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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Brecht-Fest an der Kahnfahrt vor dem Aus

Das in der Augsburger Bevölkerung längst als Marke etablierte Brecht-Wochenende am Gänsbühl findet dieses Jahr nicht statt. Ob diese auf Augsburg zugeschnittene Brecht-Veranstaltungsreihe in den kommenden Jahren wieder aufgenommen wird, ist sehr ungewiss.

Kurt Idrizovic

Kurt Idrizovic


Kurt Idrizovic, der Organisator des dreitägigen Brecht-Opens, ist jedenfalls sauer auf die Stadt, weil er lange und vergeblich auf das richtige Signal gewartet habe. Idrizovic wollte ein „zuverlässiges OK“ für eine langfristig angelegte und höhere Förderung des Brecht-Wochenendes. Schließlich, so Idrizovic, mache er am Gänsbühl keine Hobbysachen, vielmehr nehme er der Stadt einen beträchtlichen Teil ihrer historischen Verpflichtung gegenüber ihrer Dichterikone ab.

Eine hochqualifizierte Brechtpflege verortet an „Brecht-kontaminierten Plätzen“ mit Theater, Musik und Gesang „sorgten in den vergangenen fünf Jahren für eine lokale Brechtrezeption auf hohem Niveau“, so Kurt Idrizovic, der gerne erwähnt, dass auf dem Gänsbühl nicht nur professionell bewirtet, sondern nahezu jedes Brecht-Genre zelebriert wurde. Wissenschaftliche Vorträge, Kabarett und Solobeiträge von ausgeprägter Klasse – wie zum Beispiel von Gisela May und Gina Pietsch.

„Mangelnde Wertschätzung meiner Arbeit“

Bisher wurde das Brecht-Wochenende mit zirka 5.000 Euro von der Stadt bezuschusst, den Rest des zirka 12.000 Euro teuren Festivals steuerten private Sponsoren und die Stadtsparkasse bei. Für die 3.000 bis 4.000 Besucher pro Brecht-Fest war der Eintritt frei.

2009 wollte Idrizovic von den üblichen Selbstausbeutungsmechanismen wegkommen und beantragte einen höheren Etat und langfristige Zusagen seitens der Stadt. Natürlich habe er dabei ein wenig mit der erfolgreichen Marke gewuchert, so Idrizovic, „aber vergeblich“. Für Idrizovic kommt damit „die vertrauensvolle Grundlage für die Kontinuität seiner Arbeit“ ins Wanken. Die unkonkreten Aussagen von Kulturreferent Peter Grab bedeuten für ihn „mangelnde Wertschätzung seiner geleisteten Brecht-Arbeit“, so Idrizovic zur DAZ.

„Von einer Absage aus finanziellen Gründen war nie die Rede“

Brechthaus - Foto: Stefan Steinhagen


Kulturreferent Peter Grab zeigte sich gegenüber der DAZ überrascht, denn die Veranstaltung sei nicht an städtischen Zuschüssen gescheitert. „Für das Brecht-Wochenende an der Kahnfahrt war auch in diesem Jahr ein städtischer Zuschuss von 5.000 Euro eingeplant.“ Kulturamtsleiter Thomas Weitzel könne die Aussagen von Kurt Idrizovic so nicht nachvollziehen. In einem Gespräch Anfang 2009 habe Idrizovic zwar mitgeteilt, dass er das Brecht-Wochenende aus organisatorischen und logistischen Gründen nicht mehr durchführen könne. Von einer Absage aus finanziellen Gründen sei hingegen nie die Rede gewesen.

Auf Anregung von Kulturreferent Peter Grab wurde mit Einverständnis des Veranstalters versucht, die Brechtfreunde oder den Brechtkreis für eine Fortführung des Brecht-Wochenendes zu gewinnen. Jedoch sah sich keiner der Akteure organisatorisch dazu in der Lage. Übereinstimmend betonten Grab und Weitzel die Kooperationsbereitschaft der Kulturverwaltung.

„Das Kulturamt hat in mehreren Gesprächen stets seine Offenheit für neue Veranstaltungsvorschläge zum Ausdruck gebracht. Ich hoffe, dass sich – im Sinne der Augsburger Brechtpflege – diese Atmosphäre des Vertrauens wieder herstellen lässt“, so Kulturreferent Peter Grab, der gegenüber der DAZ betonte, dass er sein Interesse an der Brecht-Pflege immer wieder unter Beweis gestellt habe, unter anderem durch seinen Einsatz für die Neukonzeption des Brecht-Festivals und den Ankauf des Brecht-Nachlasses vor wenigen Wochen (die DAZ berichtete).