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Montag, 17.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Beerdigung erster Klasse für das Biennale-Konzept

Kommentar von Siegfried Zagler

Peter Grabs Biennale-Konzept war bereits nach dem Hearing am 14. September gestorben. Gestern wurde es im Kulturausschuss beerdigt. Damit ist das Grab-Konzept ohne Wenn und Aber gescheitert. Mit der Formulierung (“Die vom Kulturreferat angestoßene Diskussion zur Zukunft der Augsburger Veranstaltungsreihen soll (…) weitergeführt werden”) hat der Kulturausschuss dem Kulturreferenten immerhin den kleinstmöglichen Gesichtsverlust für das Scheitern seiner Idee zugestanden, was aber nichts daran ändert, dass der Fachausschuss das so genannte Biennale-Konzept in Schall und Rauch aufgelöst hat – und Peter Grab eine empfindliche politische Niederlage hinnehmen musste. Grab hat stets darauf Wert gelegt, dass er sein Konzept als Diskussionspapier ansehe und er sich freuen würde, wenn man mit “welcher Modifizierung auch immer zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen könnte.” Das Grab-Konzept ist nicht modifiziert, sondern in Bausch und Bogen zurückgewiesen worden. Zurecht! Auch wenn die Argumente der politischen Gegner (und der Festivalleiter) genauso wenig überzeugen konnten wie die Argumente Grabs.

Das wird nicht ohne Schmerzen und Tabubrüche über die Bühne gehen

Eine öffentliche kulturpolitische Diskussion mit Substanz über die “Quadratur des Kreises” fand erst gestern im Kulturauschuss statt und man muss in diesem Zusammenhang von einer Sternstunde des Ausschusses sprechen, da dieser seiner politischen Verantwortung gerecht wurde und sich offensichtlich durch die Konzept-Behauptung Grabs daran erinnerte, dass weder für die mit städtischen Steuergeldern geförderten Veranstaltungsreihen noch für das Stadttheater und andere kulturellen Einrichtungen der Stadt eine politische Legitimation besteht, die darüber hinausgeht, dass das in der Vergangenheit Entstandene weitergeführt werden soll oder (je nach Kassenstand) eben nicht. Kulturpolitik muss sich aus gesellschaftlichen Notwendigkeiten heraus begründen, womit gesagt sein soll, dass man zuerst begreifen muss, in welcher Situation man sich befindet und sich darüber verständigen muss, wohin man sich mit dem Gegebenen hinentwickeln möchte. Kulturamtsleiter Thomas Weitzel hat das gestern so nicht gesagt, aber er hat es so gemeint. Ein Gedanke ist noch kein Konzept, auch wenn man damit Geld einzusparen vorhat. Die Abwehr des Biennale-Papiers hat in einem ganz anderen Sinn, als es der Kulturreferent beabsichtigte, die Sinne geschärft. Die Stadt Augsburg steht – dafür hat der Kulturausschuss gestern die Weichen gestellt – vor einem radikalen kulturpolitischen Entwicklungsprozess. Das wird nicht ohne Schmerzen und Tabubrüche über die Bühne gehen.