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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Ballettgala: Großartige Zeugnisse der Tanzkunst

Die von Robert Conn eingeführte Ballettgala mit Gästen aus aller Welt wird zur Freude des Publikums auch unter der neuen Intendanz fortgesetzt

Von Halrun Reinholz

Foto: (c) Jan-Pieter Fuhr

Foto: (c) Jan-Pieter Fuhr


Der neue Ballettchef Ricardo Fernando erweist sich als guter Netzwerker mit internationalen Kontakten, nutzt aber auch die Gelegenheit, die Vielfalt des hauseigenen neu entstandenen Ensembles vorzuführen. Wenn auch das Ambiente im Martini-Park nicht mit dem „alten“ Theatergebäude mithalten kann, hat dieser sich dennoch in vieler Hinsicht als praktische Spielstätte bewährt und das Ballettpublikum trotz hoher Eintrittspreise angelockt.

Die Ballettgala hat sich seit ihrer Einführung als Publikumsmagnet schlechthin erwiesen. Durch sie erhält man einen Eindruck von der Vielfalt und Vielschichtigkeit der Sparte Tanz, der längst nicht mehr das einseitige Hupfdohlen- und Schwanensee-Image anhaftet. Namhafte Tänzer für eine (in den letzten Jahren wegen der Nachfrage zwei) Aufführungen nach Augsburg zu holen, ist nicht nur eine logistische, sondern auch eine finanzielle Herausforderung. Fernando konnte da auf das bereits vorhandene Sponsoren-Netz zurückgreifen, über das sein Assistent Armin Frauenschuh seit der Ära Conn verfügt. Und wenn da etwas dazwischen kommt, müssen, wie Frauenschuh in der Moderation bekannte, „die Drähte in die Tanzwelt“ kurzfristig heiß laufen. So geschehen mit den bereits angereisten Gästen vom Holländischen Nationalballett, wo sich der weibliche Part Anna Ol bei der finalen Bühnenprobe verletzte und der Programmpunkt (Pas de deux aus „Esmeralda“) wegfiel. Als „Einspringer“ kamen die Solisten vom Aalto Ballett Essen und statt Esmeralda gab es Don Quichote. Die Veranstalter hatten da tatsächlich ein Déja-vu, denn das gleiche war im letzten Jahr schon mal passiert – auch bei „Esmeralda“, die wohl in Augsburg definitiv unter keinem guten Stern steht.

Was Ricardo Fernando mit Robert Conn verbindet, ist ein charmantes, wenn auch schwer verständliches Deutsch. Die wesentlichen Informationen der Moderation kamen deshalb von Armin Frauenschuh und von dem Augsburger „Ballett-Urgestein“ Erich Payer. Dafür zeigte der Ballettdirektor gemeinsam mit seinem Assistenten eine grazile Putzeinlage nach der Darbietung der Gäste aus Ulm, die mit „Aqua“ dem nassen Element huldigten und Reste davon auf der Bühne zurückließen.

Ein guter Einfall, auch mal Gäste aus der Nachbarschaft einzuladen. Nicht nur die Ulmer waren samt Choreografen (Roberto Scafati) gekommen, die dem neuen Ballettdirektor jeweils offenbar freundschaftlich verbunden sind und von ihm explizit begrüßt wurden. Die hochkarätigen internationalen Gäste kamen aus Norwegen (die zauberhafte Kubanerin Yolanda Correa), Finnland (Eun Ji Ha und Michal Krcmar) und Kasachstan (beeindruckend: Tatyana Ten und Kazbek Akhmedyarow). Dass Fernando gut in der deutschen Theaterszene vernetzt ist, zeigen Kontakte zur Semperoper Dresden (als Gast kam der begabte Ungar Istvan Simon), zum Leipziger Ballett (Momoko Tanaka, die mit ihrem in Augsburg tanzenden Partner Shori Yamamoto auftrat) und zur Tanzcompagnie Gießen (Maria Adriana Dornio, Sven Krautwurst). Das liegt sicher auch daran, dass er selber choreografiert – und das ist ein wesentlicher Unterschied zu seinem Vorgänger. So nutzte er unter anderem damit die Gelegenheit, neue Produktionen des Hauses (Teile aus „Six Breaths“) und einzelne Tänzer seiner Compagnie vorzustellen. Marcos Novais zum Beispiel, der zu Musik von Händel tanzte. Sehr erfreut zeigte sich das Publikum auch über das Wiedersehen mit Jiwon Kim, die den Augsburgern als zauberhafte Julia in Erinnerung geblieben ist. Zusammen mit ihrem Ehemann Nikolaos Doede ist sie nun wieder Ensemblemitglied des Augsburger Theaters. Dass die Tanzwelt überschaubar – oder flexibel – ist, zeigte die Darbietung des Paares Yolanda Correa (Norwegisches Nationalballett) und Istvan Simon (Semperoper), die das Publikum gemeinsam mit dem klassischen Pas de deux aus „Giselle“ begeisterten.

Die gut dosierte Mischung aus klassichen Partien und modernen Tanzformen zeigte, dass Körpersprache einen ganz besonderen Reiz hat. Nach dieser Demonstration (und auch unter dem Eindruck der humorvollen Schwanensee-Interpretation von Ricardo Fernando) braucht sich das Augsburger Ballettpublikum keine Sorgen um den reizvollen Fortbestand der Sparte machen. Nach der Ballettgala ist vor der Ballettgala, steht auf der Homepage des Theaters. Das heißt wohl, dass wir uns auch im nächsten Jahr wieder auf großartige Zeugnisse der Tanzkunst aus aller Welt freuen können.





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