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Freitag, 17.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

AVV-Tarifreform: CSU und Grüne zeigen Fähigkeit zur Selbstkritik

Als das Thema 2018 auf der Agenda stand, stimmten die Stadträte der CSU und der Grünen für die umstrittene Tarifreform des öffentlichen Augsburger Nahverkehrs und bezeichneten sie als “großen Wurf”.

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Nun sieht die neue Regierungskoalition Bedarf für Weiterentwicklung und bewertet das neue (wie längst geforderte) 365-Euro-Ticket für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende als ersten Fortschritt. Am gestrigen Mittwoch ging es in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschaftsausschusses und der Ausschüsse der AVV-Gesellschafter-Landkreise um die Bewertung der 2018 in Kraft getretenen AVV-Tarifreform. Das Beratungsunternehmen, das die Evaluation der Tarifreform durchgeführt hat, zog mit Blick auf Fahrgastaufkommen, Abo-Zahlen und Einnahmenstabilität ein positives Fazit. Außerdem wurde in der Sitzung für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende ein 365-Euro-Jahresticket für das gesamte AVV-Verbundgebiet beschlossen.
Die schwarz-grüne Regierungskoalition sieht aber Bedarf, die AVV-Tarifstruktur umfassend weiterzuentwickeln und deutlich mehr Fahrgäste für die klimafreundliche Mobilität mit Bus, Tram und Bahn zu gewinnen. Und übt sich dabei in indirekter Selbstkritik.

Die Stadt brauche ein attraktiveres Tarifsystem und gute Verbindungen

„Die Tarifreform von 2018 stand von Anfang an unter der Maßgabe der Kostenneutralität. Unter diesen Bedingungen gelang es zwar die Abos auf manchen Relationen günstiger zu machen, für andere hingegen wurden sie deutlich teurer. Um mehr Menschen zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen, benötigen wir aber insgesamt ein attraktiveres Tarifsystem und gute Verbindungen. Hierzu ist auch die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes ein wichtiges Instrument“, so Matthias Lorentzen, Grünen-Sprecher für Öffentlichen Nahverkehr.

Kommt das 365-Euro-Ticket für alle?

Deniz Anan, Vize-Fraktionsvorsitzender und mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen, will ein 365-Euro-Ticket für alle: „Das neue 365-Euro-Ticket für den Schul- und Ausbildungsverkehr ist ein wichtiger erster Schritt. Unser Ziel bleibt eine 365-Euro-Jahreskarte für alle. Hierfür brauchen wir ein stärkeres Engagement der Landesebene – auch weil wir für eine Verkehrswende ein sehr gutes Angebot im Öffentlichen Nahverkehr finanzieren müssen.“

Dietz kündigt Gespräche mit der Staatsregierung an – wegen Finanzmittel

Leo Dietz, CSU-Fraktionsvorsitzender, erklärte hierzu: „Die Stadtregierung hat in ihrer Koalitionsvereinbarung flexible und attraktive Preise bei Bus und Bahn als Ziele benannt. Wie im vergangenen Sommer vom Stadtrat beschlossen wollen wir in Gesprächen mit der Staatsregierung eine nachhaltige Nahverkehrsfinanzierung erreichen. Dazu gehören für uns zusätzliche Finanzmittel vom Freistaat ohne Zweckbindung in spezifischen Förderprogrammen.“