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Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bewegte Bilder aus 20.000 Metern Höhe

Vier Studierende des Amateurfunk-Teams der Hochschule Augsburg wurden am 1. Juni für ihre viermonatige Projektarbeit belohnt: Sie starteten einen sogenannten Stratosphären-Ballon, dessen Aufstieg über dreieinhalb Stunden lang live mitverfolgt werden konnte.

Stratosphärenballon beim Abstieg: oben ist die zerplatzte Ballonhülle zu sehen

Stratosphärenballon beim Abstieg: oben ist die zerplatzte Ballonhülle zu sehen


Auf Amateurfunk-Frequenzen konnten auch andere Funkfaszinierte an dem Spektakel teilhaben. Das Resultat sind atemberaubende Fotos, die zum Teil bereits die Erdkrümmung zeigen, sowie ein Video vom Flug zum Rande des Universums. Startplatz war der Bundeswehrstandort Altenstadt. Die eigentliche Herausforderung stellt laut Prof. Reinhard Stolle dabei nicht der Ballon dar, da dieser recht günstig kommerziell erhältlich ist. Vielmehr gehe es darum, die Nutzlast bei möglichst geringem Gewicht mit so vielen spannenden Funktionen auszustatten wie nur möglich. Die Studierenden Adrian Fischer, Markus Krah, Florian Limmer und Alexander Schwer aus dem 6. Semester im Bachelorstudiengang Elektrotechnik konnten den Styropor-Träger ihres Ballons mit einer HD-Kamera, einer HD-Videokamera, einem Datenlogger, einem GPS-Empfänger sowie einer APRS-Bake (Automatic Packet Reporting System) bestücken. Mit diesem auf Amateurfunk-Frequenzen sendenden System konnte die Position des Ballons einschließlich seiner Flughöhe im Netz live mitverfolgt werden. Darüber hinaus war die Kennung der Bake von Funkamateuren im Umkreis von 400 Kilometern zu hören.

Ausgestattet mit spannenden Funktionen

Erfolgreiche Landung: vier Studierende der Hochschule Augsburg haben einen Stratosphären-Ballon bis auf 20.000 Meter Flughöhe geschickt

Erfolgreiche Landung: vier Studierende der Hochschule Augsburg haben einen Stratosphären-Ballon bis auf 20.000 Meter Flughöhe geschickt


Über eine Dauer von dreieinhalb Stunden verlief der Ballonflug überwiegend planmäßig, wenngleich es zu Beginn nicht danach aussah: Der neu angeschaffte Ballon hatte gleich zwei Löcher. Er konnte kurzerhand durch zwei am Startplatz Bundeswehrstandort Altenstadt verfügbare kleinere Ballone ersetzt werden. Wie geplant erfolgte damit der Aufstieg bis zum Zerplatzen eines der beiden Ballone in einer Höhe von 20.000 Metern. Für den verbleibenden Ballon wurde damit die Nutzlast zu schwer: Der Moment des Abstiegs war gekommen. Am Ende des Tages konnte der Ballon auf einer Wiese etwa 90 Kilometer nordöstlich von München geborgen werden. Der noch am Ende der Nutzlast schwebende intakte Ballon vereinfachte schließlich das Auffinden.

Zukunftsvision: Ballon als Kommunikations-Satellit

Eine aus funktechnischer Sicht besonders reizvolle Zukunftsvision wäre laut Prof. Reinhard Stolle die Integration eines Repeaters an Bord der Nutzlast, der dann von Funkamateuren wie ein Kommunikations-Satellit genutzt werden könnte. Der Ballon ließe sich dafür auch so auslegen, dass er auf der Zielhöhe stehenbleibt und nicht zerplatzt. Durch Luftströmungen in der Stratosphäre wären Erdumrundungen möglich.

» Amateurfunkstation der Hochschule Augsburg DF Ø HSA

» Fotos und Video vom Flug in Richtung Universum

Bildquelle: Amateurfunkstation der Hochschule Augsburg DF Ø HSA