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Montag, 29.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kommentar: Bayerns Uhren gehen nicht mehr anders

Die CSU ist trotz aktuell hervorragender Wirtschaftwerte im Freistaat vom Souverän abgewatscht und somit zu einer normalen Volkpartei, die sich nach Wahlen um Koalitionäre zu bemühen hat, zurechtgestutzt worden. Erklärungen dafür müssen nicht im Kaffeesatz gesucht werden. Stoibers quälender Niedergang, Transrapid, Landesbank, achtjähriges Gymnasium, Rauchverbot sowie das Rumeiern bei der Pendlerpauschale und vor allem ein zu blasses Führungsduo sowie eine Ministerriege, in der keiner durch Herausragendes auffiel, gaben den Oppositionsparteien genügend Stoff zum Zündeln, ohne dass ihre eigenen Profilschwächen auffällig geworden wären.

„Wir sind Bayern“ ist  Geschichte, und es ist plötzlich fraglich geworden, ob eine dergestalt gebeutelte CSU in der kommenden Bundestagswahl die 5%-Hürde stemmt. Die bayerische Landespolitik ist gestern Abend in der Normalität angekommen, dennoch wäre es falsch von einem politischen Wendepunkt zu sprechen. Bayern hat nicht „bunt gewählt“. Die Zugewinne der Freien Wähler (eine Spielart der CSU) und der FDP entsprechen den Verlusten der CSU. Das ebenfalls blasse bürgerlich-konservative Spektrum ist Gewinner der Wahl, während die SPD von der schwächelnden CSU nicht im geringsten profitieren konnte. Die Bayern haben konservativ gewählt. Vermutlich konservativer als es der Rest der Republik bewertet.

Ein niederschmetterndes Ergebnis für die Sozialdemokraten, die auf ihrer verwegenen Suche nach einer Mehrheit links von der Mitte an sich selbst gescheitert sind. Aus diesem Grund wird die CSU weiterhin in der Landespolitik den Ton angeben. Wenn auch bescheidener und leiser als jemals zuvor.