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Donnerstag, 05.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brecht-Festival: Der Lack ist ab

Kommentar von Siegfried Zagler

Als Festival-Leiter Joachim Lang mit seiner Erfolgsmeldung zum diesjährigen Brecht-Festival an die Öffentlichkeit ging, war das Festival kaum zu Ende. Der Müll war noch nicht weggeräumt, die Bühnen noch nicht abgebaut und schon erfuhr die Stadtgesellschaft, dass der große Publikumserfolg die Erwartungen der Festivalleitung mehr als übertroffen habe. Danach herrschte in Sachen Publikumserfolg beinahe 5 Monate Funkstille. Seit Freitag, 6. Juli steht nun fest, dass 10.700 Euro weniger über den Ticketverkauf eingenommen wurden als angenommen. Womit zum Ausdruck kommt, dass man mit 22 Prozent weniger zahlenden Besuchern zufrieden sein musste als angenommen wurde.

Politik der verzögerten Informationspreisgabe

Man darf sich verkalkulieren und man darf sogar an einem künstlerisch schwachen Brecht-Festival festhalten, wenn man dafür genügend politische Rückendeckung bekommt und es versteht, die Abwesenheit der überregionalen Medien auszuhalten. Man darf aber nicht darauf hoffen, dass man mit einer Politik der verzögerten Informationspreisgabe unbeschädigt davon kommt. Das gilt für Joachim Lang und für Peter Grab. „Soll etwas vertuscht werden?“, titelte die Augsburger Allgemeine unlängst. Fest steht zumindest, dass der Stadtrat im Frühjahr wesentlich differenzierter über die Fortsetzung der Brecht-Festival-Reihe hätte abstimmen können, hätte er von der finanziellen Schieflage des diesjährigen Festivals gewusst.

Lang steht nun unter genauerer Beobachtung

Letztes Jahr habe das Festival ein leichtes Plus gemacht, so versuchte Peter Grab die Reputation von Joachim Lang zu sichern. Was nichts daran ändert, dass Joachim Lang politisch unter Druck gerät, wenn er mit Steuergeldern leichtfertig umgeht. Der Lack ist ab. Das gilt für Joachim Lang, dessen größte Leistung bisher darin bestand, mit Bernd Kränzle (CSU) und Karl-Heinz Schneider (SPD) die beiden wichtigsten Augsburger Kulturpolitiker für sich zu vereinnahmen. Lang steht von nun an nicht nur bei der DAZ unter genauerer Beobachtung.

Die Opposition hätte Grab mit seinen eigenen Waffen schlagen können

Peter Grab muss man vorhalten, dass er den Augsburger Stadtrat hinters Licht führte, indem er grundlegende Informationen nicht rechtzeitig offenlegte. Informationen, die zu dem Zeitpunkt als das Brecht-Festival auf dem Prüfstand stand, möglicherweise zu einer anderen politischen Meinungsbildung geführt hätten. Peter Grab ist dafür bekannt, dass er seine Auffassung von der richtigen Politik über Zahlenwerke darstellt. Die Opposition hätte ihn somit mit seinen eigenen Waffen schlagen können. Noch ein Wort zum Festivalleiter: Da man ohnehin davon ausgehen muss, dass das Stadttheater Joachim Lang wie einen besseren „Rahmenprogrammdirektor“ ins Leere laufen lassen wird, ist zumindest damit zu rechnen, dass der künstlerische Wert des Festivals 2013 zulegt.