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Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bert Brecht im Bücherbus – Sternstunden der kulturellen Bildung

Noch bevor das erste Brechtfestival unter Leitung von Patrick Wengenroth zu Ende geht, steht fest, dass die ganz kleinen Festivalbesucher die großen Gewinner waren. Anstatt die Schulbank zu drücken, durften sechs Schulklassen aus den Stadtteil-Grundschulen Hochzoll, Herrenbach, Hammerschmiede, Hochfeld und Centerville in den Brecht-Bücherbus einsteigen und bekamen in der Bibliothek auf Rädern ein Programm geboten, das sie Bert Brecht nicht nur entdecken, sondern auch ins Herz schließen ließ.

Von Udo Legner

(c) brechtfestival

(c) brechtfestival


Das Rezept für diese Sternstunden der kulturellen Bildung im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals ist so einleuchtend wie naheliegend. Als Zutaten nehme man möglichst Theaterprofis, die sich der Brechtpflege (nicht nur zu Festivalzeiten) schon lange verschrieben haben und dazu eine Grafikerin, die es schon öfter geschafft hat, Produktionen des Brechtfestivals („Reise ins Exil“, Inszenierung der Bluespots Production 2015) oder den Aktivitäten des Bert Brecht-Kreises (aktueller Schulwettbewerb  „Erste Liebe“)  durch das Design ihrer Flyer und Plakate eine besonders „brechtige“ Note zu geben. Die Rede ist hier natürlich von den beiden Akteuren des Faks Theaters, Karla Andrä und Josef Holzhauser sowie der Illustratorin Nontira Kigle. Dieses Trio machte sich bereits im Herbst daran, witzige Lehrgedichte, lustige und nachdenkliche Texte auszuwählen und so zu arrangieren und zu gestalten, dass die wichtigen Themen und Stationen des Augsburger Stückeschreibers spannend, poetisch und kindgerecht als mobiles Kinderprogramm vermittelt werden konnten.

Großes Kino im mobilen Kinderprogramm

Wie in „Onkel Ede hat einen Schnurrbart“, dem Brecht Kinderstück des Fakstheaters, wurden die Texte in der Vertonung von Josef Holzhauser auf die kleine Bücherbus-Bühne gebracht und Karla Andrä ließ mit Hilfe der acht projizierten Comicgrafiken von Nontira Kigle die Person Bert Brecht für die Schulkinder lebendig werden. Fast wie im Kino kamen sich die Schulkinder vor, denen Bert Brecht vorgeführt wurde, wie er in den Bücherbus einsteigt oder wie er auf dem Plärrer auf dem Karussell durch die Luft saust. Als Kontrast hierzu wirkten die Texte und Comics, die Bert Brecht auf der Flucht zeigten oder wie er nach seiner Rückkehr aus dem Exil vor den Trümmern seiner Heimatstadt stand.

Das Projekt „Bert Brecht im Bücherbus “ wurde in Kooperation mit der Stadtbücherei Augsburg und dem Förderprogramm SchulePlus der Fachstelle Schulentwicklung und Bildung realisiert. Bleibt zu wünschen, dass der Bücherbus auch nach Ende des Festivals weiter durch die Brechtstadt tourt (erste Anfragen Augsburger Schulen liegen bereits vor) und so dem Brechtfestival und dem Augsburger Stadttheater auf lange Sicht neue Zuschauer zuführt.