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Mittwoch, 04.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bluespots beim Brechtfestival: Svendborger Gedichte zweisprachig

Auch in diesem Jahr war die Gruppe Bluespots Productions wieder dabei beim Brechtfestival. Und auch diesmal hatten sie etwas Besonderes im Gepäck: Brechts Svendborger Gedichte in Kooperation mit dem dänischen Baggardtteatret in zwei Sprachen.

Von Halrun Reinholz

Leif Eric Young, Sören Huss, Jens Gotthelf (c) bluespot productions

Im märchenhaften Ambiente des Parktheaters singen sie von Heimatlosigkeit und Krieg: Zunächst rezitiert der Augsburger Schauspieler Leif Eric Young ein Brecht-Gedicht, das von Jens Gotthelf auf dänisch wiederholt wird. Doch es bleibt nicht dabei, der Däne kommentiert, statt das übersetzte Gedicht zu sprechen, das Publikum erfährt durch die Übertitel die Reflexionen zu Krieg, Emigration und die aktuellen politischen Bezüge.

Es ist ein einzigartiges Projekt, das sich der Bluespot-Leitern Petra Leonie Pichler bot und das sie mit großer Ernsthaftigkeit anging. Bei einer Erkundungsreise nach Svendbvorg, Brechts Exilort in Dänemark, nahmen die Künstler die Atmosphäre des Ortes und des strohgedeckten Hauses auf, in dem Brecht sechs Jahre verbrachte (ohne übrigens Dänisch zu lernen!) und von wo er bang die Nachrichten aus Deutschland aufnahm und darüber Verse schrieb, politische Kommentare zu den „finsteren Zeiten“, zum Leben in der Diktatur und Befürchtungen zum nahenden Krieg.

Die Svendborger Gedichte wurden 1939 in Dänemark veröffentlicht – auf Deutsch. Durch die Zusammenarbeit mit dem dänischen Baggardteatret („Hinterhoftheater“) ergab sich die Chance, die Gedichte ins Dänische zu übersetzen und szenisch auf die Bühne zu bringen. Die Brecht-Erben erlaubten Zwischentexte und der Däne Sören Huss vertonte einige der Gedichte. Dieser Mix wurde mal deutsch, mal dänisch, mit oder auch ohne Übertitel auf die Bühne gebracht. Die daraus generierte Dichte ist zu einem ganz wesentlichen Teil auch der Lichttechnik zu verdanken: effektvoll, ohne sich aufzudrängen, verlieh sie den Wörtern und Tönen Nachdruck. Das hätte man sich allerdings auch für die Tontechnik gewünscht: Trotz Mikro waren die Texte oft nur schlecht zu verstehen. Dennoch: Ein Highlight des Brechtfestivals.