DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 04.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brechtfestival: Es könnte interessant werden!

Nach den auf Vermittlung und Belehrung ausgerichteten “Brechtfestivals” unter der Leitung von Joachim Lang weht in Sachen Brecht ein frischer Wind durch Augsburg. Das neue Brechtfestival unter der künstlerischen Leitung von Patrick Wengenroth zielt offenbar auf neue Rezeptionsaspekte und eine neue Herangehensweise an Bertolt Brechts Werk ab.

Welche Relevanz hat Bertolt Brechts Werk angesichts der uns umtreibenden gesellschaftlichen Fragen? Welche unvermuteten Entsprechungen gibt es zwischen seinem politischen Denken, seiner Theaterästhetik und einer immer komplexer werdenden Gegenwart? Das Brechtfestival 2017 (3. bis 12. März) hat sich offenbar vorgenommen, den Dramatiker und sein Werk mit aktuellen Debatten aufzuladen. Das zeigen bereits einige Schwerpunkte aus dem Programm, zu dem sich namhafte Gäste wie die Schauspielerin Eva Mattes und die Autorin Laurie Penny ankündigen.

Gleich zu Beginn des Festivals wird ein Gastspiel aus Berlin die Frage „Was ist ein guter Mensch?” beleuchten. Die gefeierte Inszenierung „Der gute Mensch von Downtown“ des Theaters RambaZamba variiert mit lockerer Hand Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan” und lässt sich dabei von alten Quellen und neuen Katastrophen inspirieren. In der Rolle eines Erzengels steht die Theaterschauspielerin und Tatort-Kommissarin Eva Mattes mit einem Ensemble von Menschen mit Down-Syndrom auf der Bühne. RambaZamba gehört zu den bekanntesten Inklusionstheater-Ensembles im deutschsprachigen Raum.

„Wir machen Theater mit Menschen mit einer anderer geistigen Ordnung”, so die Gründerin und Regisseurin Gisela Höhne. Sie spricht absichtlich nicht von Menschen mit Behinderung und fordert von der Politik selbstbewusst den Status eines Staatstheaters für RambaZamba – ein Signal für die Bedeutung und immense Dynamik, die kreativ und politisch von dieser Theaterform ausgeht.

Ganz direkte Bezüge zu heutigen Gesellschaftsdiskursen stellt auch der Themenschwerpunkt Feminismus-Chauvinismus im Rahmen des Brechtfestivals her. Die Autorin und Journalistin Laurie Penny („Fleischmarkt“, „Unsagbare Dinge”), die als eine der wichtigsten Stimme des jungen Feminismus in Großbritannien und Deutschland gilt, wird Auszüge ihrer Texte vorstellen und im Anschluss mit Meredith Haaf über brennende Frauen-, Männer- und Genderfragen vor dem Hintergrund von Brechts Denken und Werk diskutieren.

Meredith Haaf arbeitet als Journalistin unter anderem für Neon, Missy Mag und das Süddeutsche Zeitung Magazin und ist Co-Autorin von „Wir Alphamädchen: warum Feminismus das Leben schöner macht“. – Im Provino Club wird schließlich das Thema Feminismus-Chauvinismus mit dem Gastspiel von GAP, einem „performativen Tryout“, von der theatralen Seite reflektiert. Das Hamburger-Frauen- Performance-Kollektiv Genderdungeon II unternimmt zusammen mit der Regisseurin Ute Rauwald den Versuch, Kafkas Erzählung „Heimkehr“ neu und „feministisch” zu interpretieren. Weitere Informationen zum Programm werden von dem Festival sukzessive veröffentlicht: auf der Website des Festivals und auf den Social Media Kanälen: www.brechtfestival.de, facebook: @brechtfestival, Twitter: @BrechtfestivalA.

Das Foto zeigt eine Inszenierung des Theaters Ramabazamba: „Der gute Mensch von Downtown“ (c) Melanie Bühnemann