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Dienstag, 25.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Bahnhofsumbau: Bauausschuss räumt mit Märchen über städtische Kosten auf

Hauptthema des Sachstandsberichtes zur Mobilitätsdrehscheibe, den Tiefbauamtsleiter Josef Weber gestern dem Bauausschuss erstattete, war der geplante Umbau des Hauptbahnhofs. In der anschließenden Aussprache wurde mit Märchen über die Baukosten aufgeräumt.

Zunächst gab Josef Weber Auskunft zum Planungsstand. Der höhengleiche Ostzugang vom Bahnhofsvorplatz – vom Sieger des Wettbewerbs Innenstadt vorgeschlagen – wird wegen der Widerstände der Bahn nicht weiterverfolgt. Der Konzernbeauftragte der DB Klaus-Dieter Josel hatte den Zugang im März als „Augsburger Loch“ bezeichnet (die DAZ berichtete). Auch mit dem Mittelbahnsteig der Wettbewerbslösung wird es nichts werden. Bei den hierzu nötigen höhengleichen Gleiskreuzungen stoße man auf technische Schwierigkeiten, eine alternative Umrüstung aller Straßenbahnfahrzeuge mit Türen auf beiden Seiten käme zu teuer, so Weber. Der Westzugang zum Bahnhof ist dagegen technisch und kostenneutral umsetzbar. Auf den möglichen Baubeginn angesprochen erklärte Baureferent Gerd Merkle, dass man im Herbst ins Planfeststellungsverfahren gehe, das dann eineinhalb Jahre dauert. Voraussetzung: ein Stadtratsbeschluss am 23. Juli.

Wettbewerbslösung: Schnitt Bahnhof mit Ausgang auf den Bahnhofsvorplatz

Auf Nachfrage von Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) präsentierte Merkle erstmals öffentlich Zahlen zu den Baukosten des Bahnhofs und zum städtischen Anteil. Auf der Basis des Planungsstandes Oktober 2008 betragen die Gesamtkosten 94,5 Mio. Euro. 55,5 Millionen hiervon tragen Bund und Land. Von den verbleibenden 39 Millionen trägt 16,7 Mio. die Bahn, 20,4 Mio entfallen auf die Stadtwerke Augsburg. Auf die Stadt selbst kommen 1,9 Millionen zu. Mit den 1,1 Millionen, die die zusätzlichen, vom Seniorenbeirat geforderten Fahrtreppen kosten, beträgt der städtische Anteil am neuen Bahnhof also 3,0 (i.W.: drei) Millionen Euro.

„Öffentliche Klarstellung dringend erforderlich“

In Anspielung auf den Architekten Volker Schafitel und den Präsidenten des Steuerzahlerbundes Rolf von Hohenhau bezeichnete Merkle es als äußerst unverantwortlich, mit falschen Zahlen zu agieren. Schafitel und von Hohenhau hatten vor wenigen Wochen von 40 Millionen städtischem Anteil gesprochen und im Zusammenhang mit einer eigenen Bahnhofslösung vermeintlich hohe Einsparmöglichkeiten aufgezeigt, was Merkle als „Märchen“ abtat. SPD-Fraktionschef Stefan Kiefer hierzu: „Diese Leute sind eigentlich bestens informiert“. Eva Leipprand bezeichnete Schafitels und von Hohenhaus Aussagen als „unsinnigste Behauptungen“. Seitens der Stadt sei eine Klarstellung dringend erforderlich, „sonst haben Falschmeldungen leichtes Spiel“.

Stefan Kiefer mahnte an, dass generell eine öffentliche Darstellung der Stadtregierung zum Bahnhof fehle: „Es kann nicht sein, dass Zweifel bestehen, was die Mehrheitsfraktion will – bei einem ganz zentralen Projekt der Stadtentwicklung“. Wolfgang Kronthaler (CSU) rechtfertigte sich für seine Fraktion: Die CSU habe den Hauptbahnhof nie in Frage gestellt. „Es waren sogar wir, die zusätzliche Fahrtreppen wollten“.