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Dienstag, 23.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brechtfestival: Joachim Lang stellt Programm 2015 vor

Im gestrigen Kulturausschuss stellte Festivalleiter Joachim Lang das Programm für das kommende Brechtfestival vor. Der Ausschuss nahm es zustimmend zur Kenntnis. – Anschließend schoss Verena von Mutius scharf und nach Recherchen der DAZ steht eine spannende Frage im Raum: Handelt es sich bei den „Reisen des Glücksgotts“ tatsächlich um ein Textfragment, das noch nie aufgeführt wurde?

Joachim Lang: Bleibt er über 2015 hinaus Festivalleiter?

Joachim Lang: Bleibt er über 2015 hinaus Festivalleiter?


Joachim Lang hielt sich kurz, ohne dabei auf Superlative zu verzichten: „Thomas Thieme ist der wichtigste deutsche Theaterschauspieler“, „Klaus Peymann ist einer der führenden Theatermacher“. Beide gestalten die vermeintlichen Höhepunkte des kommenden Festivals, das am Donnerstag, den 29. Januar mit einem Preopening im Theaterfoyer beginnt (Schüler spielen Szenen aus „Furcht und Elend des III. Reiches“) und einer Neuinszenierung („Leben des Galilei“) mit Thomas Thieme und einem Augsburger Kinderchor eröffnet wird.

Zum Schluss des Festivals (10. Februar) soll nach Thiemes Galilei das zweite Highlight folgen, nämlich das zweimalige Gastspiel des Berliner Ensembles „Mutter Courage und ihre Kinder“ (9. und 10. Februar). Künstlerisch dafür verantwortlich ist eine deutsche Theaterlegende: Klaus Peymann, Jahrgang 37, sein Leben lang ein erstklassiger Regisseur und Provokateur.

Dazwischen gibt es das Festival-Repertoire, also Jan Knopf („Brechtsprechstunden“), Festivaltalks, die lange Brechtnacht mit Peter Licht und Elektropop, Christl Peschke und Geoffrey Abott, eine Inszenieurng des Augsburger Ensembletheater („Schwarze Liste“) und die übliche Rarität („Die Reisen des Glücksgotts“), ein Brecht-Fragment aus den 40er Jahren, dessen Inszenierung im Rahmen des Brechtfestivals Lang dem Kulturausschuss als „Uraufführung“ ankündigte, obwohl  das Fragment bereits 1997 unter der Regie von Britta Geister uraufgeführt wurde.

Möglicherweise ein richtiger Knaller: Die Premiere des Stadttheaters am Samstag, den 7. Februar („Heilige Johanna der Schlachthöfe“). Und natürlich dürfen die Unvermeidlichen nicht fehlen: Eine Produktion der Bluespots Production (Reise ins Exil) gehört auch zum Programm wie ein Konzert der Augsburger Philharmoniker (zweimalig). Neben der Neuinszenierung des Stadttheaters könnte der „Exil-Abend“ herausragend sein: Brechts Journalaufzeichnungen aus dem Exil stehen dabei im Mittelpunkt. Die szenische Inszenierung findet am 1. Februar im Großen Haus statt, mit Darstellern wie Angela Winkler, Max Hopp und Burghart Klaußner. Das gesamte Programm erscheint im Dezember (selbstverständlich auch online).

Nach der Programmvorstellung wurde Lang von der Grünen Stadträtin Verena von Mutius angesprungen. Das Ganze sei kein Konzept, sondern eine Aneinanderreihung verschiedener Veranstaltungen, die Brechts Biografie abarbeiten würden, aber keine Matrix beinhalten würden, wie mit Brecht heute zu verfahren sei. Es fehle ein Überbau, es gebe keine Entwicklung, so von Mutius. Lang wehrte sich mit einer herablassenden Bemerkung: „Tempo 30 war zu Brechts Zeit noch kein Thema.“ Ob Joachim Lang, dessen Vertrag mit der Stadt mit dem kommenden Festival endet, weiterhin künstlerischer Leiter des Festivals bleibt, ist derzeit offen. Joachim Lang würde gern weitermachen, Kulturreferent Thomas Weitzel hat grundsätzlich andere Pläne für ein Brechtfestival.

Die beiden Fraktionsvorsitzenden von CSU und SPD scheinen sich aber auf Konfrontationskurs gegen den Kulturreferenten zu befinden, indem sie auf den Koalitionsvertrag pochen. In diesem heißt es wörtlich: „Das Brechthaus soll inhaltlich fortentwickelt werden. Eine weitere Verpflichtung des Brechtfestival-Leiters um drei Jahre wird angestrebt.“ Letzteres ist weder im Wahlprogramm der SPD noch der CSU zu finden. Nach Informationen der DAZ haben sich Karl-Heinz Schneider (SPD) und Bernd Kränzle (CSU) im Frühling während der Koalitionsgespräche im Alleingang auf diese Formel geeinigt.