorgegebene Texte und Themen filmisch dramatisieren. “Wir sind sehr gespannt, wie sie vorgeschlagenen Texte und Themen verarbeiten”, so Kuttner.“ In Augsburg, München und Berlin, in einem winzigen Ort in Brandenburg und in der ukrainischen Hauptstadt Kiew entstehen die künstlerischen Beiträge für das Augsburger Brechtfestival 2021. Augsburgs Kulturreferent Jürgen Enninger geht davon aus, dass diese so vielseitig werden, wie diejenigen, die sie erschaffen: „Wir freuen uns auf eine enorme Programmvielfalt und ein breites Interesse am Brechtfestival im gesamten deutschsprachigen Raum. Ein spannendes, neues digitales Spektakel erwartet uns”, so Enninger.

Thematisch stehen die Frauen, die mit Brecht gearbeitet haben, im Fokus des Programms: Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann, Margarete Steffin und Ruth Berlau sowie weitere Persönlichkeiten, Künstlerinnen und Frauenfiguren, die in Beziehung zu Brecht und seinem Werk stehen: Etwa Carola Neher, Marieluise Fleißer, Simone Weil und Inge Müller.

Um das Festival mitzuerleben, werden drei Dinge benötigt: ein Computer (wahlweise ein Smartphone, Tablet oder ein anderes streamingfähiges Gerät), eine stabile Internetverbindung und ein virtueller Festivalpass (12 Euro). Der Pass besteht aus einem personalisierten Code, der, einmal gelöst, Zugang zu allen Live-Streams und zur Mediathek bietet. Erhältlich ist er ab Mitte Februar online auf www.brechtfestival.de.