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Montag, 27.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brecht-Festival im Kulturausschuss

Evaluation, neues Konzept und Kooperationsvertrag

Als vorletzter Tagesordnungspunkt standen in der montäglichen Kulturausschusssitzung die Evaluation der zurück liegenden Brecht-Festivals sowie das Konzept des künftigen Brecht-Festivals im öffentlichen Teil zur Debatte. Im nichtöffentlichen Teil des Werkausschusses drehte sich fast zwei Stunden alles um die Abstimmung des Kooperationsvertrages zwischen Festivalleitung und Theater.

Von Siegfried Zagler



Eine ernstzunehmende Evaluation des zurückliegenden Festivals fand nicht statt. Festival-Leiter Dr. Joachim Lang war zwar anwesend, aber nach einem langen Erlebnisbericht von Karl-Heinz Schneider (SPD), der „nett und lustig und mit viel Begeisterung für Brecht, aber ohne Kompetenz“ (Dimitros Tsantilas, nCSM) das Festival als „vollen Erfolg“ in seiner Eigenschaft als inoffizieller kulturpolitischer Sprecher der SPD auf der Basis seiner Besuche evaluierte, war dem Ausschuss eine größere Bereitschaft zur Bewertung des 2012er Festivals vergangen. Dabei wären die Zuschauerzahlen ein spannender Einstieg gewesen: 8.544 Besucher haben laut Brecht-Büro das 2012er Festival besucht, davon bezahlten 4.032 Eintritt. 2.846 Besucher waren bei Veranstaltungen mit freiem Eintritt zugegen und 1.374 Personen kamen in den Genuss von Freikarten; 292 Personen wurden mit Pressekarten verbucht. Von 8.544 Besuchern bezahlten somit 4.512 Personen beim Brecht-Festival 2012 keinen Eintritt.

Von 8.544 Besuchern bezahlten 4.512 keinen Eintritt

Die Frage, ob es Joachim Lang gelungen sei, Brecht den Augsburgern nicht als „trockenen Ideologen“, sondern als „gesellschaftskritischen Universalisten“, der immer ein inniges Verhältnis zu seiner Heimatstadt gepflegt habe, „näher zu bringen“, ist am Montag im Kulturausschuss nicht erörtert worden. Ein neues Brecht-Bild wollte Joachim Lang in Augsburg durch seine Brecht-Festival-Trilogie aufbauen und eben diesen neuen Brecht den Augsburgern näher bringen. Aus Langs Sicht ist diese Zielvorgabe eingehalten worden. Die abgeschlossene Festival-Trilogie, die als Überbau dafür gesorgt habe, dass man nun zum „Kern Brechts“ vordringen könne (also zu seinem Werk), sei Grundlage für die nun folgenden Brechtfestivals (bis 2015) gewesen. „Nachdem so ein neues Brechtbild gezeigt und die thematischen Schwerpunkte auch auf bisher wenig beachtete Aspekte gelegt wurden, rücken in den kommenden Festivals stärker die einzelnen Werke, gerade auch Theater und Lyrik, in den Mittelpunkt“, so Lang im Kulturausschuss über sein Festival-Konzept für die kommenden Jahre.

Die thematische Ausrichtung der zurückliegenden Festivals habe die Funktion gehabt, eine Grundlage zu schaffen und das neue Brechtbild zu zeigen. Nachdem dies mit den wichtigsten Themen erreicht worden sei, solle nun eine eine „dauerhafte Struktur“ eingerichtet werden, so Lang in seinem Konzeptpapier. Weiter heißt es: „Aufbauend auf der bisherigen Trilogie, auch deren wissenschaftlichen Erkenntnissen, soll ein Festival entstehen, dessen Konzeption in der Zukunft Bestand und wesentlichen Anteil daran haben wird, Augsburg als Brechtstadt zu stärken und zu etablieren.“

Ziel 2013: Eine Theaterpremiere mit überregionaler Resonanz

"Theater und Lyrik rücken in den Mittelpunkt": Festivalleiter Dr. Joachim Lang

"Theater und Lyrik rücken in den Mittelpunkt": Festivalleiter Dr. Joachim Lang


Zentrales Kriterium sei dabei, dass das Festival einen wichtigen Platz in der deutschen Kulturszene einnehmen soll. Realisiert werden solle das mit einem vier Säulen-Konzept. Dazu gehört eine „außergewöhnliche Theaterpremiere“, die überregionale Resonanz finden solle. Zweitens ein Konzert mit klassischen oder modernen Interpreten von Brecht-Texten und drittens ein großer Abend: „Für 2013 ist zum Beispiel eine Kooperation mit Franz Wittenbrink geplant“, wie es in dem vorgestellten Konzeptpapier wörtlich heißt. Und viertens soll ein Brecht-Gastspiel einer anderen Bühne für Furore sorgen. Der Gesamtetat für das 2013er Festival soll wie gehabt bei 360.000 Euro liegen. Davon sollen 120.000 Euro über eine Haushaltsstelle des Freistaates generiert werden, ebenfalls wie gehabt 120.000 über den städtischen Haushalt, 75.000 Euro sollen bereits von der Stadtsparkasse in Aussicht gestellt worden sein und 45.000 Euro sollen über Eintrittsgelder generiert werden (cirka 32.000 Euro waren es heuer). Weitere Geldgeber sollen angefragt werden. Auch die Zusage vom Freistaat in Höhe von 120.000 Euro steht noch in den Sternen.

Grüne: Prinzip Hoffnung bei der Finanzierung

Das Theater wird 2013 zum zentralen Festivalort und wohl auch zum Veranstalter, weshalb dort eine Koordinatoren-Stelle eingerichtet werden soll. Die dafür notwendigen 24.000 Euro werden nun doch über den Gesamtetat des Theaters bewerkstelligt werden und nicht – wie bisher vorgesehen – vom Festival-Etat abgezogen. Vorgesehen ist dafür Oliver Brunner, der aktuell die Bayerischen Theatertage organisiert. Der Vertrag von Festivalleiter Joachim Lang ist nach Informationen der DAZ zu den gleichen finanziellen Konditionen der vorherigen Jahre erneuert worden. Lang erhält demnach von der Stadt jährlich 39.500 Euro plus 500 Euro Spesen pro Monat. Macht nach Adam Riese insgesamt 45.500 Euro im Jahr.

Wenig Verständnis dafür haben bereits am gestrigen Dienstag die Augsburger Grünen gezeigt: „In Zeiten knapper Kassen und der Frage, wo überall bei anderen Festivals Geld weggenommen werden kann und welche eventuell gestrichen werden müssen, ist es ein verheerendes Signal, einem einzelnen Festival mehr Geld zu geben. Ein großer Anteil der Finanzmittel fließt in die Personalausstattung und kommt der Festivalveranstaltung selber nicht zu Gute. Dies kann nicht die Konsequenz aus der Kooperation von Brechtfest und Theater sein“, so die kulturpolitische Sprecherin der Stadtratsfraktion der Augsburger Grünen, Verena von Mutius, die dem neuen Festival-Konzept aus Langs Feder nicht viel abgewinnen kann: „Es handelt sich um eine Aufzählung, an welchen Orten welche Veranstaltung stattfinden soll. Dabei werden die Kosten weiter in die Höhe getrieben, während die Einnahmenplanung auf dem Prinzip Hoffnung beruht.“ Das letzte Wort hat nun der Stadtrat.

» Die komplette Konzeption des Brecht-Festivals 2013-2015 (pdf, 37 kB)

» Kommentar: Und nun das entideologisierte Werk?