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Freitag, 24.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brechtfestival: Mackie Messer zum Mitsingen

Das Ensemble Modern überrascht das Augsburger Publikum mit einer mitreißenden konzertanten Interpretation der Dreigroschenoper

Von Halrun Reinholz

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Dreigroschenoper konzertant und ohne Kitsch und Schnörkel: das Frankfurter Ensemble Modern mit dem Jungen Vokalensemble Schwaben im Großen Haus


Dreigroschenoper konzertant? Angesichts der Vielfalt an Veranstaltungen zum Brechtfestival war das nicht meine erste Priorität. Doch die Neugier trieb mich doch ins Große Haus, wo H(einz) K(arl) Gruber mit dem Frankfurter Ensemble Modern und dem Jungen Vokalensemble Schwaben einen schnellen Parcours durch Brechts wohl bekanntestes Werk dirigierte. Die Produktion war für die Salzburger Festspiele entstanden und wurde 1999 auch auf CD aufgenommen. Seit 2000 tourt HK Gruber mit seinen Künstlern durch die Lande – aber von Überdruss ist nichts zu spüren. Frisch und routiniert wirkten die Musiker, allen voran der Dirigent, der auch die Gesangspartien des Peachum übernommen hatte. An seiner Seite Mrs. Peachum ( Anke Vondung) sowie Michael Laurenz als Macheath zwischen Polly (Ute Gfrerer) , Jenny (Sona McDonald) und Lucy (Winnie Böwe). Der Schauspieler Hannes Hellmann erzählte die Handlung der Oper linear anhand der dargebotenen Songs. Zwar litt dadurch die Vielschichtigkeit des originalen Geschehens und viele Aspekte fielen unter den Tisch, doch die zwischenmenschlichen Verwicklungen kamen über die Lieder deutlich zur Geltung. Mit Witz und Spielfreude zogen die hervorragenden Sänger alle Register ihres Könnens und das in Augsburg wohlbekannte Junge Vokalensemble unter der Leitung von Andrea Huber gab den passenden Hintergrundchor dazu. Eineinhalb Stunden Dreigroschenoper ohne Kitsch und Schnörkel gaben dem Zuschauer das Gefühl, die sehr bekannten Songs von Brecht mit der Musik von Kurt Weill quasi als Konzentrat  ganz neu und ursprünglich zu hören. Das lag sicher auch an der Begeisterungsfähigkeit des Teams und vor allem des Dirigenten. Als Zugabe gab es noch einmal die Ballade von Mackie Messer – für alle zum Mitsingen.

Ein klarer Beweis dafür, dass es im Theater nicht immer auf aufwendige Inszenierungen ankommt.

Foto: Nina Hortig (Brechtfestival)