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Freitag, 21.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Bischof Mixa bedauert Merkel-Forderung an Papst

Der Bischof von Augsburg, Dr. Walter Mixa, hat die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem weitergehenden klärenden Wort des Papstes zur Holocaust-Leugnung des Traditionalisten-Bischofs Williamson als „politischen und diplomatischen Fehlgriff“ bedauert und mehr Sensibilität in kirchlichen Angelegenheiten gefordert.

Papst Benedikt hatte vor kurzem die vor 20 Jahren erfolgte Exkommunikation des Bischofs Richard Williamson aufgehoben. Unabhängig davon hatte Williamson in einem im Januar geführten Interview den Holocaust geleugnet und erklärt, es gebe Beweise, dass niemand während des Dritten Reichs vergast worden sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte gestern wörtlich gesagt, sie wolle „vom Papst eindeutig klargestellt haben, dass es hier keine Leugnung geben kann“.

„Die Haltung des Papstes zum Thema Holocaust und seine unverbrüchliche Sympathie für die Juden als die älteren Brüder der Christen ist sehr deutlich ausgedrückt worden. Diesbezüglich benötigt der Heilige Vater keinen Nachhilfeunterricht der deutschen Regierungschefin“, sagte Mixa. In Angelegenheiten der Katholischen Kirche und des Papstes würde man sich von einer deutschen Regierungschefin mehr Sensibilität wünschen. „Die Aufhebung der Exkommunikation gegen den widerrechtlich geweihten Traditionalisten-Bischof Williamson steht in keinem Zusammenhang mit den abwegigen und empörenden Äußerungen des Engländers zum Holocaust, die von keinem vernünftig denkenden Katholiken geteilt werden“, betonte Bischof Mixa. Wer etwas anderes konstruieren wolle, dem gehe es in Wahrheit um eine Beschädigung des öffentlichen Ansehens der Kirche.

Inzwischen hat der Vatikan Bischof Richard Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufgerufen. Dies teilte der Heilige Stuhl gestern in einer Pressemitteilung mit.

Hintergrund: Exkommunikation



Die Exkommunikation von Bischof Richard Williamson geht bis auf die 70er Jahre zurück. Damals war der Priesterbruderschaft „Confraternitas Pius X“ des ehemaligen Erzbischofs von Dakar, Marcel Lefebvre, die kirchenrechtliche Legitimation entzogen worden. Trotz des päpstlichen Verbotes hatte Lefebvre im Jahr 1988 Williamson zum Bischof geweiht. Dies führte zur Exkommunikation von Williamson und Lefebvre. Die Exkommunikation ist eine Kirchenstrafe. Exkommunizierte sind nicht berechtigt, die Sakramente zu empfangen, außerdem dürfen sie kein kirchliches Amt ausüben. Die Exkommunikation kann – wie im Fall Williamson – auch wieder aufgehoben werden.