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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Bistum Augsburg: Ehe für alle bedeutet Auflösung des staatlichen Ehebegriffs

Die katholische Kirche in Augsburg mischt sich in die Politik ein und gibt eine Erklärung zur „Ehe für alle“ ab. Darin problematisiert der Diözesanrat der Diözese Augsburg besonders das politische Selbstverständnis der Unionsparteien.

Bistum Augsburg

Bistum Augsburg


Der Diözesanrat der Diözese Augsburg wendet sich gegen die Veränderung des Ehebegriffs durch die geplante Einführung der „Ehe für alle“. „Mit Sorge sehen wir insbesondere das Aufgeben der bislang klaren Position der Unionsparteien sowie die Ausweitung des Adoptionsrechts“, heißt es in einer Stellungnahme des Bistum Augsburg. Nachdem Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel erklärte, bei der Entscheidung für oder gegen die „Ehe für alle“ im Bundestag den Fraktionszwang aufzulösen, betrachten die Augsburger Katholiken die kategorische Absage der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der „Zivilehe“ durch die Unionsparteien als „erledigt“.

Alle Menschen sind ein Abbild Gottes, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Augsburg erklärt dazu: „Als Christen betrachten wir jeden Menschen als geliebtes Geschöpf und Abbild Gottes, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Der Respekt und die Liebe zu allen Menschen ist Prinzip jedes christlichen Denkens und Handelns. Ausgrenzungen werden wir stets entgegentreten. Das Verständnis der Ehe als lebenslange Bindung von Mann und Frau sowie als optimale Grundlage für die Bildung einer Familie durch die Zeugung und Erziehung von Kindern gehört zu den Selbstverständlichkeiten des Menschseins und ist Grundlage von Artikel 6 des Grundgesetzes.“

Die Auflösung des staatlichen Ehebegriffs und der Wechsel von der Ehe zwischen Mann und Frau als „Markenkern“ der Union zur „Gewissensfrage“ der Abgeordneten sei ein so tiefgreifender Schritt, dass er nicht im Schnellverfahren abgehandelt werden dürfe. „Wir fordern alle Katholiken auf, sich unmissverständlich für die staatliche Gewährleistung von Artikel 6 des Grundgesetzes einzusetzen, so wie er zweifelsfrei im Sinne der Verfassungsväter festgelegt wurde“, heißt es abschließend in der Erklärung.

Ehe für alle ist Populismus und ein Angriff auf den Kern unserer Gesellschaft

Bischöflicher Sitz: Der Dom zu Augsburg (c) DAZ

Bischöflicher Sitz: Der Dom zu Augsburg (c) DAZ


Eine härtere Gangart schlägt der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg an. Die erzkonservative Vereinigung zielt unverblümt darauf ab, dass Katholiken im Bistum Augsburg die Bundestagsabgeordneten beeinflussen sollen: „Der Familienbund ruft dazu auf, für den besonderen Schutz der Ehe von Mann und Frau einzutreten und den Abgeordneten bei der Gewissensentscheidung am kommenden Freitag zu helfen.“ – Wenn die Ehe für alle Formen des Zusammenlebens geöffnet werde, würde sie de facto abgeschafft. „Hier soll offenbar das, was unsere Gesellschaft im Innersten ausmacht, uminterpretiert werden“, sagt Pavel Jerabek, Diözesanvorsitzender des Familienbundes.

Hintergrund der Katholikenmobilisierung ist ein Wahlkampfmanöver der SPD, die die „Ehe für alle“ als Thema zur Profilschärfung links der Mitte entdeckt hat. Um das Thema aus dem Wahlkampf zu nehmen, solle nun am kommenden Freitag im Bundestag über die Gleichstellung der Ehe homosexueller Paare abgestimmt werden. Der Rechtsausschuss des Bundestages hat heute mit 20:19 dafür gestimmt, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen.

In dieser Angelegenheit gibt es wohl eine knappe Rot-Rot-Grüne Mehrheit im Bundestag. Politische Beobachter in Berlin werten die anvisierte Abstimmung als ersten Testlauf für eine Rot-Rot-Grüne Koalition, die nach der Bundestagswahl im September möglich wäre.



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