DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 03.08.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Brecht-Lehrstück in der Bundesliga: FCA könnte Weinzierl auf Schalke stürzen

Gewinnt am kommenden Sonntag der FC Augsburg auf Schalke, darf man unverblümt davon sprechen, dass das Duo Heidel/Weinzierl gescheitert ist. Langsam müsste es nämlich den Verantwortlichen in Gelsenkirchen dämmern, dass sich die Erfolgsphänomene der kleinen Provinzen nicht in die große Provinz übersetzen lassen.

Von Siegfried Zagler

RB Leipzig als Systemfehler erkannt: Choreographie der Augsburger Ultras

Brecht'sche Dialektik in der Bundesliga: Choreographie der Augsburger Ultras


Die Fußballbundesliga bestätigte am 23. Spieltag eine schlichte Prognose bezüglich der Deutschen Meisterschaft: Niemand wird verhindern können, dass die Münchner im Mai 2017 zum 26. Mal in ihrer Klubgeschichte die Meisterschale in Empfang nehmen können. Damit wären die Bayern zum 5. Mal in Folge Deutscher Meister, und dies zum 5. Mal mit großem Abstand auf den Zweitplatzierten. Langweiliger kann ein Wettbewerb um die Spitze kaum sein!

Die Spannung bezüglich der Tabellenplätze, die für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren, beginnt sich ebenfalls zu verflachen. Für die Champions League-Plätze kommen neben den Münchnern nur noch Leipzig, Dortmund und Hoffenheim in Frage. Hochspannung dagegen im Kampf um die Plätze, die für die Europa League qualifizieren. Für zwei Plätze kommen noch sieben, acht Mannschaften in Frage, da man durchaus damit rechnen darf, dass die beiden derzeitigen Platzhalter Berlin und Frankfurt nicht stabil genug sind, um ihre aktuelle Platzierung behaupten zu können.

Ein heißer Anwärter auf die Europa League bleibt Bayer Leverkusen, die trotz der 2:6 Klatsche in Dortmund mit 30 Punkten noch im Rennen sind. Mit Roger Schmidt stellte Bayer nach dem Dortmundspiel einen Trainer frei, der zu den wirklich guten seines Fachs gehört und hoffentlich bald wieder die große Bühne betritt. Auf Schalke könnte nämlich bald ein guter Trainer gebraucht werden.

Am kommenden Wochenende müsste Schalke 04 nur deutlich gegen den FCA verlieren, um sich ohne Wenn und Aber für den Abstiegskampf warm machen zu müssen. Der FCA liegt nach dem 23. Spieltag mit 28 Punkten in der Tabelle einen Punkt vor Schalke, deren Führungskräfte langsam verstehen sollten, dass sich Erfolge in der kleinen Provinz nicht so einfach auf die große Provinz übertragen lassen. Nach dem Scheitern Breitenreiters steht nun Markus Weinzierl zusammen mit Manager Heidel vor einem Scherbenhaufen.

Der Kampf um die Europa League geht fließend in den Abstiegskampf über, der wohl auf einen “Relegationsvermeidungskampf” hinausläuft, da die derzeitigen direkten Abstiegsplätze mit Darmstadt und Ingolstadt von zwei Mannschaften belegt werden, die trotz guter Leistungen keine Ergebnisse einfahren. Die fünf Punkte, die sich der FCA als Polster vor dem gefährlichen 16. Tabellenplatz zugelegt hat, sind kein Ruhekissen für das letzte Drittel der Saison, da die Mannschaften hinter dem FCA durchaus in der Lage sind, ihre Heimspiele zu gewinnen, weshalb man damit rechnen muss, dass Hamburg (23), Wolfsburg (23) und Bremen (25), ja und selbst Schalke (27) noch am FCA (28) vorbei ziehen könnten.

Nicht wirklich beruhigend ist auch der Gedanke, dass diejenigen Mannschaften, die sich vor dem FCA in der Tabelle befinden, entweder zu viele Punkte haben, um noch ernsthaft in Gefahr zu kommen (Frankfurt) oder in der Tat für eine Niederlagenserie und einen möglichen Absturz, wie ihn zum Beispiel der VfB Stuttgart in der vergangenen Saison hingelegt hat, sportlich zu stabil sind, wie zum Beispiel Mainz, Köln oder Freiburg.

Am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) spielt der FCA gegen Schalke. Es handelt sich um ein “Lehrstück”, das man zu einem ausgelagerten Programmpunkt des Augsburger Brechtfestivals erklären sollte, da der Glanz und das Elend der Stadt Gelsenkirchen sich in einem Spiegel namens “Schalke” beinahe so verdichtet abbildet, wie der Untergang des Sowjetkommunismus im späten Werk von Bertolt Brecht.